
Samuel Hermann Stern
*26.7.1892 in Gütersloh; ✡ 26.10.1963 in Recklinghausen
Vater Max Stern *31.10.1855 in Gütersloh; ✡11.4.1908 in Gütersloh

Heirat der Eltern 30.10.1883 in Dortmund
Mutter Sara Jonas *1.7.1858 in Dortmund; ✡ 17.11.1942 in Theresienstadt
Tante Lina Stern *19.4.1860 in Gütersloh; ✡ 9.10.1943 in Theresienstadt
Geschwister
Alfred Stern *31.10.1888 in Gütersloh; ✡ 22 11.1898 in Gütersloh

Friedrich Stern *1.6.1890 in Gütersloh; oo Mathilde Grünebaum (*1892 in Bürgel); beide 8.11.1941 nach Minsk

Beruf Pianist im Kino, Geschäftsführer der Vereinigte Lichtspiel GmbH,

Kinos: Apollo-Theater, Markt 2, Odeon-Theater, Breite Str. 16, „Schauburg“, Dortmunder Str. 1
Adressen Gütersloh, Nr.482, Haus Horstkotte, Bahnhofstraße; Recklinghausen, Tiefer Pfad 27, Herner Straße 8a; Immermannstraße 1; Am Polizeipräsidium 3
Heirat
1.Ehe Elsbeth Erna Toni Schütz *25.12.1898 in Wehlau, Protestantin; Pianistin; ✡5.1.1945
2. Ehe nach 1945
Sohn
Alfred Stern *20.2.1928 in Recklinghausen; ✡15.5.2019 in Recklinghausen
Der Sohn bekommt den Namen des 1898 verstorbenen Bruders Alfred
Weiterer Lebensweg
Ausbildung zum Pianisten durch die Klavierlehrerin Tante Lina Stern
1912 Pianist in Lichtspielhäusern in Gütersloh



Bruder Friedrich Stern am 11.2.1915 und erneut am 3.6.1915 als Ers. Reservist der 4. Kompagnie des 1. Bataillons des Infanterieregiments 16 in den Preußischen Verlustlisten zweimal „leicht verwundet“ gemeldet
1919 Umzug nach Recklinghausen weiter als Pianist aktiv; Reklameleiter
„Privilegierte Mischehe“ mit der Pianistin Elsa Schütz
ab 1925 Geschäftsführer der Vereinigten Lichtspiel GmbH mit den drei Kinos „Apollo-Theater“, Markt 2 – „Odeon“-Theater, Breite Str. 16 – „Schauburg“-Theater, Dortmunder Str.

Umzug in das Haus Herner Str. 8a, Besitzer war das jüdische Ehepaar
Markus und Ettel Änne Tepper
1938 Umzug der Mutter Sara Stern 1938 in Gütersloh, Kahlertstraße 24, Judenhaus

Novemberpogrom
10.-12.11.1938 Flucht der Familie im Pogrom nach Bochum
Sohn Alfred erinnert sich :
„Erinnern kann ich mich noch, daß ich in der Nacht durch Lärm geweckt wurde. Als ich aus dem Fenster unserer Wohnung im 2. Stockwerk auf die Straße schaute, waren die Schaufenster des Geschäfts der Familie Tepper wohl schon zerstört. Ich sah uniformierte SA-Männer und meine auch, mich an einen offenen Lastwagen zu erinnern. Später in der Nacht klingelte es bei uns an der Wohnungstür und ein SA-Mann tauchte auf. Mein Vater kannte ihn aus der Stadt. Er war wohl alkoholisiert, bedrohte meinen Vater mit der Pistole und schimpfte: ‚Euch müsste man auch…‘. An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht mehr erinnern. Unsere Wohnung wurde zwar nicht zerstört, aber wir waren so verängstigt, daß unsere Familie am nächsten Morgen sofort nach Bochum fuhr, wo man uns nicht kannte. Wir hielten uns dort den ganzen Tag auf aus Angst, daß in Recklinghausen noch mehr passiert. Mein Vater wurde dann einige Tage später auch verhaftet.“
12.11.1938 -26.11.1938 Polizeigefängnis Recklinghausen
26.11.1938 Entlassung aller Männer als dem Polizeigefängnis im Präsidium

Mai 1939 mit Ehefrau Elisabeth und Sohn Alfred in Recklinghausen, Herner Straße 8 a bei Minderheitenzählung

8.11.1941 Bruder Friedrich und Ehefrau Mathilde von Hamburg nach Minsk



31.7.1942 Mutter Sara Stern, seit 1938 im Jüdischen Altenheim in Bielefeld, Stapenhorststraße 35 auf Transport XI/1 nach Theresienstadt deportiert;

