Schönenberg Günter

Günter Schönenberg/George Shelton

*7.9.1920 in Gelsenkirchen; ✡ 26.11.2002 in San Francisco

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Julius Schönenberg *30.9.1875 Hörde (DO); ✡ 7.5.1936 Gelsenkirchen

Heirat der Eltern März 1914

Mutter Selma Rosenthal *13.5.1890 in Annen (Witten); ✡8.7.1942 Theresienstadt

Onkel Max Meyer *3.10.1866 Oerlinghausen; ✡25.11.1941 in Lage

Tante Antonie Meyer geb. Rosenthal *1.9.1872 in Annen; ✡ 1942 Auschwitz

Tante Toni Meyer geb. Schönenberg *16.7.1879 in Gelsenkirchen; oo Moritz Meyer

Abschiedsfoto vom 17.8.1938 mit der Mutter und Schwester Erna

Geschwister

Erna Schönenberg *1.4.1915 in Gelsenkirchen; ✡ 30.11.1943 Auschwitz; Gradenvitz

Cousin Heinz Schönenberg * 25.3.1912 in Duisburg; ✡30.11.1974 in Londrina, Brasilien

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Gelsenkirchen, Wanner Straße 119; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 23.7.1943 in Amsterdam mit Branca Blits *3.9.1919 in Amsterdam

Scheidung 18.4.1946 in Amsterdam

2.Ehe 13.5.1960 in San Francisco mit Ilse Pieck *23.7.1921in Berlin; ✡15.6.2008 in San Francisco

Kinder

Weiterer Lebensweg

Die Eltern des Vaters Lina Schönenberg starben 1923 und Salomon Schönenberg 1928; beide wurden auf dem jüdischen Friedhof an der Wanner Straße beerdigt.

1930-1934 Günter Schönenberg auf dem Realgymnasium

Die begonnene Lehre als Kaufmann muss er wegen Geschäftsschließung beenden.

7.5.1936 in Gelsenkirchen

Juni 1938 Die Ausbildung zum Schweißer bei Schrotthändler Moses Stern muss er ebenfalls wegen „Arisierung“ abbrechen

18.8.1938 Flucht von Günter Schönenberg in die Niederlande

Novemberpogrom

Das von Mutter Selma und Schwester Erna geführte Geschäft für Manufakturwaren und Herren-bekleidung an der Wanner Straße 119 wird verwüstet

Minderheitenzählung 1939

17.5.1939 Mutter und Tochter Erna wohnen im Dorf Wellentrup, Ortsstraße 68, Kreis Lemgo, Lippe, Westfalen bei der Schwester der Mutter Antonie und ihrem Mann Sanitätsrat Dr. med. Max Meyer. Im Hause wohnen auch Max Meyers Schwester Gertrud und deren Mann Wilhelm Denninghaus, sowie dessen Schwester Ursula Denninghaus

17.6.1939 Schwester Erna von Wellentrup nach Leeuwarden, Voorstreek 27, Friesland

Werkdorp Nieuwe Sluis

5.9.1938 Günter Schönenberg zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

1940 Abschluss der Hachschara mit einem Diplom für „Gutes Melken und Viehversorgung“

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann aus Bochum berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

(Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam)

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“Günter Schönenberg berichtet:

„Im Mai 1940 marschierten die Deutschen in Holland ein und es dauerte nicht lang bis die ersten Gesetze gegen die Juden herauskamen. Bis März 1941 blieben wir alle in unserem Trainingslager, dann fuhren eines Tages Autobusse vor, begleitet von der SS. Wir wurden angewiesen, in die Busse zu steigen, mussten alles stehen und liegen lassen. Obwohl wir böse Vorahnungen hatten, brachte man uns nur nach Amsterdam und zu unserer Überraschung ließen sie uns dort gehen. Es waren ca. 30 Personen im Lager zurückgelassen worden, die das Vieh versorgen mussten. Diese Leute sorgten dafür, dass fast jeder von uns seine Sachen nachgeschickt bekam.“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

5.9.1941 Günter Schönenberg offiziell aus Wieringermeer abgemeldet nach Amsterdam, Corellistraat 16; die Tante Toni Meyer geb Schönenberg kann ihn und seine Schwester Erna aus Platzmangel nicht aufnehmen

Günter arbeitet als Stenotypist in der Expositur des Joodse Raad (JR) und hat als solcher eine „Sperre“. Die Expositur war die Abwicklungsstelle des JR bei anstehenden Deportationen. Dort lernt er Branca Blits kennen, die hier ebenfalls als Stenotypistin für den JR tätig ist.

23.7.1943 Heirat mit Branca Blits in Amsterdam

Au-Be 170

Sommer 1943 Das Ehepaar Günter und Branca Schönenberg steht auf der Au Be -Liste; diese Ausnahmebescheinigungsliste wurde im Auftrag von SS Hauptsturmführer Ferdinand Aus der Fünten, Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung für die engsten 170 Mitarbeiter des Amsterdamer Judenrat erstellt. Sie durften bis auf weiteres nicht deportiert werden.

