Bun Fritzi

Fritzi Bun

*20.12.1922 in Wien

Staatsangehörigkeit Österreich, deutsch, Staatenlos USA

Vater Henrik Bun in Wien; ✡ vor 1938

Mutter Hermina Hochsinger *2.3.1886 Rüdersdorf; ✡ 4.9.1942 Maly Trostinec

Onkel Richard Hochsinger *2.8.1877 Rüdersdorf; ✡ ?

Tante Adele Hochsinger *5.2.1888 Rüdersdorf; ✡ ?

Geschwister

Ernst Bun *27.8.1916 in Wien; ✡ ?;

Beruf Verkäuferin, Zuckerbäckerin; Praktikantin;

Adressen Wien, Große Sperlgasse 47; Augsburg; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat 19.9.1945 in Amsterdam Albert Neuner *30.7.1920 Mährisch Schönberg; ✡ ?

Kinder

Peter Bun/Neuner*15.10.1942 in Amsterdam; 23.3.2014 in Clearwater, Florida; oo Susan

Robert Neuner *1947; oo Christine

Weiterer Lebensweg

„Anschluss“ Österreichs 1938

Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

3.4.1938 gekündigt als Verkäuferin

15.6.1938 Fritzi Bun stellt einen Antrag für sich und die Mutter bei der Israel. Kultusgemeinde Wien zur Unterstützung der Ausreise nach Amerika.

9.12.1938 Fritzi Bun stellt einen Antrag für sich bei der Israel. Kultusgemeinde Wien zur Unterstützung der Ausreise zur Hachschara nach Holland. Sie bekommt 65 RM Reisegeld gewährt.

Albert Neuner zur Hachschara als Gärtnerpraktikant nach Augsburg, Beth Chaluz in der Armenhausgasse B 121 a  (21), Träger war der Hechaluz; das Beth Chaluz befand sich bis 1937 in der Bernheimer-Villa in der Friedberger Straße 9; von Augsburg gingen viele Jugendliche auf das Hachschara Gut Bannacker in Augsburg-Bergheim, der Hechaluz betrieb dort in Haus drei eine landwirtschaftliche Ausbildung

Novemberpogrom

10.11.1938 33 Chaluzim verhaftet in Augsburg im Novemberpogrom, Albert Neuner mit insgesamt 28 über 18- Jährigen Chaluzim aus dem Wohnheim für jüdische Auszubildende in der Armenhausgasse, „Schutzhaft“ in Dachau; Häftlingsnummer 21199

8.12.1938 Entlassung von Alfred Neuner aus dem KL Dachau mit der Auflage, Deutschland zu verlassen

15.1.1939 Passausstellung für Albert Neuner in Augsburg

5.4.1939 Albert Neuner mit den Chaluzim Hans Bandmann, Heinrich Kampf, Fritz Laufer und Hans Wessely aus dem Beit Chaluz Augsburg zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis

Werkdorp Nieuwe Sluis

27.12.1938 Fritzi Bun zur Hachschara ins Werkdorp Nieuwe Sluis

8.3.1939 Albert Neuner zur Hachschara ins Werkdorp

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

Onderduiker

Sommer 1942 nach dem Einsetzen der großen Transporte nach Auschwitz gehen Albert Neuner und Fritzi Bun ins Versteck

15.10.1942 Geburt von Peter Bun

19.9.1945 Heirat mit Fritzi Bun in Amsterdam

23.11.1951 Albert Neuner mit Frau Fritzi und den Söhnen Peter und Albert abgemeldet aus Amsterdam

27.11.-9.12.1951 Albert Neuner mit Frau Fritzi und den Söhnen Peter und Albert auf der SS VEENDAM von Rotterdam nach Ney York

10.12.1951 Registrierung von Albert Neuner in New York

Gedenken

Quellen

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Neuner%201920%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Bun%20Fritzi%22%7D

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10715164

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130347061

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/80764117

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130268753

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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