Jontofsohn Fritz

Fritz Jontofsohn/Frank Johnson

*10.8.1920 in Schwäbisch Gmünd; ✡1999

Staatsangehörigkeit

Religion jüdisch

Vater Hugo Jontofsohn *9.10.1873 in Löbau; ✡ 1942 Treblinka

Mutter Helene Fried *1881 bei Koblenz; ✡26.4.1939 Weißenau bei Ravensburg

Stiefmutter Rosalie Isaac *10.8.1881 in Tholey; ✡ 1942 Treblinka

Bruder

Hans Jontofsohn *12.12.1911 in Schwäbisch Gmünd; ✡ 4.12.1941 Riga

Beruf Schreinerlehrling

Adressen Schwäbisch Gmünd; Heidenheim, Bahnhofstraße 31; München, Hohenzollernstraße 4

Heirat 1955 Lisl Elisabeth Herzer *6.9.1937, Polen

Tochter

Tanya Katrin Johnson *30.4.1956 in Paddington, London; ✡16.12.2022 in Powys, Wales; oo Martin Jones (20.1.1953 in Croyden -7.7.2021 in Gwynedd, Wales)

Weiterer Lebensweg

Vater war Inhaber der Firma Süddeutsche Optische Industriebauanstalt

Juni 1930 Mutter Helena eingewiesen in das Psychiatrische Landeskrankenhaus Weißenau bei Ravensburg

1931 Besuch des Heidenheimer Realgymnasiums

1933 Scheidung der Eltern

1933-1935 Israelitisches Waisenhaus „Wilhelmspflege“ in Esslingen

Das Lehrlingsheim und die Anlernwerkstatt in München

1.7.1928 Eröffnung des Hauses in der Wagnerstraße 3 mit schulentlassenen Jungen aus dem Kinderheim in der Antonienstraße 7 in Trägerschaft der Israelitischen Jugendhilfe e.V.

1.6.1936 Übergang in die Trägerschaft des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden

1.7.1937 Umzug in das größere Haus in der Hohenzollernstraße 4 mit 45 Wohnheimplätzen

August 1937 Eröffnung der Jüdischen Anlernwerkstatt in der aufgelassenen Hesselberg’schen Lederfabrik am Biederstein 7 für Schlosser, Elektriker und Schreiner; Leiter war der Diplom-Ingenieur Fritz Sänger

Novemberpogrom

10.11.1938 Verhaftung von mindestens dreizehn erwachsenen männlichen Bewohnern des Lehrlingsheim

10.11.1938 Einweisung als „Aktionsjuden“ in das KL Dachau; Häftlingsnummer 19942; Fritz Jontofsohn in Dachau schwer misshandelt

23.2.1939 Entlassung aus dem KL Dachau

26.4.1939 Tod der Mutter Helene im Landeskrankenhaus Weißenau

17.5.1939 Fritz Jontofsohn im Lehrlingsheim München bei der Minderheitenzählung

17.5.1939 Vater Hugo, Stiefmutter Rosalie und Bruder Hans Jontofsohn in Heidenheim, Bahnhofstraße 31 bei der Minderheitenzählung

Verlegung der Anlernwerkstatt

1939 Beschlagnahme der Fabrikgebäude Biederstein 7

Verlegung der Anlernwerkstatt in die ehemalige Synagoge der osteuropäischen Juden in der Reichenbachstraße 27

1941 Schließung der Anlernwerkstatt und des Lehrlingsheimes; die verbliebenen Jugendlichen werden im Kinderheim Antonienstraße untergebracht. Das Haus Hohenzollernstraße wird zum bis Ende 1942 als Altenheim genutzt.

Flucht nach England

August 1939 Fritz Jontofsohn nach England

Kriegseintritt Großbritannien

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

3.9.1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg

29.9.1939 Fritz Jontofsohn im Kitchener Camp bei britischem Census

19.10.1939 Jontofsohn vom „Special Aliens Tribunal“ eingestuft in die Kategorie C, offiziell anerkannt als Flüchtling vor der Verfolgung durch das NS-Regime

Winston Churchill: „Collar the lot“

10.5.1940 Winston Churchill Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain; Anordnung Churchills, zur Internierung und Verschiffung außer Landes der etwa 70000 Deutschen und Österreicher in Großbritannien; 60000 von ihnen waren Flüchtlinge.

