Schlabowski Irmgard

Irmgard Miriam Schlabowski

*19.12.1924 in Königsberg; ✡ 12.12.2012 in Kiryat Bialik

Staatsangehörigkeit  deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Arthur Schlabowski *27.1.1900 in Königsberg; ✡22.2.1940 in Sachsenhausen

Heirat der Eltern 25.7.1924 in Königsberg

Mutter Elsa Spicker *22.8.1903 in Königsberg; ✡nach Juni 1942 im Ghetto Minsk

Großeltern Louis (1873-7.2.1938) und Bertha Spicker (1872-1944)

Geschwister

Rachel Schlabowski *13.11.1925 in Königsberg; ✡ 2010; Ascher Lavi

Esther Schlabowski *13.1.1926 in Königsberg; ✡ nach Juni 1942 im Ghetto Minsk

Anna Schlabowski *2.2.1927 in Königsberg; ✡ nach Juni 1942 im Ghetto Minsk

Siegfried Schlabowski *7.1.1928 in Königsberg; ✡ nach Juni 1942 im Ghetto Minsk

Eva Schlabowski *31.1.1929 in Königsberg; ✡ nach Juni 1942 im Ghetto Minsk

Verwandte aus Königsberg auf dem Kindertransport

Auf der Website DOKIN werden noch sechs Cousin/en genannt

http://www.dokin.nl/deceased-children/ernst-spicker-born-24-Nov-1927

http://www.dokin.nl/deceased-children/gisela-spicker-born-20-Oct-1926

http://www.dokin.nl/deceased-children/julius-spicker-born-23-Aug-1924

http://www.dokin.nl/surviving-children/harry-wegner-born-20-Oct-1931

http://www.dokin.nl/surviving-children/manfred-wegner-born-14-Apr-1926

http://www.dokin.nl/surviving-children/ursula-wegner-born-19-Jan-1925

Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin

Adressen Königsberg, Knochenstraße 48

Heirat  1.4.1946 in Nes Ziona, Lydda/Lod mit Abraham Kramer *1923; ✡1986

Kinder

Zwei Söhne, fünf Enkel im Jahre 1994

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom in Königsberg

Durch den Brand der Synagoge fängt auch das benachbarte Waisenhaus Feuer, die Kinder müssen in ihrer Not teilweise aus den Fenstern springen.

Irmgard und Rachel werden auf einen von ihrem Onkel aus dem Komitee des Waisenhauses in Königsberg organsierten „Kindertransport“ nach Amsterdam geschickt, zusammen mit den oben erwähnten Cousin/en/s der Familien Spicker und Wegner. Auf diesem Transport war auch Alfred Dubowski aus Königsberg

28.11.1938 Quarantaine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321, Amsterdam

28.12.1938 Ferienheim CIW, Baarnschweg 58, den Dolder beiUtrecht; währen der Zeit in Den Dolder bekommen die Flüchtlingskinder auch Unterricht im „Werkplaats“ im nahegelegenen Bilthoven, wo Joop und Willie Westerweel und Mirjam Pinkhof ihre Lehrer waren

16.10.1939 Huis ten Vijver, Dwarsweg 3, Scheveningen

Minderheitenzählung

17.5.1939 die Eltern Artur und Elsa sowie die Geschwister Ester, Anna, Siegfried, und Eva in Königsberg

Tod im KL Sachsenhausen

24.3.1939 Vater Artur im KL Sachsenhausen; das Datum lässt vermuten, dass er wegen Widerstandsaktivitäten verhaftet wurde

5.6.1939 Vater verlegt in eine nicht bekannte Hafteinrichtung

10.8.1939 Vater nach Sachsenhausen zurückverlegt

22.2.1940 Tod des Vaters im KL Sachsenhausen

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Mijnsheerenland

Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.

Mijnsheerenland September 1940, 22 Chaluzim; Stehend, jeweils von links
Itsche Teitelbaum, Robert Dürheim (Brille), Heinz Schlesinger, David Neiss, Josef Heinrich, Max Bischburg (Brille), Asscher Gerlich, Alfred Dubowski, Bruno Schlachet, Arnold „Effie“ Koller (Brille), Kela van der Walde, Bernard Aschheim (Brille), Rachel Goldberg, Esther Singer, Irmgard Schlabowski
Knieend: Max Kretzower, Nathan Frey
Sitzend: Arthur Heinrich, Hans-David Seeman, Itsche Tiefenbrunner, Rahel Schlabowski, Chana Lehmann

5.9.1940 beide Schwestern gehen auf den Hof in Mijnsheerenland

Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden. Zuerst werden die etwas älteren nach Loosdrecht geschickt.

