Joachim Wolfgang Hirschfeld
*9.4.1920 in Weimar; ✡ 14.5.2004
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Rene Hirschfeld *29.10.1878 in Berlin; ✡ 2.11.1942 in Auschwitz
Mutter Hermine Rose *3.12.1873 in Niederntudorf, Paderborn; ✡ 4.1.1945 in Theresienstadt
Großmutter Martha Hirschfeld geb. Hesse *19.1.1854 in Dessau
Geschwister
Ludwig Ludwig Hirschfeld *31.1.1912 in Düsseldorf; ✡ 14.5.2004 in Stockholm: oo Anna Wald (*11.11.1915 in Malmö)
Rolf Hirschfeld *21.5.1913 in Thorn; ✡11.8.1982; oo Ilse Manasse
Fritz Frank Hirschfeld/Henderson *2.3.1916 in Halle; ✡ 3
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär
Adressen Weimar; Halle/Saale, Talamtstraße 6; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam; Basel, Schweiz; Australien
Heirat 9.8.1945 in Basel mit Marie Luise Meyer *3.11.1921 in Paris
Kinder
Eveline Hirschfeld *20.12.1945 in Basel,
Raymond Hirschfeld *4.1.1947 in Amsterdam,
Hedwig Hirschfeld *26.1.1950 in Amsterdam,
Suzanne Hirschfeld *13.11.1954 in Adelaide
Weiterer Lebensweg
Bruder Fritz zur Hachschara in den ORT-Lehrwerkstätten in Berlin Niederschönhausen
5.12.1938 Bruder Rolf, Frau Ilse und Sohn Klaus (*8.8.1937) emigrieren nach Bolivien
3.3.1939 Bruder Fritz Hirschfeld nach England, zunächst im Kitchener Camp

5.5.1939 Bruder Ludwig nach Malmö; 1944 auf der Liste mittelloser Hechaluz-Mitglieder, die eine Passverlängerung benötigen, zusammen mit Walter Wächter
17.5.1939 Beide Eltern und Großmutter Martha in Halle/Saale, Talamtstraße 6 bei der Minderheitenzählung
29.9.1942 Bruder Fritz in Cassel & Fot House, German Jewish Aid Community, Upper Park Road, Salford, Lancashire als Schmiedleherling beim britischen Census (Fredrich Kirsehfield)
Jessen Mühle
Joachim Hirschfeld zur Hachschara nach Jessen Mühle
Werkdorp Nieuwe Sluis
1939 Flucht in die Niederlande zunächst zur „Deventer Vereeniging tot Vakopleiding“
28.8.1939 Joachim Hirschfeld zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Joachim Hirschfeld darf noch bis August als „Aufräumer“ bleiben.
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

13.8.1941 Joachim Hirschfeld abgemeldet nach Schermerhorn
Zweite große Razzia in Amsterdam
14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle
Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.
11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“
11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.
Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl
22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941
Flucht in die Schweiz
1942 taucht Joachim Hirschfeld unter und wird über Belgien und Frankreich in die Schweiz geschleust.
12.9.1942 Ankunft in der Schweiz
22.5.1943 Ankunft in der Schweiz, alternatives Datum
Sachsenhausen – Auschwitz
1942 Vater inhaftiert; als „Schutzjude“ in das KL Sachsenhausen
Vermutlich 25.10. 1942 verlegt von Sachsenhausen nach Auschwitz mit 454 Häftlingen zum Ausbau von BUNA in Monowitz; die SS hatte der IG Farben AG vertraglich 10 000 Zwangsarbeiter zugesagt.
2.11.1942 Tod des Vaters in Auschwitz
Theresienstadt

20.9.1942 Mutter Rose deportiert aus Halle ab Leipzig auf Transport XVI/1 nach Theresienstadt. Auf einem Güterbahnhof außerhalb Leipzigs, vermutlich Engelsdorf mussten die 73 Juden aus Halle und 440 aus Leipzig zusteigen. Für 70 der aus Halle deportierten Menschen ist in der Theresienstädter Liste als letzte Adresse die Boelckestr. 24 angegeben, in der sich das jüdische Altersheim befand.
Leo Hirsch, Leiter der Verwaltungsstelle Halle der Bezirksstelle Mitteldeutschland, berichtete am 30.9. an die Bezirksstelle in Leipzig: „Nachdem 68 Insassen des Alters- und Siechenheims Halle auf Weisung der Aufsichtsbehörde ihren Wohnsitz nach Theresienstadt verlegt haben, haben wir 16 Sieche als Insassen behalten.“
4.1.1945 Tod der Mutter Rose in Theresienstadt
Nachkriegszeit
9.8.1945 Heirat in Basel die mit Tochter Evelyne schwangere Marie Luise Meyer
22.8.1945 Rückkehr aus der Schweiz nach Amsterdam
1950 Emigration der Familie nach Australien
18.5.1977 Pages of Testimony für die Eltern von Bruder Fritz Henderson
Quellen
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de884468
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Hirschfeld%201920%22%7D
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130307454
https://www.gedenkbuch.halle.de/gbdatensatz.php?num=154
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_mid_420919.html
Sterbeurkunde Sonderstandesamt Arolsen, Abteilung Sachsenhausen, Nr. 710/1955 Jacob René Hirschfeld, Bad Arolsen, den 22.01.2001
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer