Lola Mehrgut
*1918 in Hamburg; ✡2001 in Oslo;
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Wolf Willy Mehrgut *3.9.1883 in Hamburg; ✡ 25.2.1945 in Bergen Belsen
Heirat der Eltern 24.7.1907 in Berlin
Mutter Gertrud Badt *22.3.1885 in Breslau ; ✡ Sept 1977 New York
Geschwister
Elise Felicitas Mehrgut *18.10.1908 in Vilkaviskis, Litauen; ✡ ?; oo 1944 in NY mit Martin Kleinmann (*9.4.1914 Duisburg)

Kurt Georg Mehrgut *31.1.1914; ✡10.9.1941 in Mauthausen
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär
Adressen Hamburg, Woldsenweg 8; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam; London
Heirat 16.11.1945 in London mit Ernst Schwitters *16.11.1918 in Hannover; ✡17.12.1996 in Oslo; Ernst Schwitters war der Sohn des berühmten Dadaisten Kurt Schwitters (1887-1948)
Kinder
Bengt Schwitters
Weiterer Lebensweg
1934-36 im Gefängnis wegen einer Haftstrafe
1936 Flucht nach Prag
1.8.1937 Emigration des Vaters nach Amsterdam
16.11.1937 Kurt Mehrgut von Prag nach Amsterdam, Diezestraat 40 bei Gobas
28.4.1938 Kurt Mehrgut von Amsterdam zur Hachschara ins Werkdorp
13.2.1939 Lola Mehrgut ins Werkdorp
5.4.-19.4.1940 Schwester Elise auf der SS NOVA SCOTIA von Liverpool nach Boston
Kontaktadresse Schwester Lola in London
28.5.1938 Kurt Mehrgut zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen
16.8.1939 Offizielle Abmeldung von Lola Mehrgut aus dem Werkdorp
1939 Lola mit der Mutter und Schwester Felicitas nach England
Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.
28.5.1938 Kurt Mehrgut zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen
Kurt Mehrgut spielte gerne Geige im Werkdorp mit einem weiteren Chawer
13.2.1939-16.8.1939 Lola Mehrgut im Werkdorp

16.8.1939 Offizielle Abmeldung von Lola Mehrgut aus dem Werkdorp
1939 Lola mit der Mutter und Schwester Felicitas nach England
29.9.1939 Lola Mehrgut beim britischen Census in Lockhill, Stubbs Wood Road, Amersham, Buckinghamshire als Haushälterin in der Familie Campbell
Auflösung des Werkdorp
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten, Kurt zur Fam. Gompers, ASD Corellistraat 5 II
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Zweite große Razzia in Amsterdam
14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle
Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.
11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“
11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.
Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl
22.6.1941 Deportation von Bruder Kurt mit 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941
10.9.1941 Tod von Bruder Kurt in Mauthausen
Kamp Westerbork – KL Bergen Belsen
1942 Vater angestellt in der Registratur des Joodse Raad in Amsterdam
20.7.1943 Einweisung des Vaters in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork
Auschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen
Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
1.2.1944 Vater Wolf auf dem zweiten Transport von 1037 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen
25.2.1945 Tod des Vaters in Bergen Belsen
1946 Suchanzeige des JDC für den Vater von Schwester Elisa Fay Kleinmann
26.3.1957 Lola Schwitters mit norwegischem Pass auf der SS STAVANGERFJORD von Oslo über Halifax nach New York
Rechtsstreit um den Nachlass von Kurt Schwitters
11.12.1996 Tod des Ehemanns Ernst Schwitters, Sohn des berühmten Dadaisten Kurt Schwitters (1887-1948)
21.4.2000 schreibt die Zeitung „The Catholic Press“ :
„Die Marlborough Gallery wurde 1975 wegen Betrugs am Nachlass von Mark Rothko zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, außerdem wurde ihr Betrug am Nachlass von Francis Bacon vorgeworfen, und derzeit kämpft sie in einem Rechtsstreit um den Nachlass des deutschen Dadaisten Kurt Schwitters.... In Oslo erklärte jedoch Dag Thorstensen, ein Anwalt der Lola Schwitters, die Witwe von Ernst Schwitters, dem Sohn und Erben des Künstlers, und ihren Sohn Bengt vertritt, dass sie gegen die Entscheidung Berufung einlegen würden.“
Gedenken
Stolpersteine für Kurt, Wolf und die Tante Sophie Mehrgut in Hamburg, Woldsenweg 8
1983 Page of Testimony für Kurt Mehrgut von Helmut Zeev Cohn
Quellen
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Mehrgut%22%7D&page=8
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930060
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130339313
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131775414
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
„Passenger Lists of Vessels Arriving at Boston, Massachusetts, 1891-1943“ (National Archives Microfilm Publication T843, roll 449, line number 1, record id 005104611_00258_0); Digital Folder Number 005104611, Image Number 00258-s
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer