Neis Simon

Simon Neis/Shimon Navon

*20.5.1923 in Köln; ✡

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Aron Neis *21.9.1893 in Jaroslaw; ✡? Vor 1945

Mutter Ida Ostrau *18.8.1904; ✡?

Geschwister

Hermann Neis *5.8.1921 in Köln; ✡ Vor 1945 in Polen

David Neiss *20.11.1924 in Köln; ✡ 4.8.2010 in Denver

Springe Neis *6.12.1927 in Köln; ✡10.9.1943 in Auschwitz

Abraham Moses Neis *9.1.1929 in Köln; ✡5.11.1942 in Auschwitz

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; Bäcker

Adressen Köln, Agrippastraße 2

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

6.9.1938 erstmals in Köln verhaftet (?28.10.1938?)

Polenaktion

28.10.1938 Vater Aron und Bruder Hermann abgeschoben nach Zbaszyn in der Polenaktion

29.3.1939 Springe und Abraham mit Kindertransport nach Rotterdam, später Groningen

David und Simon Neiss Mitglied im Bachad

Kindertransport

7.12.1938 Simon mit Bruder David mit Kindertransport nach Amsterdam

7.12.1938 Quarantine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321, Amsterdam

25.12.1938 Koloniehuis Sonsbeek, Schelmseweg 5, Arnhem

Dezember 1938 im Koloniehuis Sonsbeek, Bruder David 4. v. li., Simon Neis vorne 2. von links

Besuch der Ambachtschool in Arnhem

29.12.1939 Huize Kraaybeek, Hoofdstraat 63, Driebergen

27.2.1940 Simon von Driebergen zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

27.6.1941 Simon Neis vom Werkdorp nach Amsterdam

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorp

Mijnsheerenland

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren Jugendalija Hof von Moerkerken in Mijnsheerenland für die Jüngeren und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

11.3.1940 David Neiss zur Hachschara nach Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen muss Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und die Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

16.10.1940 Bruder David Neiss nach Loosdrecht, „het Paviljoen“

Loosdrecht Juni 1942 David Neiss dritte Reihe, vierter von links

1942 zusammen mit Bernard Aschheim will er sich einen Ausweis (P.B.) beschaffen, um auf eigene Faust unterzutauchen

9.2.1942 Bruder David zur Ambachtschool nach Arnheim

Die Geschwister Neiss im Kamp Westerbork

19.1.1942 Simon in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

5.2.1942 Bruder Abraham nach Auschwitz

7.9.1943 Schwester Sabine nach Auschwitz

Theresienstadt

18.1.1944 Simon Neis auf dem Transport XXIV/2 von Westerbork nach Theresienstadt

Auschwitz

1.10.1944 Simon Neis auf dem Transport E m mit 1500 Gefangenen von Theresienstadt nach Auschwitz

10.10.1944 Ankunft in Dachau; Häftlingsnummer 115331

April 1945 Simon Neis befreit durch die US Army in Kaufering

8.7.1945 Simon Neis im Pflegeheim „Joodse Invalide“ in Amsterdam

1.11.1983 Simon in Kiriat Notzkin

Bruder David überlebt als Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem typischen Datumsstempel der onderduiker aus Loosdrecht

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

David Neiss kommt mit drei weiteren „onderduiker“ in die Familie Lange in Wassenaar

Die Geburtsstunde des Netzwerks Westerweel

Diese erste Untertauchaktion, initiert von Mirjam Waterman und ihren Freunden, war die Geburtsstunde des Netzwerks Westerweel. Im Kern bestand diese Widerstandsgruppe aus christlichen Mitarbeitern und Schülern der freien Schule „Werkplaats“ in Bilthoven und der Gruppe der Chaloetsim aus Loosdrecht um Schuschu Simon und Menachem Pinkhof. Die starke Klammer zwischen diesen beiden Gruppen bildete Mirjam Watermann. Das Netzwerk um seinen charismatischen Führer Joop Westerweel kümmerte sich um die Beschaffung von illegalen Ausweisen, Organisation von Unterkünften in Antwerpen und die Grenzübergänge von Belgien nach Frankreich auf der Fluchtroute für Palästina-Pioniere nach Spanien; von den insgesamt 716 im Jahre 1942 noch in den Niederlanden lebenden Chaluzim, überlebten 393 durch das Engagement der Westerweel-Gruppe. Joop Westerweel wurde 10. März 1944 bei dem Versuch festgenommen, Thea Perlmutter und Ruth Direktor über die niederländische Grenze nach Belgien zu schmuggeln. Er wurde am 11. August 1944 im KL Vught erschossen.

Widerstand in Frankreich

Februar 1944 Menachem Pinkus bringt Bruder David aus dem Versteck nach Paris; dort kleinere Einsätze für die Widerstandsgruppe um Windmüller und Reilinger.

Später nach Bordeaux und Toulouse

September 1944 Transport über die Pyrenäen

Alija von David Neiss auf der SS GUINEE 1944

22.9.1944 David Neiss bekommt ein britisches Visum, Kategorie Arbeiterzertifikat C/LS

September/Oktober 1944 erhielten Paul Siegel und weitere Palästina-Pioniere von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.

David Neis und andere wie Siegel, Chanan Flörsheim und 53 weitere Hechaluz-Mitglieder gingen am 27.Oktober 1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Gedenken

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5104967

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10218863

David Neiss, Autobiografischer Bericht, 1956

https://infocenters.co.il/gfh

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945; 1998

http://www.dokin.nl/surviving_children/david-neis-born-20-nov-1924/

http://dokin.nl/deceased-children/Adolf-Abraham-Moses-Neis-born-9-Jan-1929

http://dokin.nl/deceased-children/Sabine-Neis-born-6-Dec-1927

http://dokin.nl/surviving-children/Simon-Neis-born-20-May-1923

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130346596

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130346598

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130432510

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de935102

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de935087

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de935083

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de935098

https://infocenters.co.il/gfh/search.asp?lang=ENG

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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