
Fritz Pollack
*13.3.1922 in Breslau; ✡19.4.2007 im Kfar Sava
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Kurt Pollack *18.7.1879; ✡14.1.1945 in Bergen Belsen
Mutter Gertrude Simons *22.6.1891; ✡ 25.4.1945 in Tröbitz
Geschwister

Franz Max Pollack *19.21918 in Breslau;30.9.1941 in Mauthausen
Beruf –
Adressen Breslau; Leiden; Enschede;

Heirat Elisabeth Isabella Bep Boässon *6.5.1917 in Middelburg; ✡29.8.1942 in Auschwitz
Kinder zwei
Weiterer Lebensweg
Vater Kurt war niedergelassener Arzt, Internist in Breslau
Frühjahr 1934 Bruder Franz nach Amsterdam
1937 Flucht von Fritz Pollack mit den Eltern nach Leiden in die Niederlande
20.7.1938 Emigration der Mutter
10.5.1940 Einfall der Wehrmacht in die Niederlande
September 1940 Räumungsbefehl für alle Juden in den Küstenregionen
Fritz Pollack mit den Eltern nach Enschede
Von Drancy nach Auschwitz
Ehefrau Bep Pollack beim Grenzübertritt verhaftet
26.8.1942 auf dem Transport Nr. 36 von Drancy nach Auschwitz
29.8.1942 Tod der Ehefrau in Auschwitz
Juli 1942 Eltern in Enschede Varviksingel 200; Mutter kommissarische Leitern der Buitenschool Jeugdzorg
Werkkampen -jüdische Arbeitslager
Im September 1940 wurden im Zuge der Arbeitsbereitstellung durch das Reichsamt für Arbeitserweiterung „Werkkampen“ errichtet.
Ab September 1942 dienten diese Lager als jüdisches Arbeitslager und Puffer für das Lager Westerbork.
Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager
In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober wurden alle Juden abgeführt.
Transport nach Hooghalen. Zu Fuß ins Kamp Westerbork. Die Trasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.
Kamp Westerbork

3.-5.10.1942 Fritz Pollack eingewiesen als Strafgefangener aus dem KL Vught in das polizeiliche Durchgangslager Westerbork

16.4.1943 Eltern eingewiesen im Kamp Westerbork; Vater Kurt kann hier im Lager Ziekenhuis als Arzt arbeiten
Sternlager Bergen-Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
11.-12.1.1944 Fritz Pollack auf dem 2. Transport mit 1037 „Austauschjuden“ aus Westerbork nach Bergen Belsen
15.-16.2.1944 die Eltern Pollack auf dem 5. Transport mit 773 „Austauschjuden“ aus Westerbork nach Bergen Belsen
14.1.1945 Tod des Vaters Kurt im Sternlager von Bergen Belsen
Der Verlorene Zug
10.4.1945 Evakuierung der Austauschjuden von Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt
Fritz Pollack mit seiner Mutter Gertrud auf der dritten Transport, dem „Verlorenen Zug“
23.4.1945 Irrfahrt des verlorenen Zuges endet an der gesprengten Elsterbrücke; Ankunft Tröbitz.
Befreiung durch die 1. Ukrainische Front der Roten Armee, General Tschukow
25.4.1945 Tod der Mutter in Tröbitz; Beisetzung der Mutter im Massengrab an der Blockstelle
Die drei Mauthausen Razzien 1941 in den Niederlanden
Alle bei den drei Razzien als „Vergeltungsaktion“ verhafteten Juden wurden zur „Sonderbehandlung“ Mauthausen deportiert. Die Einweisung in das als Stufe III kategorisierte Lager Mauthausen bedeutete dabei faktisch eine Verurteilung zur „Vernichtung durch Arbeit“ im dortigen Steinbruch.
(Laut Erlass von Reinhard Heydrich: „Stufe III: Für schwer belastete, insbesondere auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, d. h. kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge, das Lager: Mauthausen.“)
In Mauthausen werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch, oftmals tödliche medizinische Experimente und Giftinjektionen ermordet.
September Razzia in Twente
Im Sommer 1941 und am 12.9.1941, dem Vortag der Razzia in Twente verübte der örtliche Widerstand Sabotageakte, Telefonkabel der Wehrmacht wurden durchtrennt. Die Besatzer reagierten zunächst mit der Androhung von Repressalien, sollten sich die Täter nicht melden.
14. September 1941 bei der Razzia in Hengelo wird Bruder Franz in seiner Wohnung in der Kievitstraat festgenommen und im Lyceum von Enschede eingesperrt (auf einer Nachkriegsliste werden 105 Männer genannt, das Netzwerk „Oorlogsbronnen“ listet 107 auf).
Die Festnahmen erfolgten in: Enschede (66), Hengelo (10), Almelo (10), Oldenzaal (8), Denekamp (3), Goor (3), Delden (2), Haaksbergen (2), Borne (1).
30.September 1941 offizielles Todesdatum von Bruder Franz in Mauthausen
Todesdatum, Todesort und Ursache des Bruders Franz sind aber keineswegs gesichert, da nachweislich bei über 3794 Mauthausen Häftlingen gefälschte Sterbeurkunden ausgestellt wurden, um die Angehörigen darüber hinwegzutäuschen, dass diese der Häftlingseuthanasie in Schloss Hartheim zum Opfer gefallen waren.
Keiner der insgesamt 744 Juden aus den drei Straftransporten hat die mörderischen Bedingungen im Steinbruch und ärztliche Experimente in Mauthausen länger als 10 Monate überlebt, der letzte – David Zilverberg aus der „Februari Groep“ – starb am 5.2.1942.
Nach der Befreiung
Einige der in Tröbitz Befreiten kommen auf Fahrzeugen der US Army zur amerikanischen Militärbasis in Leipzig
September 1945 Fritz Pollack in Leipzig
Rückkehr in die Niederlande, vermutlich über das Rückkehrer-Sammellager Abtei St. Benediktusberg in Mamelis Vaals
Studium von Fritz Pollack in Wageningen
1956 noch in Enschede
Emigration von Fritz Pollack nach Palästina
Gedenken
Bericht von Fritz Pollack mit Ergänzungen durch Ruth Birger Pollack
2022 Stolperstein für Bruder Franz Pollack und Isabella Boässon in Hengelo Kievitstraat 38
11.1.2023 Stolperstein für die Eltern in Leiden, Rijnsburgerweg
Quellen
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de576206
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de587599
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de576205
https://www.joodsmonument.nl/en/page/387132/franz-max-pollack
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130356724
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130356723
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316