Bauer Max

Max Bauer

*31.7.1917 in Chemnitz ; ✡ vor 1945 in Polen

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater David Josef Bauer *22.6.1883 in Kuban ; ✡ vor 1945 in Polen

Mutter Gitel Weingast*24.9.1889 in Trembowla Galizien ; ✡ vor 1945 in Polen

Onkel David Bauer *22.9.1893 in Kuban ; ✡ vor 1945 in Polen

Geschwister

Leopold Leo Bauer *18.12.1912 in Chemnitz; 18.9.1972

Adela Bauer *19.9.1915 in Chemnitz; 15.4.1984; oo Haldane

Klara Bauer *16.8.1919 in Chemnitz; ✡ 3.1.1994; oo Margulies

Beruf  

Adressen  Chemnitz; Urfeld; Spreenhagen

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

10.2.1917 Vater Josef in den Bayrischen Verlustlisten als leicht verwundet gemeldet

1920er Jahre Bruder Leo Führer in jüdischen Jugendgruppen in Chemnitz.

1931 Eintritt von Bruder Karl in die Sozialistische Arbeiter Partei (SAP, trotzkistisch)

1932 Karl Bauer Mitglied der KPD

1933 Karl Bauer in Berlin in „Schutzhaft“

Flucht nach Frankreich

1940 Flucht und Internierung von Bruder Karl in Genf bis 1944

1945 Bruder Karl zurück nach Deutschland

Hachschara in Urfeld

11.1.1936 Max Bauer zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 war

der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 150 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

3.4.1937 Max Bauer abgemeldet aus Urfeld nach Spreenhagen, Gut Winkel

Gut Winkel

1.7.1937 Belegschaftsliste Gut Winkel

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Auf der Belegschaftsliste vom 30. Juni 1938 ist er nicht mehr verzeichnet.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

Polenaktion

28.10.1938 Max Bauer abgeschoben nach Zbaszyn mit den Eltern, Onkel David und Schwester Klara

Chemnitz (Sachsen): Verzeichnis zu 335 Jüdinnen und Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit, die am 28.10.1938 an die polnische Grenze abgeschoben wurden

Sommer 1939 Auflösung des Lagers in Zbaszyn, die Familie Bauer geht nach Tarnopol

September 1941 Einweisung der Familie in das Ghetto Tarnopol

Klara wurde gerettet durch Hilfe eines deutschen Majors und überlebte versteckt in den Wäldern

Nachkriegszeit
1945 Rückkehr von Bruder Leo nach Deutschland

25.8.1947 Adela Bauer auf der USS GENERAL MEIGS von Shanghai nach San Francisco

17.3.1949 Klara aus Fürth ab Bremen auf der USS GENERAL HAAN nach New York

Leo Bauer

Leo Bauer war von 1945 bis zu seiner Verhaftung am 23.8.1950 durch den MfS im Rahmen „stalinistischer Säuberungen“ hochrangiger KPD und SED-Funktionär; Vorsitzender der KPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Chefredakteur des Deutschland-Senders. Vom MfS der sowjetischen Geheimpolizei MGB übergeben, in einem Geheimprozess am 28. Mai 1952 als „US-Spion“ zum Tode verurteilt und zur Erschießung nach Moskau transportiert. 1953 Begnadigung zu 25 Jahren Gulag in Sibirien, 1955 Abschiebung in die BRD. Langjähriger Berater von Willy Brandt

Gedenken

14.6.2023 Sechs Stolpersteine für die Familie von Max Bauer in Chemnitz, Reichenhainer Straße 8

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Bauer

https://www.chemnitz.de/de/unsere-stadt/geschichte/stolpersteine/2023_bauer

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1566045

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de609548

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1553057

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de611281

https://collections.arolsen-archives.org/de

Arolsen Signatur 10008317: Chemnitz (Sachsen): Verzeichnis zu 335 Jüdinnen und Juden mit poln. Staatsangehörigkeit, die am 28.10.1938 an die polnische Grenze abgeschoben wurden

StA Bornheim, Slg Zerlett

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

“My