Rosenthal Rolf

Rolf Rosenthal

*17.12.1924 in Duisburg; ✡ 2020

Staatsangehörigkeit  staatenlos

Religion jüdisch

Vater Max Rosenthal *19.2.1890 in Düsseldorf; ✡ 11.10.1944 in Auschwitz

Heirat der Eltern 14.5.1919 in Werl

Mutter Fanny Stern *27.10.1888 in Büderich; ✡11.10.1944 in Auschwitz

Tante Herta Polak geb. Rosenthal *29.12.1903 in Ibbenbüren; 1943 Auschwitz; oo Gerrit Polak

Geschwister

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Duisburg; Düsseldorf, Reichsstraße 47

Heirat Esther Silberschatz

Kinder

Weiterer Lebensweg

November 1938 Kindertransport in die Niederlande; bei der Registrierung seiner Personalien gibt er an, dass seine Tante Herta in Amsterdam, Markensteeg 8 wohnt; deren Ehemann Gerrit Polak erklärt, Rolf Rosenthal bei sich aufnehmen zu wollen.

13.12.1938 Rivierenhuis de Steeg, Hoofdstraat 10, Rheden

27.2.1939 Flucht der Eltern ohne Visum in die Niederlande.

14.7.1939 Internierung des Vaters  im Männer-Flüchtingslager in Hoek van Holland

Rolf Rosenthal in Loosduinen in Ockenburgh bei Den Haag; bestand als Kinderflüchtlingsheim von Januar bis September 1939, Überleitung in das Huis ten Vijver, Dwarsweg 3, Scheveningen

24.7.1939 Vater Max schreibt einen Bittbrief aus dem Männer-Flüchtingslager in Hoek van Holland; er habe Urlaub und sein Sohn Rolf möchte aus Loosduinen zu seiner Mutter nach Amsterdam beurlaubt werden.

Der Bitte wird entsprochen: er bekommt die Erlaubnis 14 Tage bei der Familie Rosenthal 2.1.1940
Loosdrecht, Aliyah facility „het Paviljoen“, Loosdrecht

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Mijnsheerenland

Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

2.1.1940 zusammen mit Meta Lande aus dem Heim Huis ten Vijver, Dwarsweg 3, Scheveningen in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert.

Kamp Westerbork

6.3.1940 Vater Max kommt in das Flüchtlingskamp Westerbork

Rolf Rosenthal offensichtlich zusammen mit seinen Eltern 1940 im Flüchtlingskamp Westerbork. Die Eltern werden auf ihren Karteikarten als „oude kampbewooners“ bezeichnet, sie müssen demnach vor dem 10.5.1940 dort interniert gewesen sein.

Rolf Rosenthal ist ab dem 9.5.1940 aus Westerbork für 4 Tage beurlaubt und bleibt dann wegen des Kriegsbeginn länger in Amsterdam.

29.5.1940 Rolf Rosenthal schreibt einen Bittbrief um Erlaubnis, in Amsterdam seine Gesangsausbildung fortsetzen zu dürfen.

30.5.1940 Das Ministerium antwortet schroff: Er müsse sofort in das Flüchtlingscamp Westerbork zurückkehren.

Rolf Rosenthal in der Tischlerei von Loosdrecht.

Schreinerlehrlinge in Loosdrecht; von links
Rolf Rosenthal, Itsche Teitelbaum, Arthur Dancygier, Manfred Ruebner, Heinz Cosmann, Manfred Paul

Ein Jahr arbeitet er auf dem Hof der Brüder J. und H van der Vliet. Sein Arbeitseifer scheint sich in Grenzen gehalten zu haben. Als J. van der Vliet Vater wird schenkt er der Mutter einen kleinen Holzschuh mit 12 Kupfermünzen

Loosdrecht im Juni 1942; Rolf Rosenthal ganz oben links am Dach

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem typischen Datumsstempel der onderduiker aus Loosdrecht

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

Westerbork

9.12.1942 Rolf Rosenthal kommt in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork; auf der Karteikarte findet sich kein Hinweis, dass er zuvor als onderduiker festgenommen und als Strafgefangener eingewiesen wurde.

29.1.1943 Mutter Fanny in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

18.1.1944 Rolf Rosenthal mit den Eltern auf dem Transport XXIV/2 von Westerbork in das Ghetto Theresienstadt

28.9.1944 Rolf Rosenthal auf Transport E k von Theresienstadt nach Auschwitz

9.10.1944 beide Eltern auf dem Transport E p von Theresienstadt nach Auschwitz

Tod der Eltern in Auschwitz.

Rolf Rosenthal überlebt und kehrt in die Niederlande zurück.

Alija Beth auf der SS TEL HAI

März 1946 großer Militär-LKW-Konvoi der Jewish Brigade von Antwerpen nach Marseille. Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von

Von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille.  Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.1946 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen.

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI

Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen.

Gedenken

Quellen

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5116787

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

http://www.dokin.nl/surviving_children/rolf-rosenthal-born-17-dec-1924/

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de953645

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1712137

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Fanny%20Stern%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Herta%20Rosenthal%22%7D

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365797

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365695

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert