Joseph Böhm, Josef bar Mordechai
*22.1.1885 Gardawitz, Pless; ✡Januar 1937 in Waltrop
8.1.1937 in Waltrop, im Kanal Datteln-Hamm bei Kilometer 8 gegenüber dem „Haus Wilbringen“ als Wasserleiche aufgefunden
Vater Mordechai Max Böhm
Mutter Rosalie Loevy *16.12.1846 Gardawitz, Pless; ✡9.11.1913 in Bochum
Beruf Kaufmann

Heirat Selma Shaina Appel *1.10.1889 in Kattowitz; ✡ März 1959 in St. Pankraz, London
Töchter
Susanne Shulamit Böhm *5.2.1924 in Crailsheim; ✡15.7.2012 Kfar Szold; oo Benjamin Kohn (1924-1987)
Ruth Böhm *2.10.1927 in Craisheim; oo Jack
Adressen Gardawitz, Pless; Crailsheim, Lange Straße 72; Frankfurt
Weiterer Lebensweg
9.11.1913 Tod der Mutter Rosalie in Bochum
Josef Böhm im ersten Weltkrieg
Füsilier der 12. Kompagnie des Füsilier Bataillons 5. Garde-Regiment zu Fuß

5.12.1916 Preußische Verlustlisten Nr. 702, Seite 16702: leicht verwundet
Kaufmann Josef Böhm führte in Crailheim zwei Textilwarengeschäfte, Karlstraße 9 und Ringgasse 7
Er war im Vorstand des jüdischen Geselligkeitsvereins „Einklang Crailsheim“.
Das Konzentrationslager Heuberg in Stetten am kalten Markt
Das KL Heuberg war das erste NS-Konzentrationslager im Deutschen Reich, die ersten Häftlinge wurden bereits am 20. März 1933 hier eingesperrt, noch zwei Tage vor dem KL Dachau (22. März)
In der ersten großen Verfolgungsaktion in Württemberg-Hohenzollern wurde Josef Böhm am 21. März 1933 von SA-Hilfspolizisten im Gerichtsgefängnis brutal misshandelt. Auch der Vorstand des „Israelitischen Jugendvereins Crailsheim“, der Kaufmann Siegfried Stein, wurde am gleichen Tag im Schloss ausgepeitscht.
In den neun Monaten des Bestehens des Konzentrations- und Schutzhaftlagers Heuberg waren hier fast 3500 politische Gegner, insbesondere KPD- und SPD- sowie Funktionäre des Zentrums brutalen Haftbedingungen ausgesetzt. Prominentester Häftling war der SPD-Reichstag-Abgeordnete und späterer SPD-Parteivorsitzende Kurt Schuhmacher.
Das Lager Heuberg musste im Dezember 1933 wieder aufgegeben werden, da die Reichswehr die Anlagen für sich beanspruchte; die Häftlinge aus Württemberg wurden in das KL Oberer Kuhberg, die badischen in die KL Ankenbrück und Kislau verlegt. Als Württemberger muss Josef Böhm während der weiteren Haftzeit bis zu seiner Entlassung im Oktober 1934 im KL Oberer Kuhberg bei Ulm interniert gewesen sein.
14.-17.11.1936 in Frankfurt gemeldet

8.1.1937 in Waltrop, im Kanal Datteln-Hamm bei Kilometer 8 gegenüber dem „Haus Wilbringen“ mit einer „Herzschußwunde“ als Wasserleiche aufgefunden.
Im November 1937 ist Witwe Selma Böhm zu den Töchtern nach England emigriert
Tochter Shulamit Böhm
September 1936 Emigration von Susanna Böhm nach England (Kindertransport)

7.12.1948 Heirat in Tel Aviv mit Benjamin Kohn, Kfar Szold
15.7.2012 Tod von Shulamit Kohn in Kfar Szold
Gedenken/Beisetzung
Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof Nordcharweg Recklinghausen, Reihe C, 38
Hebräische Grabinschrift:
Hier ruht Josef, Sohn des Mordechai
Deutsche Grabinschrift:
Hier ruht unser treuer Vater Josef Böhm aus Crailsheim; 22.1.1885 – 8.1.1937
1913 Beisetzung der Mutter Rosalie Böhm auf dem jüdischen Friedhof Bochum
Quellen
https://www.mappingthelives.org
https://www.myheritage.de/research
https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1213814
Bundesarchiv, Abteilung R (Deutsches Reich), „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945“ (kurz: „Residentenliste“). ID-Nr. 1213814
https://www.alemannia-judaica.de/crailsheim_synagoge.htm
Werner Schneider, Jüdische Einwohner Recklinghausens 1816-1945, in: 750 Jahre Stadt Recklinghausen. 1236-1986, hrsg. von Werner Burghardt, Recklinghausen 1986
Werner Schneider, Jüdische Heimat im Vest Gedenkbuch 1983