Steinweg Ernst

*28.4.1922 als Isaak Lewin vermutlich in Königsberg; ✡19.3.1990 Australien

Seine leiblichen Eltern waren Aron und Sina Lewin beide aus Kaunas in Litauen (deutsch Kauen, polnisch Kovno ); er wohl – vermutlich nach einem Autounfall der Eltern – adoptiert vom kinderlosen Ehepaar aus Münster

Isabella Eppstein, 1916 Jüdische Krankenschwester im Lazarett 1. WK

Adoptivmutter Isabella Eppstein *26.3.1884 in Mandel; ✡17.12.1928 in der Raphaelsklinik Münster

Adoptivvater Adolf Steinweg *8.1.1886 in Wickede; Anstreichermeister; erschossen Sept.1944 in Riga

Staatsangehörigkeit deutsch; staatenlos; Australien

1931 Adolf und Ernst Steinweg; Copyright Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer Villa Ten Hompel, Münster

2. Adoptivmutter Frieda Steinmann *22.5.1900 in Osterwick, Coesfeld; oo26.3.1932; ✡7.1.1945 Stutthof an Fleckfieber („Flecktyphus“)

Geschwister keine

Beruf Maler und Anstreicher

Adressen Münster, Wolbecker Straße 132

Heirat August 1945 in Schweden Edith Stahler *28.3.1924 in Klobuck, Tschechien; ✡8.9.1987 in Australien

Kinder

Yvonne Steinweg *31.5.1946 in Jönköping; oo Perl

Jeffrey Steinweg

Weiterer Lebensweg

17.12.1928 Tod der Adoptivmutter Isabella

9.12.1931 Zweite Ehe von Adolf Steinweg

1928 -1932 Besuch der Jüdischen Volkschule in Münster

1932 Besuch eine von Jesuiten-Patres geführten höheren Schule in Münster

1934 Mitglied im Bund deutsch-jüdischer Jugend

Fluchtversuch nach der Pogromnacht November 1938 mit der (Stief-)Großmutter Julie Steinweg geb. Steinmann und 6 weiteren Kindern mittels holländischem Schleuser von Gronau nach Enschede scheitert; Festnahme durch die Grenzbeamten; das Schleusergeld wird ihnen abgenommen; inhaftiert in Emmerich; später alle nach Münster freigelassen

17.5.1939 in Münster, Graelstraße 11 bei Minderheiten-Volkszählung mit den Adoptiveltern

13.7.1939 Zwangsumzug Judenhaus Meppener Straße 27

Zwangsarbeit zusammen mit dem Vater im Hoch- und Tiefbau

13.12.1942 Transport Münster Bielefeld nach Skirotawa, Riga mit den Adoptiveltern

15.12.1942 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga

Wohnung im Ghetto mit Rechtsanwalt Ludwig Kaufmann und Familie Ludwig Miltenberg

Aussage von Ernst Steinweg im Prozess gegen Otto Tuchel, Polizei-hauptwachtmeister, Kommando der Schutzpolizei Riga und des Reserve-Polizeibataillons 22:

„Am 16. Dezember 1941 gegen 7 Uhr an dem Tage unserer Ankunft im Ghetto zu Riga erschien Tuchel in unserer Wohnung. Alle Männer, die etwas beleibt oder körperliche Gebrechen hatten, schlug er in ungehöriger gemeiner Weise auf den Leib. Unter den Geschlagenen befand sich auch mein Vater. Ein gewisser Paul Schönthal, der unserer Gruppe angehörte und besonders dick war, musste sich auf Befehl von Tuchel auf einen Nachttopf setzen. Ein[em] gewissen Behrend, Malermeister aus Bielefeld, gab er etwas zu trinken und musste derselbe dann mit ihm auf die Straße gehen. Kaum, dass sie das Zimmer verlassen hatten, hörten wir Schüsse und fanden wir dann auch Behrend tot vor der Türe liegen.“

Mitte 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

30.9.1944 Zwangsarbeiter des ABA 701 mit dem Frachtschiff „Sanga“ nach Liebau, Lettland

1.10.1944 Ankunft Libau, SS-Sonderlager in Lettland, Arbeit im Hafen

22.12. 1944 schwerer russischer Bombenangriff auf die besetzte Stadt, 14 Lagerinhaftierte kommen um

19. 2. 1945 200 Häftlinge von Libau auf einem mit Granaten- und Patronenhülsen beladenen Kohlefrachtschiff über die Ostsee erst Richtung Lübeck, wegen Bombenangriffen umgeleitet nach Hamburg

27.2.1945 Ankunft in Hamburg, von der Gestapo nach Fuhlsbüttel ins Polizeigefängnis gebracht

27.2.1945 – 11.4.1945 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel „Kola-Fu“

12.-15.4.1945 86 km Fußmarsch nach Kiel, ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) „Nordmark“ in Hassee, Außenlager des KL Neuengamme in Kiel.

Rettungsaktion „Graf Bernadotte“ durch das Schwedische Rote Kreuz

Nach Verhandlungen des schwedischen Graf Bernadotte und Norbert Masur vom World Jewish Congress, Stockholm mit Heinrich Himmler nahe Berlin werden 168 jüdische Häftlinge und ihre Kinder nach Schweden freigelassen.

Von Malmö nach Hvita Korest in Almhult

Heirat August 1945

24.8.1945 Brief an Dr. Fritz Steinthal 1919 bis 1938 Rabbiner in Münster

Verlegung nach Ostana mit der Ehefrau

Januar 1946 Jönköping

31.5.1946 Geburt der Tochter Yvonne in Jönköping

Geplante Emigration nach Paraguay zum Bruder der Stiefmutter Willi Steinmann gelang nicht

1950 Ausreise nach Australien mit der Ehefrau Edith

Gedenken

Quellen

http://www.juedischer-friedhof-muenster.de/datenbankseite/?id=101

Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster, 2001

Fotos Copyright Gisela Möllenhoff, Rita Schlautmann-Overmeyer Villa Ten Hompel, Münster

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411213-Muenster12.jpg

http://www.gelsenzentrum.de/vernehmung_heinrich_mueller_aba_701_riga.htm

Aufbau, Nach Schweden gerettet; Ausgabe vom 22.6.1945

Fritz Ostkämper, Carla Pins: „Man darf nicht denken & doch kann ich es nicht vergessen“ 2019

Bernd Philipsen, Fred Zimmak, Hrsg., Wir sollten leben, Novalis 2020

Dietlind Kautzky, Thomas Käpernick (Hrsg.), Mein Schicksal ist nur eins von Abertausenden VSA 2020

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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