Jacobsohn Manfred

Manfred Freddy Jacobsohn

*14.10.1922 in Hamburg; ✡31.1.1944 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater John Jacobsohn *6.1.1876 in Lübeck; ✡ 6.7.1928 in Hamburg

Heirat der Eltern 1914

Else Rosenblum *27.9.1882 in Salzwedel; ✡ nach 11/1941 in Minsk

Großeltern Moritz und Cäcilie Rosenblum

Bruder Ernst Jacobsohn *18.7.1916 in Hamburg; ✡ 19.9.1996 Island Park, New York

Beruf Student Innenarchitekt; Technischer Zeichner

Adressen Hamburg, Steindamm 12; Tangstedt; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

6.7.1928 Tod des Vaters John; die Mutter kann das Geschäft für Papierwaren und Reiseandenken am Hamburger Hauptbahnhof bis Anfang 1938 weiterführen.

1936 Ernst Jacobsohn nach Köln (Hachschara in Urfeld?), später Nürnberg

Manfred Jacobsohn zur Hachschara auf den Brüderhof

Anfang 1938 Ernst Jacobsohn zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis, gemeldet in Barsingerhorn

Der Brüderhof in Harksheide

Der Brüderhof in Harksheide beherbergte von 1934 bis 1939 einen Hachschara Kibbuz in Trägerschaft des Hechaluz. Die evangelische Einrichtung „Rauhes Haus“ hatte sie an den Bauern Leuschner verpachtet. Der große Hof bot Unterkunft für 35 Chaluzim.

Ab 1935 gab es hier auch eine „Mittlere Hachschara“ für 15-17-jährige Schulentlassene.

Vor der „Polenaktion“ am 28.10.1938  flüchteten einzelne Chaluzim mit polnischem Pass über die Grenze nach Dänemark, einzelne mussten mit 700 anderen ab Hamburg Altona nach Zbaszyn fahren; der Hamburger Transport kam aber erst um Mitternacht an die bereits von Polen abgeschlossene Grenze und durften nach drei Tagen des Abwartens wieder nach Hamburg zurückkehren.

Im Novemberpogrom bleibt der Brüderhof von Verwüstungen verschont, vermutlich weil Pächter Leuschner NSDAP-Mitglied war. Es sollen aber vier ältere Chaluzim verhaftet worden sein.

März 1939 Auflösung des Kibbuz nach Kündigung des Pachtvertrages. Die Jugendlichen der mittleren Hachschara können nach Palästina emigrieren. Die über 17-jährigen gehen zum Teil nach Dänemark.

Werkdorp Nieuwe Sluis

12.12.1938 Flucht von Manfred Jacobsohn in die Niederlande

27.12.1938 Manfred Jacobsohn folgt dem Bruder Ernst in das Werkdorp

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Bruder Ernst mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Nieuwesluis nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

16.7.1939 Boarding mit 183 Chaluzim in Amsterdam auf der zur Alija Beth von den Mossad-Agenten Jehuda Berginski, Gideon Ruffer und Shmarya Tzameret gekauften SS DORA nach Palästina;

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Manfred kommt in  eine Pflegefamilie in der Diepenbrockstraat in Amsterdam

Joodse Kunstnijverheidsschool ‚W.A. van Leer‘

Manfred Jacobsohn ganz oben
Student der Innenarchitekturklasse unten rechts Werner Rüssmann, darüber Manfred Jacobsohn

1941/1942 Manfred Jacobsohn mit Werner Rüssmann als Student der Innenarchitekturklasse der Jüdischen Kunst- und Handwerkerkerschule

1942 Lehrer und Schüler der Kunstschule; Manfred oben, zweiter von rechts

Au-Be 170

Manfred Jacobsohn als Mitarbeiter des Joodse Raad auf der Au-Be -Liste

Abkürzung für ‚Ausnahmebescheinigung‘. Im Sommer 1943 wurde eine Liste aufgestellt, auf der ca. 170 Personen aufgeführt wurden. Sie wurden bis auf weiteres von der Deportation ausgeschlossen. Obwohl ein Großteil der Juden und Jüdinnen zu dem Zeitpunkt bereits deportiert wurde, wollte Aus den Fünten (Leiter der Zentralstelle) den Amsterdamer Judenrat nicht vollständig auflösen.

KL Vught – Kamp Westerbork – Auschwitz

Manfred Jacobsohn verhaftet in Amsterdam, als Strafgefangener ins KL Vught; dort erkrankt; vermutlich wurde er als „onderduiker“ im Versteck gefasst; Häftlingsnummer 8047

13.11.1943 Manfred Jacobsohn eingewiesen ins polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

15.11.1943 Deportation von Manfred Jacobsohn von Westerbork nach Auschwitz wie für Strafgefangene üblich auf dem nächsten Transport

31.1.1944 Tod des Bruders in Auschwitz

Hamburg – Ghetto Minsk

18.11.1941 Mutter Else aus dem Judenhaus Kielortallee 22 auf den Transport von 407 Hamburger Juden ins Ghetto Minsk

Gedenken

Stolpersteine für Mutter Else und Manfred Jacobsohn in Hamburg, Steindamm 12

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de887674

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de887811

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Jacobsohn%201922%22%7D

https://collections.jck.nl/details/collection/11001239

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130311875

n2t.net/ark:/85505/collection/11001239

www.werkdorpwieringermeer.nl/

Manfred Jacobsohn

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Manfred Jacobsohn (born 14 October 1922)

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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