Benjamin Manfred

Ismar Manfred Benjamin

*12.9.1919 in Königsberg; ✡ 1979 in Berlin

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Bernhard Benjamin *27.4.1876 in Friedrichsdorf; ✡ nach Minsk 1942

Mutter Hedwig Jaffe *29.11.1881 in Schrimm; ✡ nach Minsk 1942

Geschwister

Susi Benjamin *30.5.1914 in Königsberg; ✡ 1943 Auschwitz; oo Adolf Schlumper (1909-1943)

Betty Belia Benjamin *10.10.1915 in Königsberg; ✡ 7.11.2003 Jerusalem; oo Scherhei

Ruth Benjamin *14.5.1918 in Königsberg; ✡ 27.5.2004 in Jerusalem; oo Wolfgang Baruch (1916-2007)

Wilhelm „Willi“ Ephraim Benjamin *2.7.1917 in Königsberg; ✡ 18.12.1943 Auschwitz Birkenau

Julius Abraham Jehuda „Osch“ Benjamin *24.3.1921 in Königsberg; ✡ 1984 in Holon

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Königsberg, Hoffmannstraße 16; Werkdorp; Amsterdam

Heirat  ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

Das jüdische Jugend-und Lehrheim in Wolzig

November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin

Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund

Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen

Überfall der SA auf das Jugend-und Lehrheim in Wolzig

7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:

„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“

9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:

„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“

Und weiter:

Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt , Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.

Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“

7.6.-10.7.1933 Manfred Benjamin verhaftet in Brandenburg, interniert im KL Oranienburg;

Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 40 Jugendliche zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.

6.7.1933 Tag des Verhörs von Manfred Benjamin im KL Oranienburg

Ein Mitgefangener berichtet in „The Times“ am 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“:

„Dann endlich konnten wir zu Bett gehen, d. h. auf unser Strohlager. Der Jüngste von uns, Manfred Benjamin, erst 13 Jahre alt, machte denselben Dienst wie wir und weinte fast täglich.“

1.10.1942 Er wird in einem Bericht der New York Times namentlich erwähnt,
inhaftiert mit einer Gruppe von 40 weiteren Jungen aus dem Erziehungsheim Wolzig

Oranienburgkommandant Schäfer empört sich in seinem 1934 erschienenen Rechtfertigung „Anti-Braunbuch“ heftig über den Artikel der New York Times.

17.5.1939 Manfred Benjamin in Berlin Linienstraße 7 bei der Minderheitenzählung

17.5.1939 beide Eltern in Königsberg, Hoffmannstraße 16 bei der Minderheitenzählung

Kibbuz Franeker

Der 1935 vom Arzt Dr. Jacob und seiner Frau Lina Bramson aus Franeker gegründete Kibbuz der religiösen Zionisten des Misrachi „Dath we Eretz“ bestand bis zu seiner Auflösung durch eine Razzia am 3. November 1941.

Das alte Bahnhofsgebäude des Kibbuz Franeker am Harlinger Weg 45 konnte etwa 25 Bewohner aufnehmen, anfangs waren es 10, zuletzt bis zu 30 Chalutzim.

1.2.1939 Bruder Willi Benjamin von Tienhoven/Utrecht, Middenweg 29 in Franeker angemeldet

Nov. 1939 Willi Benjamin aus Franeker abgemeldet; zurück nach Tienhoven, Middenweg 29

Joodse Werkdorp Wieringermeer

23.5.1939 Julius Benjamin von Königsberg ins Werkdorp

14.7.1939 Manfred Benjamin von Berlin ins Werkdorp

Alija Beth auf der SS DORA

Juli 1939 Bruder Julius mit 76 Werkdorpern aus dem Werkdorp Wieringermeer nach Amsterdam zur Alija Beth auf der SS DORA

12.8.1939 Ankunft der SS DORA in Palästina; die Chaluzim werden am Strand von Shefayim in der Nähe von Tel Aviv mit Booten illegal ins Land gebracht

15.10.1940 Politierapporten Amsterdam: Willi Benjamin in Amsterdam verhaftet und auf Weisung des V.D. (VremdelingenDienst) auf der Polizeiwache inhaftiert. Als Adresse gibt er jeweils Tienhoven, Middenweg 29, wo das Flüchtlingsehepaar Artur Lindheimer und Ilse Stern wohnen.

