
Alida „Letty“ Henriette Rudelsheim
*21.3.1915 in Watergraafsmeer/Amsterdam; ✡ 21.11.2009 in Jerusalem
Staatsangehörigkeit staatenlos
Religion jüdisch
Vater Moses Abraham Rudelsheim *17.1.1879 in Leeds GB; ✡ 1933 in Amsterdam
Mutter Elisabeth Duizend *21.5.1885 in Amsterdam; ✡12.1.1978 Amsterdam
Geschwister sechs
Hanna (1908-2006), Michael (1910- 10.4.1945 Bergen-Belsen), Jetty (1911-1982), Rosa (1912-2002), Henny (1919-2010), Samuel (1926-2023)

Bruder Michael ist auf einem der drei Transporte vom 10.4.1944 von Bergen-Belsen nach Theresienstadt umgekommen
Beruf Landwirtschaftliche Arbeiterin
Adressen –
Heirat 8.2.1950 David van Gelder *2.10.1920 in Leeuwarden
Kinder
Weiterer Lebensweg
Eingemeindung von Watergraafsmeer nach Amsterdam
Besuch der staatlichen Grundschule
Drei jüdische Mittelschule
Drei Ausbildung zur Kindergärtnerin
Aktiviv im Zichron Jakov und anderen Misrachi Organisationen
29.12.1938 zweite Ehe der Mutter mit Michael Cohen

Letty plant auch auf die Alija beth mit der SS DORA zu kommen, das scheitert aber, weil sie noch nicht auf Hachschara war, die 250 Gulden für die Fahrt nicht aufbringen kann und auch die Familie dagegen ist.
Kibbuz Dat veEretz Beverwijk
Der religöse Kibbuz in der Trägerschaft des Misrachi/ Dath Waäretz bestand von 1937 bis Ende 1940
Bachad, 1928 gegründete Jugendorganisation des orthodox-jüdischen Misrachi; das hebräische Akronym בָּחָ״ד BaChaD steht für Brit Chaluzim Datiim, deutsch ‚Bund religiöser Pioniere‘. Die Hachschara Organisation hieß Dath Waäretz
29.6.1939 geht Letty Rudelsheim auf Hachschara in den Misrachi Kibbuz Beverwijk/Velsen

10.5.1940 Überfall der Wehrmacht auf die Niederlande
Anschließend werden alle deutsche Jungen in Beverwijk festgenommen, später aber wieder entlassen.
20.9.1941 der Wechsel nach Franeker scheint storniert worden zu sein.
September 1940 Befehl zur Räumung von Juden aus den Küstenregionen: Beverwijk muss aufgelöst werden. Neugründung eines Dath WaErez-Kibbuz in Laag Keppel zwischen Dieren und Doetinchem. Ein Teil geht in denKibbuz Laag-Keppel, andere nach Loosdrecht; Letty arbeitet dort im Garten der Familie Watermann
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige. Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.

1.4.1942 Letty Rudelsheim ins Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“
1943 Letty Rudelsheim wohnt unter falscher Identität in Rotterdam; sie mietet eine Wohnung für die Westerweel Groep an; ihre Wohnung wird zur Notadresse „gestrandeter“ Onderdoiker
10.10.1943 nach Verrat überfällt der Rotterdamer SD ihre Wohnung und verhaftet acht Anwesende, darunter Manfred Rübner und der nur zu Besuch anwesende Karl Hannemann; diese werden unmittelbar nach Westerbork geschickt. Letty kommt wegen ihrer glaubwürdigen „arischen“ Ausweispapiere als Strafe für sechs Monate in das KL Vught, als dort ihre Jüdische Identität auffliegt für drei Monate in das „Oranjehotel“ genannte SD-Gefängnis in Scheveningen. Bei dem gescheiterten Versuch Letty zu befreien, werden Willie, die Frau von Joop Westerweel und Chiel Salome festgenommen und bis zum Kriegsende in Lagern inhaftiert. Joop Westerweel wird auch verhaftet, kann aber flüchten.

28.1.1944 Letty Rudelsheim eingewiesen als Strafgefangene in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, wo schon die gesamte Familie interniert ist. Sie muss in die gesondert bewachte Strafbaracke 67. Wegen der englische Staatsbürgerschaft des Vaters hat ihre Familie einen gewissen Schutz.
23.3.1944 Straftransport von Westerbork nach Auschwitz
Todesmarsch
15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten
18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz
18.1.1945 Beginn des Todesmarsches mit 400 Frauen von Auschwitz- Birkenau nach Loslau
Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:
Zofia Posmysz:
„Der letzte Tag in Auschwitz war der 18. Januar. Nach drei Tagen und drei Nächten zu Fuß wurden wir in offenen Güterwagen nach Ravensbrück gebracht.“

23.1.1945 Ankunft von Alida Rudelsheim im Frauen-KL Ravensbrück
30.4.1945 Befreiung des KL Ravensbrück mit den zurückgebliebenen schwerkranken Häftlingen: 2.000 Frauen und 300 Männer sowie Häftlingspflegepersonal, insgesamt rund 3.000 Personen durch die Rote Armee
1945 Rückkehr nach Amsterdam
Juni 1947-Juni 1949 zur Behandlung in Davos wegen TBC
1949 Rückkehr nach Amsterdam
Madricha und Leiterin der Hauswirtschaft im Nachkrieg- Hachschara-Kibbuz s‘Graveland
1950 Heirat mit David van Gelder
1950 Alija mit Ehemann David
1954 Jerusalem, Betreuerin in einem Heim des BneiBrith für auffällige Kinder;
1957 Lehrerin an einer Schule für schwierige Kinder in Ain Keren
Gedenken
–
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316
Sluiter, Saskia Kibboets Beverwijk. Palestina-pioniers in Velsen-Noord en Beverwijk (Velsen-Noord 2019)
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rudelsheim%201915%22%7D
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/3764811