
Abraham Schatländer/Schtatländer/Stadtländer/Sztadlender
*8.10.1914 in Hollerich, Luxemburg; ✡ vor 1945 in Auschwitz
Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater ; ✡ ?
Mutter; ✡ ?
Verwandte aus Köln
Helene Stadtländer *5.4.1931 in Köln; ✡ 24.7.1942 Maly Trostinec
Cäcilie Margot Stadtländer *7.2.1934 in Köln; ✡ 24.7.1942 Maly Trostinec
Beruf Schuhmacher-Lehrling
Adressen Köln; Wolzig
Heirat ledig
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Das jüdische Jugend- und Lehrheim in Wolzig
Jugendheim Wolzig; großes Gebäude ganz links; Sammlung Ralph Gabriel
November 1929 Eröffnung der Erziehungsanstalt für verwahrloste Jugendliche in Wolzig bei Berlin
Träger war der Deutsch-Israelitische Gemeindebund
Anfang 1933 befanden sich in dem Heim 68 Jungen, im Juni 1933 noch 43 davon acht nicht jüdisch.
Überfall der SA auf das Jugend-und Lehrheim in Wolzig
Laut Auskunft der Gedenkstätte Sachsenhausen, handelte es sich „um das jüdische Erziehungsheim Wolzig bei Königs-Wusterhausen, eine 1929 gegründete reformpädagogische Einrichtung, die ab 1933 von der Umgebungsgesellschaft feindselig betrachtet wurde. Unter dem Vorwand kommunistischer Umtriebe überfiel eine SA Einheit das Heim und verschleppte am 7.6.1933 34 Jungen zwischen 13 und 19 ins KZ Oranienburg, wo sie bis zum 10.7.1933 festgehalten wurden.„
Das KL Oranienburg war von der SA-Standarte 208 am 21.3.1933 in einer ehemaligen Brauerei eingerichtet worden, Ende April übernommen vom Potsdamer Regierungspräsident.
7.6. 1933 Der jüdische Gärtner R. Goldschmidt berichtet:
„Um 4 Uhr früh erschien ein Lastwagen mit SA. Die Männer waren bewaffnet, ein Gruppe umstellte das Heim, andere verschafften sich gewaltsam Zutritt, und mit Gebrüll jagte man die Erschrockenen mit Hilfe des Gewehrkolbens aus den Betten zum Hof. Er gab Fußtritte, und Gummiknüppel traten in Aktion, bis die Aufstellung in Marschordnung vollzogen war. Zur gleichen Zeit ging eine andere Gruppe ins Heim und versteckte unter Matratzen, Schränken und Schreibtischen Revolver, Seitengewehre, Totschläger, kommunistische Flugblätter, Broschüren und Bildmaterial gegen das Dritte Reich.“
9.6. 1933 Schreiben des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an den Regierungspräsidenten in Potsdam:
„In dieser Zeit wurde das Heim durchsucht. Es wurde unter dem Kopfkissen des Zöglings Werner Treuherz eine Schußwaffe gefunden. Treuherz wurde gerufen und gefragt, wie lange er schon in dem Bett, in dem die Waffe gefunden worden sei, schlafe. Er erwiderte: >>Ein Jahr << und bekam zur Antwort: »Und dann hast du nicht bemerkt, daß du eine Pistole unter dem Kopfkissen hast? « Nach Aussage des zurückgebliebenen Personals sollen auch einige Schriften gefunden und beschlagnahmt worden sein.“
Sechs weitere Verhaftungen in das Gestapogefängnis Berlin:
„Es wurden, nachdem der Landrat des zuständigen Kreises Beeskow-Storkow telefonisch von dem Ergebnis der Durchsuchung verständigt war, verhaftet: Direktor Oskar Friedmann, Gärtner (Richard) Goldschmidt, Bürohilfe Betty Armer, Erzieher Max Gebhard, Erzieher Fritz Hirsch, Zögling Werner Treuherz. Die genannten Verhafteten und außerdem sämtliche Zöglinge des Heim es wurden gegen 10 1/ 2 Uhr vormittags auf Lastautos verladen und nach Angabe von SA-Leuten in das Konzentrationslager nach Oranienburg überführt.
Die Verhafteten sind nach Berlin gebracht worden.“
5.7.1933 Tag des Verhörs von Abraham Schatländer im KL Oranienburg; er gibt an, Kenntnis von der kommunistischen Gruppe zu haben.
10.7.1933 Entlassung der 34 Wolziger aus dem KL Oranienburg
Belgien – Mechelen Auschwitz
Abraham Schatländer flieht nach Belgien
Internierung im Sammellager Kazerne Dossin in Mechelen

Deportation nach Auschwitz
„Wir kehren wieder“ –Massenerschießung in Maly Trostinec
Helene und Cäcilie Stadtländer waren im jüdischen Kinderheim in Köln, Apernstraße untergebracht
19.7.1942 Verbringung der 118 Heimkinder unter zehn, davon 11 unter einem Jahr alt, sowie von Helene und Cäcilie Stadtländer und der Mitarbeiter aus dem israelischen Kinderheim in die Westhalle der Messehalle in Köln-Deutz,
„Wir kehren wieder“, sangen die Kinder aus dem jüdischen Kinderheim bei der Abreise

