Stern Karl

Karl Stern

*30.3.1901 in Neustadt, Marburg; +26.2.1996 in New York

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Vater Salomon Stern, Handelsmann, Kaufmann; +1935

Mutter Rosa Neuhaus + 1925

Beruf Schuhmacher

Adressen Neustadt; Marburg; Roth Nr. 98

Heirat Ellen Abraham *1.11.1906 Okriftel; +10.3.1995 in New York

Kinder

Harry Stern *6.2.1931 in Neustadt, Marburg; +20.12.1999 in Ridgewood, New Jersey

Ellen Stern *16.8.1932 in Neustadt, Marburg; Roth, Nr. 98; oo 2/1955 in Livingston, New Jersey Ira J. Zarin; 2 Söhne Gary Zarin  *11.4.1957 und  Jeffrey Zarin*21.3.1960

Marion Stern *9.10.1935 in Frankfurt; deportiert aus Riga in der Novemberaktion 1943 mit der Oma Paula

Weiterer Lebensweg

1929 Erna Abraham zieht nach Neustadt

1930 Heirat

1930-17.5.1939 wohnt die Familie in Neustadt, Marburg

18.9.1938 Schwiegermutter Paula zieht auch nach Neustadt

17.5.1939 gesamte Familie in Neustadt bei Minderheiten-Volkszählung

Haus der Witwe Bertha Stern in Roth, Nr. 98, Wohnort der Familien Stern 20.5.-5.12.1941

Mai 1941 Zwangsumsiedlung der 21 Neustädter Juden nach Roth und Fronhausen innerhalb von zwei Tagen auf Anordnung der Gestapo Kassel

8.12.1941 Vater Karl aus Marburg abgemeldet

5.12.41 inhaftiert, dann in Personenzügen nach Kassel, Turnhallen Wörthschule als Sammellager

9.12.41 Deportation Kassel-Riga mit den drei Kindern, Schwiegermutter Paula und Schwager Max

Fahrtroute über Berlin, Breslau, Posen, Königsberg

12.12. Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga bei 40 Grad minus

Mitte 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

28./29.9.- 3.10.1944 140 Zwangsarbeiter ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Libau, Lettland

13.-14.10. 1944 Die letzten 50 Männer, 10 junge Frauen mit der „Drechtdijk“ auch „Drächtig“ nach Libau

SS-Sonderlager Libau in Lettland, Arbeit im Hafen, Be- und Entladen von Schiffen

22.10.1944 Fliegerangriff auf Liebau mit zwei Toten unter den Häftlingen

22.12.1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um

Beim letzten lustigen Abend in der Schuhfabrik treten auch Ellen und Harry Stern auf

19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf dem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachter „Balkan“ über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg

27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo in Gefängniswagen vom Hafen nach Fuhlsbüttel

27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“, Zuchthaus und Konzentrationslager

12.-15.4.1945 86 km Fußmarsch nach Kiel, ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) „Nordmark“ in Hassee, Außenlager des KL Neuengamme in Kiel.

Rettungsaktion „Graf Bernadotte“ durch das Schwedische Rote Kreuz

Nach Verhandlungen des schwedischen Graf Bernadotte und Norbert Masur vom World Jewish Congress, Stockholm mit Heinrich Himmler nahe Berlin werden 168 jüdische Häftlinge und ihre Kinder nach Schweden freigelassen.

1.5.1945 153 Juden mit weißen Bussen des Roten Kreuz nach Pattburg, Dänemark, Entlausung in der Quarantänestation; weiter mit dem Zug nach Kopenhagen

2.5.1945 mit der Fähre nach Malmö; erste Quarantäne ca. 10 Tage

4.5.1945 Befreiung des AEL Nordmark Hassee durch britische „Royal Army“

13.5.1945 in Smålandsstenar, Schweden in Quarantäne

8.6.1945 Holsbybrunn, Heim der Schwedischen Ausländerkommission

August bis Oktober1945 wiederholt bei Botschaft und Behörden in Göteborg und Stockholm, um die Emigration in die USA vorzubereiten; Ziel ein Cousin in Orange, New Jersey, Vorsteher der Synagogengemeinde

6.2.1946 nach Ryds Brunn Ausländerlager, Flüchtlingsheim

28.3. – 30.3.1946 Ausreiseerlaubnis in Malmö erhalten

2.6.1946 Karl Stern Brief an Nachbarn in Roth, Höxter in Südafrika

3.-13.1.1947 auf der Stavangerfjord von Oslo nach New York mit Ehefrau und den Kindern Harry und Ella

26.2.1996 Tod in New York

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939  https://www.mappingthelives.org/

http://www.landsynagoge-roth.de/index.php/de/

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411209-19.jpg

https://collections.arolsen-archives.org/archive/70452146/?p=1&s=Stern%20Karl%201901%20&doc_id=70452146

U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7263); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

http://www.geschichtsverein-bordesholm.de/Veroeffentlichungen/Jahrbuecher/J06_7_Fentsahm_Evakuierungsmarsch.pdf

Käthe Fries, Schießen Sie mich nieder, Lukas Verlag 2017

Gertrude Schneider, Reise in den Tod, Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Laumann-Verlag, 2008

Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945

Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick (Hrsg.), Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Mein besonderer Dank gebührt Fred Zimmak für die großzügige Unterstützung meiner Recherchen.

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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