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

8.9.1940 Irmgard in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Die Schwestern in Loosdrecht

7.11.1940 Rachel in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Loosdrecht Juni 1942; Irmgard 1. stehende Reihe ganz links; Rahel ganz oben rechts

Im Versteck als Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem für die onderduiker aus Loosdrecht typischen Datumsstempel „13 AUG 1942“

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

August 1939 Irmgard wird von Jan Smit auf den Hof der Witwe Afke Sieswerda in Witmarsum, Friesland gebracht; deren ledige Tochter Tine war eine Freundin von Bouke Koning aus dem Netzwerk von Joop Westerweel. Das Angebot von Joop Westerweel schlägt sie aus, da die Tochter von Ajke Siersma verstorben war und sie die Witwe nicht allein lassen wollte.

18.4.1945 Sie erlebt die Befreiung in Friesland, ihre Schwester schon viel früher am 18.9.1944 in Sevenum in Limburg.

1945 ist sie aktiv für das Kinderheim der überlebenden untergetauchten Kinder, was Lilly Kettner in Dieren gründete

Deportation nach Minsk

24.6.1942 Mutter Elsa mit den vier Geschwistern Esther, Anna Siegfried auf dem ersten Transport aus Ostpreußen mit 628 Juden in das Ghetto Minsk

Laut Fahrplananordnung Nr. 48 vom 22.6.42 sollte Da 40 Minsk Güterbahnhof am 26.6. um 11.50 Uhr erreichen.

Alija von Schwester Rahel

27.5.1945 Schwester Rahel lässt sich in Paris einen Ausweis ausstellen. Da sie nach Angabe vom Miriam Kramer bereits 1945 nach Palästina kam, liegt die Vermutung nahe, dass sie auf der ersten legalen Alija nach Kriegsende mit einem Gruppenvisum auf der SS MATAROA vom 8.-15 Juli 1945 in Palästina einreisen konnte.

Alija beth auf der TEL HAI

März 1946 Irmgard Schlabowski mit dem Namen Miriam Kramer zusammen mit Ehemann Abraham Kramer nach Antwerpen; von dort im großen Militär-LKW-Konvoi der Jewish Brigade nach Marseille.

Mitten in der Nacht erreichte der Konvoi ein Feld in der Nähe von Marseille, wo Mitglieder der „Bricha“ und Abgesandte des „Mossad für Aliyah Bet“ warten. Nach Erhalt des Befehls fahren die Lastwagen in die Stadt ein und setzten die illegalen Einwanderer in einem französischen Flüchtlingslager ab, von wo aus sie mit französischen Armeebooten zum Hafen von

Von „La Ciotat“ transportiert wurden, 30 km östlich von Marseille.  Dort gingen sie an Bord der von der Haganah gecharterten SS TEL HAI.

17.3.146 am Abend Abreise auf der SS TEL HAI mit 743 Menschen an Bord, davon 736 illegale Einwanderer darunter etwa 300 NOHAM Mitgliedern, etwa 60 vom Gehringshof und aus Bergen-Belsen Die Überfahrt ist stürmisch, das Schiff muss in Bonifacio/Korsika und auf Kreta einen schützenden Hafen suchen

28.3.1946 Ankunft in Haifa auf der SS TEL HAI

Nach wenigen Tagen werden die internierten Ma’apilim aus Athlit entlassen, nachdem sich die Britische Protektoratsbehörde ein letztes Mal überreden lässt, die Zahl der Ma’apilim auf die ausstehenden Zertifikatskontingente anzurechnen.

1.4.1946 Eheschließung nach jüdischem Ritus in Nes Ziona, Lydda/Lod mit Abraham Kramer

Gedenken

Grabstein auf dem Tsur Shalom Cemetery, Kiryat Bialik, Israel

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de965340

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT42_K%C3%B6nigsbergAllenstein24.jpg

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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