Caminer Kurt

Kurt Philipp Phil Caminer

*6.2.1924 in Berlin; ✡ 4.9.2017 in Portsmouth, Virginia

Staatsangehörigkeit deutsch; USA

Religion jüdisch

Vater Siegmund Caminer *11.10.1889 in Borna, Leipzig; ✡ 25.11.1941 im Fort IX in Kaunas

Mutter Lieba Pufeles *24.9.1893/26.1.1897 in Krakau; ✡ 1995 in Virginia

Geschwister

Hans Joachim Caminer *18.8.1920 in Berlin; ✡20.9.1941 in Mauthausen

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Berlin-Lankwitz, Kaiser Wilhelmstrasse 46; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 28.5.1949 in Arlington mit Shirley Bratager *6.10.1922 Minnesota

Scheidung 28. 8.1967

Ehe mitVicki Beck

Kinder

Stephen John Caminer *21.11.1950 in Washington DC; 20.12.2022 in Denver

Thomas L. Caminer, Queens

Weiterer Lebensweg

Ostern 1927-1934 Privatschule Finkenkrug Volksschule

17.5.1939 Kurt Caminer mit Vater Siegmund und Bruder Hans in Berlin-Lankwitz, Kaiser Wilhelmstrasse 46 bei der Minderheitenzählung

Gut Winkel

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

Bei der Minderheitenvolkszählung am 17. Mai 1939 wurden 210 jüdische Bewohner erfasst.

17.5.1939 Kurt Caminer auch in Gut Winkel, Spreenhagen registriert bei der Minderheitenzählung

25.7.1939 Kurt Caminer auf dem 25. England-Transport von Berlin über Hoek van Holland nach Harwich, dann London

Kurt Caminer auf einer Farm in Wales

Mai 1940 Verhaftung „Collar the lot“ als „enemy alien“; Internierung auf der Isle of Man

Jessen Mühle

1939 Hans Caminer zur Hachschara nach Jessen-Mühle; das Lager bestand bestand in der Zeit von 1932 – 1943 für 30 Chawerim, Träger war die Jüdische Jugendhilfe

Werkdorp Nieuwe Sluis

August 1939 Bruder Hans zusammen mit Berta Englard und Günther Glogowski von Jessen-Mühle zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

I

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Hans Caminer kommt in die Familie Cohen, Amsterdam, Stadionweg

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

— abgemeldet nach

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

22.6.1941 Deportation von Hans Caminer mit den 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Massenerschießung in Kaunas

17.11.1941 Vater Siegmund auf dem Transport von Berlin nach Kaunas; Einsperrung im Fort IX

25.11.1941 nach Ankunft der Juden aus Frankfurt/Main Massenerschießung zusammen mit den zuvor Eingetroffenen aus Berlin und München; vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD wurden insgesamt 2934 Menschen im Fort IX außerhalb der Stadt erschossen.

Nachkriegszeit

6.-15.7.1947  Kurt Caminer auf der SS MARINE TIGER von Southampton nach New York

Jobs von Kurt Phil Caminer in den USA

Insurance underwriter

Manager of a Planters Peanut store on Granby Street in Norfolk
Group home manager and counselor to the adult developmentally delayed people of Norfolk (Hope House Foundation)
Group home manager and counselor to the adult developmentally delayed people of Virginia Beach (VOA Baker House)
Group home manager and counselor to the adult developmentally delayed people of Chesapeake

Gedenken

12.8.1994 Pages of Testimony für Hans Caminer und seinen Vater Siegmund von Cousine Gisela Eisner

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1040176

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Caminer%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Englard%22%7D

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130269328

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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