Turteltaub Benno

Benno Leo Turteltaub/ Baruch Tor

*13.4.1926 in Dortmund; ✡ 10.12.2014 im Kibbuz Tirat Zwi

Staatsangehörigkeit staatenlos

Mutter Leah Feuerstein Fruchter *11.1.1896 Rozniatow; ✡27.9.1940 Brandenburg a.d.Havel („T4-Euthanasie“)

Geschwister

Die Geschwister Benno, Rosi, Josef und Max Turteltaub

Rosi Rebecca Turteltaub *20.12.1920 in Dortmund; oo Mannheimer; ✡16.12.1940 in Kulmhof

Josef Turteltaub *24.2.1924 in Dortmund; Jeshiva-Student; Frankfurt; Josef wurde ins Ghetto Theresienstadt eingewiesen und starb dort nach der Befreiung im Juni 1945 an Typhus

Max Meir Turteltaub *8.1.1925 in Dortmund; ✡16.7.1943 in Sobibor

Beruf Landarbeiter

Adressen Dortmund, Heiligegartenstraße 18; Jüdisches Waisenhaus Dinslaken, Leo Schlageterstraße 43; Köln

Heirat Ruth Ring *1924 in Berlin; 27.2.1998 Jerusalem

Kinder

Chava Tur *7.1.1953 in Afula ; 31.7.2014 in Kibbuz Tirat Zwi; oo Ben Shmuel

Weiterer Lebensweg

9.8.1933 Mutter Leah wegen Schizophenie in die Westfälische Provinzialheilanstalt Gütersloh

1934 Max mit seinen zwei Brüdern, Josef und Benno, ins Waisenhaus Dinslaken. Bennos Mutter Lea lag im Krankenhaus, sein Vater Isaak war mit dem ältesten Kind, der Tochter Rosi, zu Hause in Dortmund geblieben.

Polenaktion

28.10.1938 Vater Turteltaub und Schwester Rebecca nach Bentschen (Zbaszyn) abgeschoben

Vater Isaak auf der Residentenliste Zbaszyn 1939

Novemberpogrom

10.11.1938 im Pogrom wird das Waisenhaus Dinslaken verwüstet, 32 Kinder aus der Stadt getrieben.

Benno Turtelbaum erinnert sich:

„Wir waren gerade erst mit dem Morgengebet fertig geworden, und schon hörten wir Lärm und Schreie. Wir rannten nach draußen auf die Wiese und konnten von dort aus alles hören. Alle zitterten. Am Nachmittag brachte man uns dann auf einen Bauernhof, wo wir ein paar Tage bleiben durften. Dort bekamen wir etwas zu essen und schliefen auf dem Stroh.“

Dem Erzieher Itzak S. Herz gelingt die Unterbringung im Israelitischen Waisenhaus Köln-Braunsfeld, Aachener Str. 443 und von dort ihre Auswanderung nach Holland und Belgien zu betreiben

20.12.1938 Ankunft einer ersten Gruppe im Waisenhaus Brüssel

5.1.1939 Emigration mit Bruder Benno in die Niederlande, zunächst ins Dommelhuis, Jonckbloetlaan 13, Eindhoven

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte.

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Max und Benno Turteltaub (2. Reihe, 7. und 8. von links); Sommer 1942
© Yad Vashem Museum, Private Collection Mirjam Waterman Pinkhof, Haifa, Israel

29.11.1939 -14.8.1942 Benno Turteltaub im Jugend-Alijah-Heim in Loosdrecht

13.9.1940 Schwester Rosa Mannheimer von Krakau in das Vernichtungslager Kulmhof

T4-Euthanasie

9.8.1933 Mutter Leah wegen Schizophenie in die Westfälische Provinzialheilanstalt Gütersloh

Sommer 1940 in der Provinzialheilanstalt Gütersloh Selektion der Mutter zur T4-Euthanasie

21.9.1940 Mutter Leah und weitere 17 Patienten mit Sonderbussen, zur Täuschung der Angehörigen zunächst in die Landesheilanstalt Wunstorf verlegt

27.9.1940 Mutter Leah in die Tötungsanstalt Brandenburg a. d. Havel, mit CO-Gas erstickt

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth vom Comitee der Jeugdalijah erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht. Die Aktion dauert bis zum 16. August.

