
Harry Goldschmidt
*8.5.1915 in Königsberg; ✡ 1940 in Litauen
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch

Vater Abraham Goldschmidt *24.4.1871 in Pudewitz; ✡18.1.1944 in Theresienstadt
Mutter Ester Ella Hanau *4.5.1893 in Mareese; ✡?
Geschwister

Siegfried Abraham Goldschmidt*15.5.1916 in Marienwerder; ✡3.4.1942 in Auschwitz; oo Margarete Rosental (*21.2.1915 in Königsberg)
Ruth Goldschmidt *3.1.1920 in Königsberg
Mirjam Goldschmidt *23.5.1930 in Königsberg; ✡?; oo Schneidmann
Beruf Gärtnerlehrling
Adressen Königsberg, Unterhaberberg 10 b; Wolzig
Heirat Johanna Seelig *10.5.1907 in Heilsberg
Kinder
Rosa Goldschmidt *22.5.1937 in Königsberg; ✡ 1
Manfred Goldschmidt *9.4.1938 in Königsberg; ✡ 1
Sally Goldschmidt *2.5.1939 in Königsberg; ✡ 1
Weiterer Lebensweg
Das jüdische Jugend-und Lehrheim in Wolzig

November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin
Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund
Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen, im Juni 1933 noch 43 davon acht nicht jüdisch.
Überfall der SA auf das Jugend-und Lehrheim in Wolzig
Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 34 Jungen zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.„
Das KL Oranienburg war von der SA-Standarte 208 am 21.3.1933 in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet worden, Ende April übernommen vom Potsdamer Regierungspräsident.
7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:
„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“
9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:
„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“
Sechs weitere Verhaftungen in das Gestapogefängnis Berlin:
„Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.
Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“
5.7.1933 Tag des Verhörs von Harry Goldschmidt im KL Oranienburg; er gibt an, seit einer Woche Mitglied der kommunistischen Gruppe zu sein.
10.7.1933 Entlassung der 34 Wolziger aus dem KL Oranienburg
Minderheitenzählung
17.5.1939 Harry Goldschmidt mit Ehefrau Johanna und den drei Kleinkindern in Königsberg, Unterhaberberg 10 b bei der Minderheitenzählung
Tochter Rosa Goldschmidt auch gemeldet in Heilsberg, Lindenstraße 16 bei Onkel und Tante Benno, Luise und Toni Seelig.
Beide Eltern, Bruder Siegfried mit Ehefrau Margarete die Schwestern, Rita und Mirjam in Königsberg, Sternwartstraße 47
Laut Gedenkblatt der überlebenden Schwester soll Harry Goldschmidt mit seiner Familie nach Litauen geflüchtet und dort umgekommen sein.
Theresienstadt – Auschwitz
17.3.1943 Die Schwestern Rita und Mirjam Goldschmidt auf dem Großen Alterstransport I/90 von Berlin nach Theresienstadt
18.1.1944 Tod des Vaters in Theresienstadt

12.10.1944 Die Schwestern Rita und Mirjam Goldschmidt auf dem Transport E q von Theresienstadt nach Auschwitz
Ruth, Rita und Mirjam Goldschmidt überleben Theresienstadt und Auschwitz


14.6.1945 Ruth, Rita und Mirjam Goldschmidt in Bergen-Belsen

Gedenken
Februar 1999 Pages of Testimony für Harry, Siegfried und Abraham Goldschmidt von Schwester Mirjam Schneidmanin Natanja
Grabstein für
Quellen
Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993
„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“
Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen
https://www.myheritage.de/research
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876088
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de610514
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/81967955
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5032561
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History