
Marcell Ludwig Baron
*25.6.1915 in Berlin; ✡ ?
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Leopold Baron *1.12.1884 in Braunschweig; ✡ 15.6.1934 in Antwerpen
Heirat der Eltern 7.9.1913 in Berlin

Mutter Elisabeth Marcus *27.6.1890 in Berlin; ✡?
Geschwister –
Beruf Kaufmann
Adressen –
Heirat –
Kinder–
Weiterer Lebensweg
Das jüdische Jugend-und Lehrheim in Wolzig
November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin
Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund
Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen
Überfall der SA auf das Jugend-und Lehrheim in Wolzig
Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 40 Jugendliche zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.„
7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:
„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“
9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:
„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“
Und weiter:
„Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.
Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“
27.6.1933 Tag des Verhörs von Marcel Baron im KL Oranienburg
10.7.1933 Entlassung aus dem KL Oranienburg
19.9.1933 The Times bringt den Bericht von Marcell Baron „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“; Auszug:
„Bald nach meiner Ankunft fragte mich ein Nazi, ob ich Maschineschreiben könnte. Ich antwortete mit »Ja«, und er brachte mich zu dem Lagerkommandanten, Sturmbannführer (SA) Krüger, der mich in seinem Büro beschäftigte. Hier lernte ich einen großen Teil über die Führung des Lagers und hatte Gelegenheit, prominente Häftlinge zu sprechen, wie z. B. den Direktor der Deutschen Rundfunkgesellschaft und die Bürgermeister verschiedener kleinerer Städte. Ich erfuhr, daß über 2000 Häftlinge in dem Lager waren, von welchen nur 5 Prozent Juden waren. Der Rest bestand aus Kommunisten, Sozialdemokraten und anderen politischen Feinden der Hitlerianer.„
Über dieZeit nach der Entlassung schreibt er:
„Einige Tage später nahm ich , da ich einen Führerschein hatte, Stellung als Chauffeur bei einer Dame, die nach der Schweiz zu fahren beabsichtigte , wo sich auch meine Familie befand. Wir erreichten unseren Bestimmungsort Sankt Gallen und ich war in Sicherheit.“
Palästina
30.8.1937 Mutter Elsbeth Baron als Witwe erstmals nach Palästina mit einem Kapitalistenzertifikat der Kategorie A(1)

Wiederholte Aufenthalte der Mutter in der Schweiz
Gedenken
–
Quellen
Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993
„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“
Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History