Loewkowitz Max

Max Loewkowitz

*4.4.1916 in Grodnik (?), Warschau; ✡ unbekannt

Staatsangehörigkeit  polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Familienbezug unsicher

Vater Alfred Loewkowitz *31.7.1931 in Konstadt; ✡ 21.12.1938 in Buchenwald

Mutter Frieda Brauer *21.5.1896; ✡ Majdanek

Geschwister

Rosemarie Loewkowitz *30.7.1931 in Grojec ; ✡Majdanek

Beruf Schneiderlehrling

Adressen Warschau; Dresden; Wolzig

Heirat  –

Kinder

Weiterer Lebensweg

Das jüdische Jugend- und Lehrheim in Wolzig

Jugendheim Wolzig; großes Gebäude ganz links; Sammlung Ralph Gabriel

November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin

Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund

Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen, im Juni 1933 noch 43 davon acht nicht jüdisch.

Überfall der SA auf das Jugend- und Lehrheim in Wolzig

Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 34 Jungen zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.

Das KL Oranienburg war von der SA-Standarte 208 am 21.3.1933 in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet worden, Ende April übernommen vom Potsdamer Regierungspräsident.

7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:

„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“

9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:

„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“

Sechs weitere Verhaftungen in das Gestapogefängnis Berlin:

Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.

Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“

5.7.1933 Tag des Verhörs von Max Loewkowitz im KL Oranienburg; er gibt an, Kenntnis von der kommunistischen Gruppe zu haben.

10.7.1933 Entlassung der 34 Wolziger aus dem KL Oranienburg

ASR Aktion

15.6.1938 Verhaftung vom über 9.000 „Asozialen“ und „Straftätern“ in der sogenannten Operation Arbeitsscheu durch die deutsche Kriminalpolizei und als ASR-Häftlinge in die Konzentrationslager gebracht. Unter den Verhafteten waren ungefähr 1.000 Juden. (erste Massenverhaftung von Juden)

15.6.1938 Alfred Loewkowitz eingewiesen als ASR-Jude in das KL Buchenwald

21.12.1938 Tod von Alfred Loewkowitz im KL Buchenwald

1941 Rosemarie Loewkowitz im Auerbach’schen Waisenhaus Berlin

13.6.1942 Frieda Loewkowitz mit Tochter Rosemarie ins KL Majdanek

Zu Max Loewkowitz keine weiteren Daten

Gedenken

Quellen

Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993

„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“

Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen

https://www.myheritage.de/research

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6511618

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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