31.10.1940 Politierapporten Amsterdam: erneut in Amsterdam aufgegriffen und auf Weisung des V.D. (VremdelingenDienst) auf der Polizeiwache inhaftiert mit der Ankündigung, dass er am Folgetage dem 1.11.1940 nach Westerbork eingewiesen werden soll.

Auflösung des Werkdorp und die zweite große Razzia in Amsterdam

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorp.

13.8.1941 Manfred Benjamin abgemeldet aus dem Werkdorp nach Schermerhorn

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Jeugdhuis Plantage Franschelaan 13

22.10.1942 Manfred Benjamin von Almelo ins Jugendheim des Joodse Raad, Plantage Franschelaan 13, Amsterdam

Viele Werkdorper wurden nach der Auflösung des Werkdorps hier untergebracht, vor allem die älteren, später durften auch jüngere Geschwister hier wohnen. Das Gebäude gehörte dem Joodse Raad, ebenso wie das Haus auf der Nicolaas-Witsenkade 14, wo auch Werkdorper wohnten. Hier wohnten zwischen November 1941 und April 1943 67 Personen, davon 44 Werkdorper

Werkkampen -jüdische Arbeitslager

Im September 1940 wurden im Zuge der Arbeitsbereitstellung durch das Reichsamt für Arbeitserweiterung „Werkkampen“ errichtet.

Ab September 1942 dienten diese Lager als jüdisches Arbeitslager und Puffer für das Lager Westerbork.

Oktober 1942 Auflösung aller jüdischer Arbeitslager

Kamp Westerbork

7.11.1942 Willi Benjamin eingewiesen aus dem Werkkamp in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, Baracke 57

14.9.1943 Willi Benjamin nach Auschwitz

18.12.1943 Willi Benjamin verlegt aus Buna Monowitz nach Auschwitz Birkenau

Die erste Deportation aus Ostpreußen

24.-26.6.1942 Beide Eltern auf dem ersten Transport von 628 Juden aus Ostpreußen ins Ghetto Minsk

Flucht über die Pyrenäen

Manfred Benjamin war offenbar 1942 und 1943 als „Onderduiker“ in ein Versteck gegangen; ihm gelingt 1944 die Flucht über die Pyrenäen nach Lerida.

28.3.1944 Bahnfahrt nach Toulouse

Pyrenäenpassage mit 6 anderen Chaluzim: Mann, Lutz Rosenberg, Kurt /Yona Mendel und fünf weiteren Juden

1.4.1944 Festnahme in Spanien und Inhaftierung in Lerida

August 1944 Freilassung, nach Madrid

Vermutlich in Lerida fälscht er seinen Geburtsjahrgang auf 1923, da die spanischen Behörden die älteren Flüchtlinge in ein Internierungslager verbrachten.

weiter nach Barcelona, Madrid nach Cadiz.

Alija auf der SS GUINEE

Oktober 1944 erhielten die Palästina-Pioniere in Spanien von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.  55  Hechaluz-Mitglieder gingen am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

27. 10.1944 430 Passagiere davon 58 Hechaluz-Mitglieder gehen in Cadiz an Bord der SS GUINEE

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

27.10.-4.11.1944 Manfred Benjamin mit Arbeiter-Zertifikat des Hechaluz der Kategorie C/LS von Cadiz nach Haifa; Internierung im britischen Camp Athlit

14.11.1944 Entlassung der Chaluzim aus dem britischen Camp Athlit

11.12.1946 Einbürgerung von Manfred Benjamin in Palästina

Gedenken

13.5.1984 Pages of Testimony für Willi und die Eltern von Schwester Belia Benjamin-Sherhey

Quellen

Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993

„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“

Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen

Kelly Bauer, Syds Wiersma, Kibboets op de Klei, 2020

Auke Zeldenrust, Kibboets op de Klei, Boom, 2020

Morris Schnitzer, My three selves, a memoir, Lugus, Toronto, 2002

https://danielabraham.net/tree/related/dora

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1042395

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839548

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de839566

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130257424

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT42_K%C3%B6nigsbergAllenstein5.jpg

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201917%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Benjamin%201919%22%7D

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.myheritage.de/research

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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