Hirschkorn Norbert

Norbert Hirschkorn

*2.7.1921 in Wawern, Kreis Saarburg; ✡ 14.6. 2002 in Bournemouth

Staatsangehörigkeit polnisch

Religion jüdisch

Vater Aron Hirschkorn/Herszkorn *17.8.1885 in Lodz; ✡ vor 1945 in Auschwitz

Mutter Sara Lachman *10.6.1887 in Alt Drewitz; ✡ vor 1945 in Auschwitz

Großvater Rabbi Jerachmiel Hirschkorn

Familie Hirschkorn in Wawern (1928) v.l. Paula, Sara, Norbert, Aron, Erna, Jakob, Sophie; Privat

Geschwister

Sophie Hirschkorn *1912 in Lodz; oo Jakob Schimmel; ✡vor 1944 in Polen

Jakob Hirschkorn *1.1.1914 in Wittlich; ✡Febr. 1976 in Barnet; oo Halina Silberberg

Paula Hirschkorn *1919; ✡30.5.2016; oo Harry Berlin

Erna Hirschhorn *1923 in Wawern; ✡2014; oo Edward Binke

Beruf Textilkaufmann

Adressen Wawern; Havelberg; Berlin; Trier

Heirat

1953 mit Rita Weinmann * 27.9.1931 in Berlin; ✡1976

1979 Eva Kahn

Kinder

Sonja Hirschkorn *1954

Ronnie Hirschkorn *1959

Weiterer Lebensweg

Ostern 1927-1935 Katholische Volksschule Wawern

Als Schulkind von Mitschülern geschlagen; der Vater erstattet Anzeige beim Landrat/lokale Polizeibehörde, die sogar amtlich verfolgt wird.

Rückführung des Saarlandes ins Deutsche Reich

13.1.1935 90% stimmen für die Eingliederung

1.3.1935 Saarland wieder Teil des Deutsches Reiches

Es häufen sich die antisemitischen Überfälle in Wawern

Norbert Hirschkorn wurde wegen einer Schlägerei mit Hitlerjungen, nachdem Peter H., der Wawerner HJ-Führer ihn mit seinem Dolch in den Oberschenkel stach, vom Amtsgericht Saarburg zu einer Geldstrafe von 50 RM verurteilt.

Waldgehöft Havelberg

Belegungsliste von Havelberg 31.12.1937

Mai 1935 Norbert Hirschkorn zur landwirtschaftlichen Hachschara ins Waldgehöft, auch Jagdgehöft Barella, Damlacker Weg, nördlich von Havelberg (1934-1941), Träger bis zum Pogrom November 1938 war der Hechaluz, dann die RVJD. Die frühere Jagdpacht gehörte dem jüdischen Rechtsanwalt Siegfried Freund, er war zunächst auch der Leiter. Es umfasste acht Hektar Land, eine kleine Villa, zwei Wohnhäuser, eine Werkstatt, einen Stall, Gewächshäuser und Schuppen. Bis zu 50 Chaluzim waren hier untergebracht; Norbert Hirschkorn wird in der Werkstatt als Automechaniker ausgebildet

Oktober 1935 nach Berlin

Frühjahr 1937 Rückkehr nach Wawern

Polenaktion

27.10.1938 Norbert und Vater Aron verhaftet in Fisch Wawern, zur Gestapo nach Trier; über Nacht im Polizei Gefängnis

28.10.1938 Bahntransport in das Sammellager Messehallen Deutz, dann nach Neu-Bentschen

Ebenfalls aus Köln nach Zbaszyn Schwester Sophie und Jakob Schimmel; Vater Aron im  deutschen Auffanglager Neu-Bentschen

Norbert Hirschkorn mit anderen jungen Juden in Frankfurt/Oder aus dem Zug geholt

November 1938 – September 1939 Zwangsarbeit in einem Steinbruch bei Schwedt/Oder

Novemberpogrom

10.11.1938 Zerstörung der Synagoge von Wawern, Verwüstung jüdischer Wohnhäuser

18.2.1939 Schwester Paula mit „Domestic Permit“ nach Dover

Juni 1939 Mutter Sara und Schwester Erna nach Bentschen

Kindertransport Zbaszyn, Gdynia, London

1939 drei Elsley Zeitlyn Transporte aus Zbaszyn mit 233 Kindern

15.2.1939 Ankunft London Docks nahe der Tower Bridge 50 Kinder

1.8.1939 Ankunft London Docks nahe der Tower Bridge 100 Kinder

30.8.1939 Ankunft London Docks nahe der Tower Bridge 83 Kinder

13.8.1939 (?) Schwester Erna aus Zbaszyn nach England

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 keine Registrierung

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen;

Auflösung der Lager in Zbaszyn und Schwedt; die Eltern kommen nach Lodz; Norbert muss mit 200 Arbeitern aus Schedt die nach den Massenmorden leerstehenden Wohnungen ausräumen und die Einrichtungen in Güterwaggons nach Deutschland verladen.

April 1940 Ghetto Lodz

1941- Juli 1943 30 Monate Zwangsarbeit an verschiedenen RAB-Baustellen, Arbeitslager in Frankfurt/Oder, Selchow/Brandenburg, Sternberg, Schwiebus, Oppeln, Groß-Strehlitz und Kattowitz

Auschwitz

August 1943 Einweisung in das KL Auschwitz; er wird zur Zwangsarbeit selektiert und bekommt die Auschwitz-Häftlingsnummer 142955 in den linken Unterarm eintätowiert.

Auschwitz-Außenlager Jaworno, Arbeit in der Kohlengrube „Rudolf“

18.1.1945 Auflösung von Auschwitz und der Nebenlager; Beginn der Todesmärsche

21.1.1945 Flucht aus dem KL Blechhammer; im Versteck bis zur Befreiung durch die „Rote Armee“

Nach Lodz

Nachkriegszeit

Mai 1945 mit einem Transport belgischer Rückkehrer nach Brüssel; Wiedersehen mit Leo Guthmann und Josef Mandelblatt, zwei Chaluzim aus Havelberg

20.6.1945 Rückkehr nach Wawern, Saarland, französisch besetzte Zone

1948 die Geschwister Hirschkorn strengen einen Rechtsstreit vor der Restitutionskammer des Landgerichts Trier an mit dem Ziel, 1938 beschlagnahmte Güter zurückzuerlangen.

1951 IRO-Antrag zur Unterstützung bei der Emigration

Aktives Gemeindemitglied und mahnender Zeitzeuge bis zu seinem Tode 2002

Gedenken

Quellen

Amtsblatt des Französischen Oberkommandos in Deutschland, 21.12.1948

Günter Heidt, Ich wollte nur nach Hause, immer nur nach Wawern, Jahrbuch Trier, 2017

https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20410/Wawern%20Heidt%20Hirschkorn%20d.pdf

https://www.mahnmal-trier.de/Personen/hirschkorn.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/115108064

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://collections.yadvashem.org/en/photos/collection/13069463

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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