Rosenthal Margot

Margot Rosenthal

*23.8.1925 in Eisleben; ✡ 16.4.2017 in Haifa

Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Erich Rosenthal *17.5.1886 in Eisleben; ✡11.10.1944 in Auschwitz

Heirat der Eltern 1924

Mutter Flori Barnett *29.8.1903 in Breslau; ✡1944 in Auschwitz

Großeltern Gabriel Rosenthal und Bertha Wollstein

Großeltern Meyer Barnett und Rosa Blachmann

Geschwister keine

Beruf Landwirtschaftliche Praktikantin

Adressen Eisleben, Lutherstraße 14

Heirat 5.11.1947 in Amsterdam mit Thomas Gideon Drach *5.7.1916 in München; ✡ 30.5.1990 Haifa

Kinder

Anat Drach; Professorin für Psychologie an der Universität Haifa

Weiterer Lebensweg

4.10.1915 Vater Erich als Soldat desInfanterie-Regiment 188 „leicht verwundet“ gemeldet in den Preußischen Verlustlisten

1929 Vater Erich führt ein „Kaufhaus für Gelegenheitseinkäufe“

Besuch der Volks- und Mittelschule in Eisleben

Novemberpogrom

22.11.1938 Flucht nach Amsterdam, Pl. Parklaan 20, Dr. med. A. Menco, Hausarzt

16.1.1939 beide Eltern folgen aus Eisleben nach Amsterdam

4.9.1939 Huize ten Vijfer

Jeugdalijah

Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige. Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden

Het Paviljoen Loosdrechtse Rade

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.

20.9.1940 Margot Rosenthal in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Loosdrecht Juni 1942; Margot Rosenthal ganz oben 5. von links

Onderduiker

7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.

14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz

15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.

12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen.  Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.

13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem für die onderduiker aus Loosdrecht typischen Datumsstempel „13 AUG 1942“

Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!

Das Netzwerk von Joop Westerweel

Mit Thomas Drach im Widerstand im Netzwerk von Joop Westerweel; als „Halbjude“ ist er wie Norbert Klein vor Deportation bewahrt. Er muss auch keinen Stern tragen. So ist er nach Oktober 1942 enorm wichtig für die Logistik und Kontaktmann des Westerweel-Netzwerkes; 14.8.1943 verhaftet bei dem Versuch, illegale Papiere aus der Wohnung eines zuvor Verhafteten in Sicherheit zu bringen.

13.8.1942 bis zur Verhaftung im Juni 1944 25 verschiedene Versteckplätze in Amsterdam und Assen.

Sie besucht auch Thomas Drach im KL Vught, auf dem Fahrrad in Seemannskleidung und Mütze.

Kamp Westerbork

Juni 1944 verhaftet vom SD während sie Lebensmittelkarten an onderduiker austrägt

27.7.1944 ins polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork, als Strafgefangene wegen Untertauchen in die Strafbaracke 67

3.9.1944 Margot Rosenthal auf dem letzten Transport aus Westerbork mit 1019 Juden nach Auschwitz

Todesmarsch

15.1.1945 die Häftlinge in Auschwitz hören den russischen Kanonendonner 30 km aus dem Osten

18.1.1945 Evakuierung aller drei Auschwitz-Lager; ca. 60 000 Häftlinge; 10000 Männer aus Monowitz

18.1.1945 Beginn des Todesmarsches mit 400 Frauen von Auschwitz- Birkenau nach Loslau

Auschwitz-Überlebende berichten von der Brutalität der SS-Leute während des Todesmarsches:

Zofia Posmysz:

„Der letzte Tag in Auschwitz war der 18. Januar. Nach drei Tagen und drei Nächten zu Fuß wurden wir in offenen Güterwagen nach Ravensbrück gebracht.“

21./22.1. 1945 Ankunft in Loslau

22.1.-27.1.1945 auf Transport in offenen Kohlewaggons über KL Groß-Rosen und KL Sachsenhausen (jeweils wegen Überfüllung abgewiesen) bis ins KL Ravensbrück; dort zunächst ins „Jugendlager“

Januar 1945 weiter nach Bergen-Belsen

15.4.1945 Befreiung durch Britische Truppen in Bergen-Belsen

KL VUGHT – Westerbork – Theresienstadt – Auschwitz

11.3.1943 Eltern eingewiesen als Strafgefangene im KL Vught; vermutlich verhaftet im Versteck

11.3.1943 Eltern vom KL Vught nach Westerbork, Strafbaracke 63; vermutlich verhaftet im Versteck

21.4.1943 beide Eltern auf Transport XXIV/1 von Westerbork nach Theresienstadt, da der Vater auf der „Frontkämpferliste“ steht

9.10.1944 beide Eltern auf Transport E p von Theresienstadt nach Auschwitz

Nachkriegszeit

Zunächst mit dem Roten Kreuz nach Belgien

Juni 1945 in das Noodziekenhuis Emma in Eindhoven

Später in Hilversum

5.11.1947 Heirat in Amsterdam mit Thomas Drach

6.10.1948 Alija mit Ehemann Thomas nach Ende des Unabhängigkeitskrieges

Über viele Jahre Leiterin eines Altersheim

Gedenken

30.6.1999 Pages of Testimony für ihre Eltern von Margot Drach

19.7.2017 Stolpersteine für die Eltern in Eisleben, Lutherstraße 14

Quellen

Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998

Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945

www.dokin.nl/surviving_children/margot-rosenthal-born-23-aug-1925/

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5116567

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1236541

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1714838

https://www.gfh.org.il/eng/Archive

Memorandum zur Verlegung der Stolpersteine für Erich Rosenthal, Flori Rosenthal, Frida Rosenthal, Willy Rosenthal vor ihrem Wohnort, Lutherstraße 14 und Plan 8 in Eisleben. Lutherstadt Eisleben, den 19. Juli 2017 / Förderverein Eisleber Synagoge e.V. ; Rüdiger Seidel
https://digital.bibliothek.uni-halle.de/pe/content/titleinfo/3251102 https://meitotmei.nl/233-ontsnappingen-uit-westerbork/

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://www.holocaust-lestweforget.com/westerbork-transport-schedule.html

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130280274

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Drach%201916%22%7D

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365774

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://www.mappingthelives.org

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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