Weinberg Hans

Hans Weinberg

*9.8.1923 in Bielefeld; ✡ 14.1.1944 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Moritz Weinberg *29.1.1873 in Treysa; ✡ 29.7.1943 in Westerbork

Mutter Grete Mansbacher *19.6.1892 in Dortmund; ✡ 17.9.1943 in Auschwitz

Geschwister keine

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär; Schlosser

Adressen Bielefeld; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam, Transvaalstraat 110; Moritz ASD, Amstellaan 11

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

20.4.1922 Verlobunsanzeige der Eltern in „Berliner Tageblatt Und Handels-Zeitung“; Adressen Bielefeld, Herforder Straße und Dortmund

14.8.1923 Geburtsanzeige im „General-Anzeiger für Dortmund und die Provinz Westfalen“; Adresse Bielefeld

8.1.1937 Familie Weinberg von Bielefeld nach Amsterdam

Vor 1939 Hans Weinberg Mitglied der Pfadfindergruppe „Kralingsche Troep 10“ im Rotterdamer Stadtteil Kralingen

Werkdorp Nieuwe Sluis

21.11.1940 Hans Weinberg abgemeldet aus Amsterdamzur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

11.6.1941 abgemeldet nach Amsterdam zu den Eltern in die Amstellaan 11, die dort eine Altenpension führen

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

8.7.1942 Hans Weinberg mit Kniegelenksentzündung aufgenommen ins Krankenhaus

Sommer 1943 Razzien in Amsterdam

  • 20.5.1943 dem Aufruf des SD folgen nur 750 Menschen
  • 25.5.1943 4353 Juden verhaftet
  • 20.6.1943 5.500 Menschen verhaftet
  • Juli 1943 kleinere Razzia
  • 29.9.1943 eine letzte Großrazzia mit 10.000 Verhafteten
Amsterdam, 20. Mai 1943; Fotosammlung: NIOD, Amsterdam (Beeldbank WO2)
 

20.5.1943 750 Juden melden sich auf Anordnung von Hanns Rauter „Höherer SS- und Polizeiführer für die Niederlande“ zur Evakuierung aller Amsterdamer Juden beim Gebäude der Militärpolizei am Bahnhof Muiderpoort in Amsterdam. Funktionsträger des Joodse Raad mit einer „Sperre“ sind ausgenommen.

20.5.1943 Ankunft der 750 abends im polizeilichen Judendurchgangslager Westerbork

25.5.1943 Hanns Rauter befiehlt eine Großrazzia im Zentrum Amsterdams. Bei dieser Razzia wurde nahezu das gesamte Stadtzentrum abgesperrt. Zur Unterstützung wurde auch ein Kommando von 50 OD-Männern (Juden-Polizisten aus Westerbork), geführt von Hans Eisinger eingesetzt; der OD musste ein Viertel absperren, was dann von deutschen und niederländischen Polizisten systematisch durchkämmt wurde; Aufgabe des OD war es auch, Gepäck auf die bereitstehenden Lastwagen zu laden und alte, immobile Juden aus den Wohnungen zur Straßenbahn zu bringen, die dann zum Sammelplatz Muiderpoort Station fuhr. 4353 Juden wurden dann per Bahn nach Westerbork verbracht.

20.6.1943 rücken 20 Männer der „Fliegenden“ Kolonne“ und 100 OD-Männer erneut aus zu einer Großrazzia nach Amsterdam, in der 5550 Juden festgenommen und nach Westerbork verschleppt werden.

20.6.1943 Trupp OD-Männer beim Einmarsch auf den Sportplatz Olympiaplein, Sammellager in Amsterdam

Sommer 1943 der Joodse Raad muss die Listen der gesperrten Mitarbeiter rigoros reduzieren.

Die alte Liste wird ersetzt durch Au-Be-Liste; diese Ausnahmebescheinigungsliste wurde im Auftrag von SS Hauptsturmführer Ferdinand Aus der Fünten, Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung für die engsten 170 Mitarbeiter des Amsterdamer Judenrat erstellt. Sie durften bis auf weiteres nicht deportiert werden.

Nach Aufhebung ihrer Sperre muss auch die Mutter Grete ins Kamp Westerbork

Gefasste untergetauchte „onderduiker“ wie vermutlich Hans Weinberg werden als Strafgefangene ins KL Vught verbracht.

KL Vught – Kamp Westerbork

20.5.1943 Hans Weinberg als Strafgefangener ins KL Vught; „werkzaaam bij Splitter“

25.5.1943 Vater Moritz nach der Juni Razzia eingewiesen ins polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

29.7.1943 Tod des Vaters im Kamp Westerbork

29.7.1943 Hans Weinberg noch in Vught

1.8.1943 Mutter Grete nach dem Tod ihres Mannes ins Kamp Westerbork

11.9.1943 Verlegung von Hans Weinberg zur Deportation ins Kamp Westerbork

12.9.1943 Aufnahme in die gesondert bewachte Strafbaracke Nr. 62 im Kamp Westerbork

14.9.1943 Hans Weinberg als Strafgefangener auf den nächstmöglichen jeweils dienstags abgehenden Transport nach Auschwitz; die Mutter Grete geht (freiwillig?) mit.

17.9.1943 Tod der Mutter in Auschwitz

14.1.1944 Tod von Hans Weinberg in Auschwitz

Gedenken

Quellen

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130397817

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130397871

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130397872

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130397856

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988277

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de987834

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de988242

https://vrijheid.scouting.nl/scouting-in-de-oorlog/database/joodse-scouts/921-joodse-scouts-hans-weinberg/file

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Weinberg%201923%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Weinberg%201873%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Mansbacher%201892%22%7D

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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