Lehmann Gerhard

Gerhard Martin Lehmann

*23.4.1923 in Berlin; ✡ 17.10.1941 in Mauthausen

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Hans Lehmann *2.10.1886 in Berlin; ✡ 23.7.1943 in Sobibor

Mutter Hildegard Caroline Hirschfeldt *8.12.1889 in Berlin; ✡ 15.10.1941 in Berlin

Stiefmutter Elly Cahn *12.5.1898 in Berlin; ✡ 23.7.1943 in Sobibor

Geschwister

Kurt Lehmann *1.9.1919 in Berlin; ✡ 18.9.1941 in Mauthausen

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Berlin Mommsenstraße 34; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam, Euterpestraat 71

Heirat

Kinder

Weiterer Lebensweg

10.1.1934 Vater Hans emigriert mit beiden Söhnen nach Amsterdam

Kurt und Gerd im Maccabi HaZair von Amsterdam

Scheidung der Eltern 1.4.1935 in Berlin

17.5.1939 Mutter Hildegard in Berlin, Liegnitzer Straße 32 bei der Minderheitenzählung

Werkdorp Nieuwe Sluis

14.2.1940 Gerhard zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

10.4.1940 zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Gerd arbeitet in der Landwirtschaft, Kurt in der Schreinerei bei Meister Hirsch

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Kurt und Gerhard gehen zurück zu ihrem Vater; abgemeldet nach Euterpestraat 71 in Amsterdam

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

18.9.1941 Tod von Kurt Lehmann in Mauthausen

17.10.1941 Tod von Gerd Lehmann in Mauthausen

Suizid

15.10.1941 Suizid der Mutter vor anstehender Deportation in Berlin

Sobibor

3.6.1942 Heirat von Vater Hans mit Elly Cahn in Amsterdam

20.6.1943 Einweisung des Vaters und Stiefmutter Elly in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 55

20.7.1943 Deportation des Vaters und Stiefmutter Elly von Westerbork nach Sobibor

23.7.1943 Tod des Vaters und Stiefmutter Elly in Sobibor

Gedenken

Quellen

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Lehmann%20Hans%22%7D&page=2

www.werkdorpwieringermeer.nl/en/gerhard-martin-lehmann-2/

www.werkdorpwieringermeer.nl/en/kurt-lehmann-2/

www.joodsmonument.nl/en/page/226441/gerhard-martin-lehmann

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1100518

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130330236

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130330251

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130330242

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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