11.6. -1.8.1940 10000 Männer und 4000 Frauen als „enemy aliens“ interniert in einem der neun Camps auf der Isle of Man

Juli 1940 Innerhalb von 16 Tagen wurden über 10000 Internierte auf fünf Schiffen illegal nach Übersee deportiert

Mai 1940 interniert auf der Isle of Man als „enemy alien“

SS DUNERA

10.7.- 6.9.1940 Fritz Jontofsohn mit 2300 Deutschen und 200 Italienern als „enemy aliens“ aus England nach Australien zwangsdeportiert.

10.7.1940 auf der SS DUNERA nach Australien verbracht

SS DUNERA – 57 Tage auf See

10.7.-6.9.1940 Reise der SS DUNERA von Liverpool nach Sydney

Die SS DUNERA war ein zum Militärtransporter umgebautes früheres Kreuzfahrtschiff und für nur 1157 Soldaten zugelassen.

Die 2500 Deportierten waren zuvor in den Lagern mit falschen Versprechungen zu einer „freiwilligen Meldung“ gedrängt worden. So wurden die auf der Isle of Man im Camp Ramsey Internierten aus dem Kitchener Camp getäuscht, dass sie wohl nach Kanada kämen und dort völlige Bewegungsfreiheit hätten.

An Bord befanden sich auch die 451 Schiffbrüchigen des durch einen Torpedo des U-47 versenkten Internierten Schiff ARANDORA STAR (überwiegend kriegsgefangene Marine-Soldaten)

12.7.1940 Die SS DUNERA übersteht zwei Treffer durch aber nicht explodierende Torpedos der U-56.

Die 450 Schiffbrüchigen der ARANDORA STAR werden in Melborne ausgeschifft und kommen in das Lager Tatura.

6.9.1940 Ankunft der SS DUNERA in Sydney; Internierung der 2000 Juden und Nazi-Gegner in zwei Lagern bei Hay in New South Wales

28.11.1941 Ankunft von Fritz Jontofsohn in Liverpool auf der SS STIRLING CASTLE von Sydney über Auckland, Singapur, Cristobal

29.11.1941 Freilassung; Einstufung als Ausländer der „Category 12“

22.6.1942 Offizielles Ende der Internieung; Freilassung zur Rückkehr in ein Land ihrer Wahl

Möglichkeit des Erwerbs der australischen Staatsbürgerschaft durch Eintritt in eine Arbeitseinheit der Australian Army

1947 Einbürgerung als British Citizen, Umbenennung in Frank Johnson

1955 Heirat mit Elisabeth Herzer

Stuttgart – Riga

26.11.1941 Beginn der Internierung in den Ausstellungshallen auf dem Killesberg Stuttgart

1.12.1941 Transport des Bruders Hans vom Inneren Nordbahnhof Stuttgart nach Riga-Skirotawa

4.12.1941 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa

4.12.1941 Bruder Hans von Rudolf Seck am Bahnhof Skirotava erschossen, als er seine Notdurft verrichtete.

Stuttgart – Theresienstadt – Treblinka

22.8.1942 beide Eltern auf dem Transport XIII/1 vonStuttgart nach Theresienstadt

29.9.1942 beide Eltern auf dem Transport B svon Theresienstadt nach Treblinka

Gedenken

Stolpersteine für Hugo, Hans und Rosalie Jontofsohn in Heidenheim, Am Jagdschlössle 31

Quellen

https://www.alemannia-judaica.de/heidenheim_brenz_juedgeschichte.htm#Links%20und%20Literatur

Die Reise der Dunera

https://www.gedenkstaetten-bw.de/fileadmin/publikationen/ki_publikationen/ausgrenzung_raub_vernichtung_2019.pdf

http://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=lehrlingsheim

http://gedenkbuch.muenchen.de/index.php?id=anlernwerkstatt

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4990419

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://todesortriga.lv/person/hans-jontofsohn

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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