29.9.1943 seine Frau Branca wird in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork eingewiesen.

Anfang September 1944 gingen die letzten drei Transporte aus Westerbork ab. Der erste nach Auschwitz, der zweite nach Theresienstadt, der dritte nach Bergen-Belsen. Im letzten Transport befanden sich viele Judenratsmitglieder mit ihren Familien und Angehörige der Kranken- und Versorgungsdienste aus Westerbork.

4.9.1944 Branca Blits mit vielen „prominenten“ Juden und „verdienten“ Mitarbeitern des JR auf dem Transport XXIV/7 von Westerbork nach Theresienstadt

Am 5.September 1945 kehrt Branca Blits nach Amsterdam zurück

Die Ehe wird am 18.4.1946 in Amsterdam geschieden

Frankreich 1943-45

3. November 1943 Flucht mit gefälschten Wehrmachtspapieren aus den Niederlanden nach Frankreich

Günter Schönenberg berichtet:

Nun kam der Tag im November 1943, als eine Gruppe von ca. zwölf jungen Männern mit falschen Wehrmachtspapieren, O.T.-Ausweisen und Reiseerlaubnissen einen Zug in Amsterdam bestieg, um via Den Haag und Brüssel nach Paris zu fahren. All das zum ersten Mal in den Jahren ohne den „gelben Stern“, was uns sofort zu „S“-Fällen gemacht hätte, wenn die SS uns geschnappt hätte. Natürlich war man ein wenig nervös, denn man konnte die Fahrt kaum als ein Abenteuer betrachten.“ (S-Fälle = Strafgefangene)

Die Gruppe arbeitet mit Wehrmachtspapieren als holländische Fremdarbeiter für die Organisation Todt OT, u.a. beim Bau von Festungsanlagen.

Als Fremdarbeiter später im Lohnbüro einer österreichischen Firma in den Pyrenäen.

Das Schicksal der Mutter und Schwester

Nach dem Novemberpogrom zieht die Mutter Selma zu ihrer Schwester Antonie nach Wellentrup

17.5.1939 Mutter und Tochter Erna wohnen im Dorf Wellentrup, Ortsstraße 68 , Lippe, Westfalen bei der Schwester der Mutter Antonie und ihrem Mann Sanitätsrat Dr. med. Max Meyer, Im Hause wohnen auch Max Meyers Schwester Gertrud und deren nichtjüdischen Mann Wilhelm Denninghaus, sowie dessen Tochter Ursula Denninghaus(*5.2.1918)

19.3.1942 Mutter Selma von Wellentrup ins Judenhaus im aufgelösten jüdischen Altenheim Bielefeld, Stapenhorststraße 35; Leiterin war Margarete Feist

Juli 1942 Verbringung von Mutter und Tante Antonie in das Sammellager für die Bielefelder Juden im Lokal Kyffhäuser

8.7.1942 Mutter Selma und Tante Antonie Meyer auf dem Transport nach Auschwitz

8.7.1942 Tod der Mutter Selma im Zug auf dem Transport

Kamp Westerbork

3.10.1942 Einweisung von Schwester Erna in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

16.10.1942 Heirat von Schwester Erna mit Josef Gradenvitz in Westerbork

7.12.1943 Erna und Josef Gradenvitz von Westerbork nach Auschwitz

30.11.1943 Tod von Schwester Erna in Auschwitz

Nachkriegszeit

Suchanzeige von Günter Schönenberg iin der Exilzeitung ‚Aufbau‘, 14. September 1945

Anfang 1946 Günter Schönenberg von Paris nach Amsterdam

13.-23.6.1947 Günter Schönenberg auf der SS BARNARD VICTORY von Rotterdam nach New York

Günter Schönenberg nahm dort den Namen George G. Shelton an. Er verstarb im November 2002 in den USA.

Gedenken

Grabsteine für Salomon, Lina und Julius Schönenberg auf dem Jüdischen Friedhof Gelsenkirchen, Wanner Straße

Stolpersteine für die Mutter Selma, Schwester Irma und Günter in Gelsenkirchen

Pages of Testimony für Schwester Erna von Reuwen Schönenberg und Cousin Josef Vardon

Pages of Testimony für die Mutter Selma von Cousin Eric Rosenthal und Reuwen Schönenberg

Pages of Testimony für Tante Toni Meyer geb Schönenberg von Enkel Marc Meyer

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de967864

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de967856

George Sheldon/Schönenberg, Bericht, in: Stefan Goch, „Jüdisches Leben, Verfolgung-Mord-Überleben“, S.144-150 ff. Essen 2004

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7397); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Sch%C3%B6nenberg%20G%C3%BCnter%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Branca%20Blits%22%7D

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130371237

http://www.stolpersteine-gelsenkirchen.de/stolpersteine_familie_schoenenberg.htm

http://stolpersteine-guide.de/map/biografie/354/familie-schonenberg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420711_3.jpg

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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