Stertzenbach Werner

Werner Stertzenbach

*4.4.1909 in Mülheim Styrum; ✡ 10.7.2003 in Düsseldorf

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Max Stertzenbach *28.10.1881 in Mülheim; ✡ 1942 Izbica

Mutter Helene Cahn *5.12.1879 in Oberhausen; ✡ ?

Großeltern Johan Peter Sterzenbach und Ida Salomon

Großeltern Benni Cahn und Theresia Markus

Bruder

Herbert Stertzenbach *21.7.1906 in Styrum; ✡ 1961; oo Anne Scheitler

Beruf Buchhalter, Maurer, Redakteur

Adressen Mülheim; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heiraten

September 1942 selbsterklärte Ehe, nicht amtlich mit Estella Stella Pach*10.1.1910 in Amsterdam; 17.3.1992 in Amsterdam

1954 in Düsseldorf mit Alice David *13.9.1909 Kopf einer Widerstandsgruppe

Kinder zwei

Manja Adeline Pach *1945

Weiterer Lebensweg

Umzug der Familie von Oberhausen nach Essen

Ostern 1915 Einschulung jüdische Volksschule in Essen

1923 Abschluss auf der Mittelschule

Kaufmännische Lehre, Buchhalter

Mitglied im deutsch jüdischen Wanderbund Kameraden

1928 Austritt aus der jüdischen Gemeinde Essen

1929 Eintritt in die KPD

28.2.1933 Reichstagsbrand; Massenverhaftungen durch die SA

3.3.1933 „Schutzhaft“ in einem wilden SA-Lager in Kleve.

September 1933 Entlassung

Oktober 1933 zu Fuß über die Grenze in die Niederlande nach Amsterdam zu Stella Pach, die er seit einer Begegnung auf des Internationalen Esperanto-Kongreß 1928 kannte.

5.10.1938 Bruder Herbert mit evang. Ehefrau und den Söhnen Max und Gerd nach Amsterdam, wo er wegen der „Mischehe“ von Deportation verschont bleibt

Der Aufbau des Werkdorp Nieuwe Sluis

24.4.1934 Werner Sterzenbach angemeldet zum Aufbau im Joodsche Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Stertzenbach erlernt hier das Maurerhandwerk. Mit der Aufbaugruppe Stertzenbach die Fundamente für 18 Wohnbaracken und beteiligte sich am Bau der Straßen und des Hauptgebäudes.

Der halbrunde Mauerbogen über der Eingangstür des Hauptgebäudes war sein Gesellenstück.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Redakteur der linkssozialistischen Zeitschrift „Das Werkdorp“

Er wird wegen seiner antiklerikalen kommunistischen Haltung aus dem Werkdorp verwiesen. Die Zeitschrift „Das Werkdorp“ wird verboten.

9.7.1936 abgemeldet nach Amsterdam, Rijnstraat

Abschiebung – Verhaftung – Internierung

10.8.1936 abgemeldet aus Amsterdam, Ausweisung nach Lüttich, Belgien; er kehrt illegal nach Rotterdam zurück

Mai 1937 Verhaftung bei einer zufälligen Fahrradkontrolle; Internierung im Lager für illegal im Land lebende Ausländer bei Rotterdam, vermutlich „Vesting Hellevoetsluis“

1938 Verlegung in die Kaserne der Militärpolizei in Nieuwersluis bei Utrecht mit weiteren deutschen Flüchtlingen, davon viele Kommunisten und Juden

31.12.1938 irrtümlich auf der Werkdorp- Liste der nach Südafrika emigrierten Chawerim

10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande, Bombenterror über Rotterdam;

Verlegung von Utrecht nach Amsterdam; nach der Besetzung Übergabe der Gefangenen an den SD (Gestapo)

Abschiebung nach Deutschland, inhaftiert in Kleve und Essen.

Februar 1941 nach Groningen/NL, interniert im Scholtenhuis, Zentrale und Gefängnis des SD

Kamp Westerbork

Februar 1941 Werner Stertzenbach in das Vluchtelingen Kamp Westerbork

1.7.1942 Übernahme des Kamp Westerbork durch die SS, Kommandant Albert Gemmecker; das Lager heißt ab dann „Polizeiliches Judendurchgangslager Westerbork“.

September 1942 Nachdem ihm durch Elly Hillesum eine Ehering von Stella Pach vermittelt wurde, erklären sich Ella und Werner für Eheleute.

Werner Stertzenbach ist am Lagerwiderstand führend beteiligt, durch Kontakt mit dem örtlichen Revierförster Ger van Reemst kann er 20 Häftlingen zur Flucht verhelfen

Die Einäscherung der zehn Widerstandskämpfer

20./21.9.1943 Nächtlich werden zehn hingerichtete Widerstandskämpfer zum Krematorium außerhalb des Kamp (an der Süd-West Flanke) gebracht. Werner Stertzenbach und ein Mithäftling werden gezwungen die Leichen zu verbrennen. Vier Häftlinge aus der Strafbaracke werden geholt, um die Leichen zu schleppen, eine Grube auszuheben und die Überreste zu verscharren. Sie wurden am 21.9.1943 auf den Transport nach Auschwitz geschickt. Da Werner Stertzenbach befürchtet, als Mitwisser beseitigt zu werden, entschließt er sich zur Flucht.

21/22.9.1943 Werner Stertzenbach gelingt nächtlich die Flucht aus Westerbork mit Hilfe des örtlichen Revierförsters Ger van Reemst, der mit der Widerstandsgruppe Van Dien Kontakt hält.

Onderduiker

Mithilfe von Alice David von der Widerstandsgruppe Van Dien können sich Werner Stertzenbach und Stella Pach bis zum Kriegsende aktiv im illegalen Widerstand versteckt halten.

Essen – Izbica -Sobibor

15.6.1942 beide Eltern aus dem Sammellager Holbeckshof in Essen-Steele über das Sammellager Viehhallen Düsseldorf ab Güterbahnhof Derendorf mit 142 Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf ins Ghetto Izbica deportiert.

Wie die Gestapo Düsseldorf an das RSHA meldete, hatten von den ursprünglich vorgesehenen 154 Menschen drei vor der Abfahrt Selbstmord verübt, einer war inzwischen eines natürlichen Todes verstorben, einer flüchtig und sieben wegen Krankheit nicht transportfähig

Nachkriegszeit

Aktiver Funktionär beim Aufbau der KPD

21.10.1947 in Hannover Lyraweg 5; Chefredakteur der kommunistischen Tageszeitung „Hannoversche Volksstimme“; wegen Missachtung der Pressegesetze zu 12 Monaten Haft verurteilt

20.1.1949 Albert Gemmeker in einem Prozess vor dem Sondergericht Leeuwarden zu zehn Jahren Haft verurteilt. Stertzenbach war Zeuge der Anklage. Dabei berichtete er über die Einäscherung der zehn Widerstandskämpfer.

1954 in Bielefeld

1960-1972 Chefredakteur der VVN-Wochenzeitung „Die Tat“

Gedenken/Ehrung

9.6.1994 Johanna-Kirchner-Medaille der Stadt Frankfurt für Stertzenbach und seine Ehefrau für ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus

11.5.2023 Stolpersteine für die Eltern Max und Helene in Essen

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Stertzenbach

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420615-Duesseldorf8.jpg

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Estella%20Pach%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Stertzenbach%20Herbert%22%7D

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11199144

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert