Seeligmann Ernst

Ernst August Seeligmann

*26.9.1910 Karlsruhe; ✡ 1989 in Givat Brenner, Rehovot

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Oskar Seeligmann *2.6.1876 in Karlsruhe; ✡ 22.1.1941 in Gurs

Mutter Therese Dux *9.3.1882 in Hildesheim; ✡ 22.1.1947 in Correze, Limousin

Geschwister

Heinz Chaim Seeligmann *16.11.+1912 in Karlsruhe; ✡ 25.9.1909 Givat Brenner; oo Schifrah Gurwitz

Werner Seeligmann *15.2.1916 in Karlsruhe; ✡ Juni 1942 in Sobibor

Sophie Seeligmann *15.2.1916 Karlsruhe; ✡ April 1990 Kirjat Tivon; oo Jecheskiel Tanai

Herbert Seeligmann *27.6.1923 in Karlsruhe; ✡ Dez. 1942 in Auschwitz

Beruf Landarbeiter;

Adressen Karlsruhe; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat 21.10.1945 in Rehovot Wally Gerson16.12.1913 in Filehne; ✡ 9.10.2001 Givat Brenner

Kinder fünf

Seeligmann ; oo Berkowitz

Weiterer Lebensweg

Vater Oskar war Bankier in Karlsruhe

Ernst und Bruder Heinz besuchen nacheinander die private Dr. Isenbartsche Grundschule in Karlsruhe;, eine vorbereitende Seminarschule und anschließend das Bismarck-Gymnasium in Karlsruhe; Abschluss mit dem Abitur 1928 bzw. 1931

1928-1931 Jura-Studium in Freiburg, Heidelberg und Hamburg; Eintritt in den Demokratischen Studentenbund und in die SPD

1931 Erstes Staatsexamen

November 1931 Juristischer Vorbereitungsdienst, Gerichtsreferendar am Amtsgericht Bruchsal

8.4.1933 Beurlaubung „wegen jüdischer Abstammung“

Juni 1933 Ausschluss aus dem Staatsdienst

1933 Ernst beschäftigt in einer „Autogarage“, er selbst hält sich für „sehr ungeschickt und unglücklich“, anschließend Bankvolontär.

Der Aufbau des Joodse Werkdorp Nieuwe Sluis

30.5.1934 Ernst Seeligmann in der Aufbauphase ins Werkdorp Nieuwe Sluis, Wieringermeer, angemeldet in Barsingerhorn

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ war die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

23.1.1935 ins „Buitenland“; Rückkehr nach Deutschland

Hachschara in Lobitten

1935 Nach einer kurzen Beschäftigung in einer Karlsruher Buchhandlung, zur Hachschara-auf das Gut Lobitten in Ostpreußen, konnte es dort aber kräftemäßig nicht durchstehen.

Auf Gut Lobitten (Lugovskoje) bei Powunden (Chrabrowo) bildete der jüdische Gutsbesitzer Walther Sandelowsky von 1934 bis 1939 junge Menschen in der Landwirtschaft aus.

Erneute Tätigkeit in der Buchhandlung

Hechaluz Zentrale in der Meinekestraße

1933 bis 1936 Bruder Heinz als Funktionär in der Hechaluz Zentrale in der Meinekestraße 10, unterbrochen durch eine sechsmonatige Hachschara in der Schweiz. In dieser Zeit werden etwa 7000 Chaluzim nach Palästina vermittelt.

1.3.1936 Bruder Heinz auf der SS GALILEA nach Haifa; Einreise mit einem Kapitalisten-Zertifikat der Kategorie A(1)

We‘ida der Habonim

21.-23.Juni 1935 Konferenz der Habonim („Bauleute“) in Gut Winkel; Bruder Heinz referiert über „Die Beziehung des Hechaluz zu den Jugendbünden“

Israelitische Gartenbauschule Ahlem

Schwester Sophie kann in Hannover eine dreijährige Ausbildung zur Gärtnerin abschließen; Bruder Herbert ist dort 1939 als Praktikant registriert.

Gut Winkel

1.3.1936 Wally Gerson zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Juni 1936 Ausstellung eines Reisepass für Ernst Seeligmann

Ernst Seeligmann zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

30.6.1936 Wally Gerson auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel; 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

31.3.1937 Ernst Seeligmann als Betriebsassistent und der spätere Schwager Martin Gerson auf der Liste „Betriebsleitung“ des Gut Winkel

10.11.1938 keine Verhaftungen im Novemberpogrom auf Gut Winkel

Novemberpogrom

10.11.1938 Ernst und Vater Oskar in Karlsruhe verhaftet

11.12.1938 Ernst mit Vater Oskar eingewiesen in das KL Dachau; Häftlingsnummer 20691 und 21801

22.11.1938 Entlassung des Vaters aus dem KL Dachau

20.12.1938 Entlassung von Ernst Seeligmann aus dem KL Dachau

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Ernst mit den Eltern und Schwester Sophie in Karlsruhe, Westendstr. 64

17.5.1939 Bruder Herbert in Hannover Ahlem, Gartenbauschule

1939 Schwester Sophie nach Palästina

Die Bürckel-Wagner-Aktion in Baden

22.10.1940 Ernst mit beiden Eltern sowie den Verwandten die Tanten Amalie Modrze, und Anna sowie Cousine Anneliese Seeligmann auf einem von sieben Transporten von 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden, davon allein aus Karlsruhe über 900 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich transportiert in der „Bürckel-Wagner-Aktion“.

22.1.1941 Tod des Vaters in Gurs

März 1941 Verlegung verschiedener Gruppen aus Gurs in andere Lager: Betagte Menschen kamen nach Noé, Schwerbehinderte nach Récébédou, Familien in das sogenannte ‚Familienlager‘ Rivesaltes.

Bürotätigkeit in einer Verwaltung in Gurs, möglich durch seine guten Französichkenntnisse

Sommer 1941 Eintritt in die „182ème Groupe de Travailleurs Etrangers“

4.8.1941 Ernst Seeligmann offiziell aus Gurs entlassen. Zwangsarbeit in einem Steinbruch in Buzy, Basses Pyrénées

9.11.1942 Pyrenäenpassage nach Spanien

11/1942-4/1943 wie alle ankommenden erwachsenen Flüchtlinge im Internierungslager in Miranda del Ebro

April 1943 bis Januar 1944 in Barcelona

Alija aus Spanien – SS NYASSA

1.-4.2.1944 Ernst Seeligmann auf der SS NYASSA von Spanien nach Haifa mit einem Arbeiterzertifikat des Hechaluz; erstes legales Alija-Schiff seit 1939; die NYASSA kam von Lissabon über Cadiz mit etwa 750 Olim (legale Immigranten) an Bord nach Haifa.

Nachkriegszeit

21.10.1945 Heirat in Rehovot mit Wally Gerson, der Schwester seines früheren Chefs in Gut Winkel

Gedenken

Quellen

http://www.hagalil.com/2010/09/seeligmann/

http://gedenkbuch.karlsruhe.de/namen/3898

Jüdische Rundschau, Nr. 53, 2. Juli 1935, S. 8.

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10751511

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10751022

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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