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

August 1942 Die Brüder werden bei Familie Gramberg, Gastwirt, des Cafe-Restaurant „Het Witte Paard“ zwischen Loosdrecht und Hilversum untergebracht. Hier wurde später Hartog van Gelder gefasst; Gramsberg kam zeitweilig ins Gefängnis.

Von Philipp Rümke werden die Brüder mit der Bahn in ein von Rümke vorbereitetes Versteck nach Utrecht geführt.

Dezember 1942 die Brüder tauchen in Wassenaar unter, im Haus eines Pastors versteckt

10.7.1943 Da sie vor einer Hausdurchsuchung gewarnt wurden, versteckten sie sich hinter dem Haus hinter einem Damm; Max wollte nachsehen, ob die Luft rein ist, wurde aufgegriffen und dann inhaftiert in Westerbork, Strafbaracke 67

11.7.1943 Max beantragt er die „Palestinaverklaring“ (Schutz vor Deportation)

13.7.1943 Bruder Max zur Strafe für das Untertauchen auf den nächsten Transport von Westerbork nach Sobibor gestellt

14.7.1943 „Palestinaverklaring“ trifft einen Tag zu spät ein

16.7.1943 Tod in Sobibor

Benno Turteltaub

1943 über Rotterdam nach Antwerpen

1943 nach Südfrankreich geschleust

22.2.1944 in einem Dorf am Fuße der Pyrenäen, 32 Leute, 20 Chawerim, davon 3 Mädchen. Joop Westerweel kommt und verabschiedet sich persönlich mit einer beeindruckenden Rede.

4.4.-10.4.1944 mit dem zweiten Schleuser-Transport über die Pyrenäen; Ankunft in Spanien; als die Erwachsenen in das Internierungslager Miranda gebracht werden sollen, fliehen sie nach Barcelona

Meir Paul erinnert sich an die Gruppe:

Davon aus Loosdrecht:
Walter Dreyfuss; Alfred Aron Dubowski; Ascher Heinrich, Joseph Heinrich; Manfred Paul; Ernst Röttgen; Benno Turteltaub;
Außerdem Werner Seew Hirschfeld

28.9.1944 nach Cadiz

Alija auf der SS GUINEE 1944

27.10.-4.11.1944 auf der SS GUINEE von Cadiz nach Haifa

Im Oktober 1944 erhielten Paul Siegel und weitere Palästina-Pioniere von der britischen Mandatsregierung  erteilte  Einwanderungszertifikate  für  Palästina. Siegel, Chanan  Flörsheim  und  53  weitere  Hechaluz-Mitglieder  gingen  am  27.  Oktober  1944 in Cadiz an Bord des Schiffes „Guinée“ und erreichten am 4. November den Hafen von Haifa.

Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina

Gedenken

14.4.1899 Page of Testimony für Bruder Max von Benno Baruch Turteltaub

Stolperstein für Max in Dortmund Heiligegartenstraße 18

Quellen

https://www.joodsmonument.nl/nl/page/33081/meier-turteltaub

www.dokin.nl/deceased_children/meier-max-turteltaub-born-8-jan-1925/

www.dokin.nl/surviving_children/benno-leo-turteltaub-born-13-apr-1926/

www.juedisches-dortmund.de/turteltaub/

https://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/novemberpogromnacht/jewish-orphanage.asp

https://www.yadvashem.org/yv/en/exhibitions/museum_photos/westerweel.asp

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=en&s_id=&s_lastName=Turteltaub&s_firstName=&s_place=Dortmund&s_dateOfBirth=&cluster=true

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de983295

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de281445

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de171203

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de192266

https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/130387498?s=Turteltaub&t=532859&p=1

https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/130387497?s=Turteltaub&t=532859&p=1

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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