17.11.1942 Tod der Mutter in Theresienstadt
Die Klavierlehrerin Lina Stern

Lina Stern wohnte mit ihrer Mutter Henriette Stern geb. Heilbronn (*1822-1909) und Hermanns Vater Max (*1855-1908) im Haus Eickhoffstraße 21. In Gütersloh war sie als Klavierlehrerin bekannt und beliebt. Lina Stern blieb unverheiratet.
1939 Umzug von Lina Stern in das Altersheim des katholischen St. Elisabeth-Hospitals, Am Domhof

28.8.1942 Einweisung von Tante Lina Stern in das Sammellager „Schloßhof“ in Bielefeld
13.9.1942 Lina Stern schickt ihrem Neffen Hermann Stern aus dem „Schloßhof“ in Bielefeld persönliche Dokumente und Fotos mit der Bitte:
„Hebt doch bitte die Sachen gut auf, es geht doch alles einmal mit Gottes Hilfe vorüber und hoffe, die Kinder nochmal wieder zu sehen.“
Im „Schloßhof“ in der Schloßhofstraße 73a, einem ehemaligen Gutshof befand sich neben dem Umschulungslager (Hachschara) eine Unterkunft für alte und kranke Jüdinnen und Juden („Siechenheim“) als Einrichtung der RVJD Westfalen.

Lina Stern im Hausbuch des Schloßhof in Zimmer 14

29.6.1943 Tante Lina Stern aus dem „Schlosshof“ auf Transport XI/3 nach Theresienstadt

9.10.1943 Tod der Tante Lina Stern in Theresienstadt
Mischlingsaktion
19.9.1944 Hermann Stern verhaftet bei der „Mischlingsaktion“
17. 9. 1944 – 2.2.1945 Arbeitslager Oberlochwitz, Arbeitslager Zeitz, Hydrierwerk
5.1.1945 Tod der Ehefrau Elsa Stern
Febr. bis April 1945 Fremdarbeiterlager „Wanderarbeitsstätte“ im Lutherhaus, Herner Straße
Ab 1945 Aufbau einer Veranstaltungsagentur für den städtischen Saalbau
26.10.1963 Tod am Tegernsee in Oberbayern
Gedenken/Beisetzung
Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof Nordcharweg Recklinghausen, Reihe D, 29
Hebräische Grabinschrift: –
Deutsche Grabinschrift:
Hermann Stern 26.7.1892 – 26.10.1963
Stolpersteine für Bruder Friedrich Stern und die Mutter Sara Stern, geb. Jonas wurden in der Eickhoffstraße 17 in Gütersloh Stolpersteine verlegt, für Tante Lina Stern in Gütersloh, Eickhoffstraße 21, für Bruder Friedrich und Ehefrau Mathilde in Hamburg Eppendorf, Geffckenstraße 6.
Quellen
Privatphotos aus dem Album Monika Stern’s photos
Werner Schneider, Jüdischer Friedhof Recklinghausen (Nordcharweg); Typoskript 1985
Auszug aus dem Hausbuch Schloßhofstraße des Einwohnermeldeamtes Bielefeld (Signatur: StArchBi, Bestand 104,3 Einwohnermeldeamt, Nr. 1547)
https://www.statistik-des-holocaust.de/XI3-1.jpg
Jewish Gen Online Worldwide Burial Registry Germany
http://www.vvn-bda-re.de/pdf/Verfolgte_Kreis_RE.pdf
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411108-40.jpg
Georg Möllers, Biografie der Familie Stern, Anhang im Opferbuch der Stadt Recklinghausen
Preußische Verlustlisten 1915
https://eservice2.gkd-re.de/selfdbinter320/DokumentServlet?dokumentenname=545-632fieldDokument1.pdf
Verzeichnis über Nichtarier, jüdische Mischehen und zwangsweise evakuierte Juden 1936-1942. Sta Re III 4407
Heinz Reuter, Die Juden im Vest Recklinghausen, Vestische Zeitschrift Bd. 77/78, 1978/1979
Werner Schneider, Jüdische Heimat im Vest Gedenkbuch 1983
Werner Schneider, Jüdische Einwohner Recklinghausens 1816-1945, in: 750 Jahre Stadt Recklinghausen. 1236-1986, hrsg. von Werner Burghardt, Recklinghausen 1986
Georg Möllers / Jürgen Pohl: Abgemeldet nach „unbekannt“ 1942, Die Deportation der Juden aus dem Vest Recklinghausen nach Riga, hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Recklinghausen, Klartext Verlag, Essen 2013. Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939