20. 7.1942 Helene und Cäcilie Stadtländer per Zug Da 219 von Köln nach Minsk deportiert, 1.164 Menschen, darunter 118 Kinder aus dem jüdischen Waisenheim St. Apernstraße 29/31;
24. 7. 1942 Ankunft am Güterbahnhof Minsk, von dort mit Lastwagen in das Waldstück Blagowschtschina in der Nähe des Dorfes Maly Trostenez unweit von Minsk verbracht, vor bereits vorbereiteten Gruben von Kommandos der Sipo und des SD erschossen und in Massengräbern verscharrt
Reinhard Tenhumberg schreibt dazu:
„Mit dem Transport unter der Reichsbahn-Zugnummer VI wurden vor allem Juden aus der Umgebung von Köln – insbesondere aus Bonn, Siegburg und Troisdorf – nach dem Osten (Minsk) befördert, darunter 118 Kinder im Alter unter zehn Jahren.
Für den Transport am 20. Juli 1942 n a c h dem Osten waren außer den bereits dafür ausgewählten Opfern auch alle noch im Regierungsbezirk Köln wohnhaften Juden zu erfassen, die unter 65 Jahren waren. Ausgenommen waren Inhaber des Verwundetenabzeichens, des E.K.I oder anderer hoher Tapferkeitsauszeichnungen, Schwerkriegsbeschädigte sowie in deutsch-jüdischen Mischehen lebende Juden. Selbige waren offenkundig mit ihren Familien (ausgenommen die Mischehen) für den nächsten Transport nach Theresienstadt vorgesehen. Vermutlich den Abtransport der für diese Deportation vorgesehenen Juden aus dem Lager Much beobachtete der Gastwirt Herr Robert Heider: ‚Eines Sonntagsmorgens, als ich zur Frühmesse ging, standen drei Lastwagen am Lager, auf die die Juden verladen wurden. Wer die Verladung überwachte, konnte ich nicht feststellen. Man durfte sich nicht aufhalten.‘
Morgens bestiegen sie Abteilwagen der Reichsbahn, „Holzklasse“ mit beidseitig 5 Einsteigetüren, begleitet und bewacht von einem Polizeioffizier mit 15 Mann. Um 15 Uhr verließ der Zug Köln. Das Ziel hieß „Osten -Arbeitseinsatz“. Die Stimmung war geteilt. Gegenüber den, nichts Gutes ahnenden Älteren ab 50, glaubten die Jungen, bald wieder arbeiten zu können. Endlich raus aus dem Bomben-Köln“. „Wir kehren wieder“, sangen die Kleinen aus dem jüdischen Kinderheim. Die Reise aber wurde immer beschwerlicher, insbesondere für die 11, noch nicht einjährigen Kinder und die 21 Alten über 70. Neben der fehlenden Nahrung, dann noch der Umstieg in Güterwagen und das 19-stündige Warten auf dem Abstellgleis vor Minsk in der Sommerhitze. Endlich, frühmorgens 6.15 h die Ankunft und das Verlassen des Zuges in Maly Trostinez. Danach, alles ohne barsche Befehle und Geschrei, folgte eine fast freundliche Begrüßung durch einen SS-Offizier. Er fragte nach Spezialisten und teilte etwa 20 zur Arbeit ab. Die Übrigen sollten das Gepäck abgestellt lassen, um zunächst mit den bereitstehenden Fahrzeugen zu den, hinter dem Wald liegenden Unterkunft- und Arbeitsbaracken gefahren zu werden.
Doch deren Fahrt ging in das Wäldchen, an eine, zuvor von russischen Kriegsgefangenen und Minsker Juden ausgehobene 40x5x4 Meter große Grube. Dort lauerte der Tod in Gestalt bewaffneter SS-Leute und Polizisten. Sie erschossen alle, die auf normalen Lastwagen eintrafen direkt am Grubenrand, während die anderen in den als Wohnwagen getarnten LKw’s qualvoll in eingeleiteten Motorabgasen sterben mussten. Für keinen der unschuldigen Menschen – ihre Namen findet man auf den erhalten gebliebenen Transportlisten der von Deutz ostwärts rollenden Züge – gab es nach Ankunft überhaupt ein Entrinnen.“
24.7.42 nach der Ankunft wurden alle Juden aus Köln ermordet.


„Am 21., 22. und 23.7. werden neue Gruben ausgehoben. Am 24.7. trifft bereits wieder ein Transport mit 1000 Juden aus dem Reich hier ein. Vom 25.7. bis 27.7. werden neue Gruben ausgehoben. Am 28.7. Großaktion im Minsker russ. Ghetto. 6000 Juden werden zur Grube gebracht. Am 29.7. 3000 deutsche Juden werden zur Grube gebracht. Die nächsten Tage waren wieder mit Waffenreinigen und Sacheninstandsetzen ausgefüllt.“
24.7.1942 Tod von Cäcilie und Helene Stadtländer in Maly Trostenez
Gedenken
28.7.1996 Pages of Testimony für Helene und Cäcilie Stadtlender
Quellen
Klaus Drobisch, Überfall auf jüdische Jungen im Juni 1933; Dokumente; 1993
„The Times“ vom 19. September 1933 „Life in a Nazi camp. A farm student’s experience“
Mitteilungen von Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen
https://beeldbank.kazernedossin.eu/portal/media
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de296609 https://beeldbank.kazernedossin.eu/portal/media?q=Abraham,SCHTATLENDER
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_rhl_420720.html
https://www.statistik-des-holocaust.de/Arlt1.jpg
https://www.myheritage.de/research
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History