Lodewijk „Lodi“ Eliezer Cohen
*25.9.1917 in Leiden; ✡ 15.7.1974 in Kibbuz Hulyot, Sde. Nehemia
Staatsangehörigkeit Niederlande
Religion jüdisch
Vater David Cohen *29.5.1878 in Sint Oedenrode; Uden; ✡6.1.1930 in Leiden
Heirat der Eltern 29.3.1916 in Leiden
Mutter Kaatje Cohen *10.8.1882 in Leeuwarden; ✡31.8.1958 im Kibbuz Hulyot
Onkel Hartog Cohen *11.9.1873 Leeuwarden; ✡24.5.1930 Leiden; oo Marianna Sitters
Cousine Elisabeth Cohen *2.3.1902 Leiden; ✡29.3.1943 Sobibor; oo Nathan Italie
Geschwister
Izak „Ies“Hertog Cohen *16.4.1920 in Leiden; ✡ 21.5.1943 in Sobibor
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant; Leiter in „Het Paviljoen“
Adressen Leiden, Oude Rijn 11a, Wasstraat 29, Joods Weeshuis, Roodenburgerstraat 1; Amsterdam, Sarphatistraat 101; Beverwijk/Velsen; Loosdrecht

Heirat 8.12.1944 in Jerusalem mit Lilo Spiegel *3.7.1919 in Berlin
Kinder
Nehama Cohen *Mai 1945
Daniela Cohen *Januar 1948 oo Dauber
Neta Cohen *Juni 1953 oo Hutter
Weiterer Lebensweg
Onkel Hartog Cohen
Hartog Cohen war Lehrer und Chazan (Kantor) der jüdischen Gemeinde in Leiden, er kam 1897 im nach Leiden. Zwei Monate nach dem Tod ihres Vaters zogen die beiden Brüder zu ihrem Onkel Hartog in die Wasstraat 29. Der Onkel starb bereits am 24.5.1930; einen Monat vor seinem Tod kamen Ies und Lodi ins das jüdische Waisenhaus in Leiden.
Joods Weeshuis Leiden
14.4.1930 die Brüder Lodi und Ies Cohen kommen in das Weeshuis Leiden, Roodenburgerstraat 1. Die Leitung des Waisenhauses hatten die Cousine Elisabeth Cohen und ihr Mann Nathan Italie (Zionist).

14.10.1935 Entlassung von Lodi Cohen mit 18 Jahren
14.4.1938 Entlassung von Bruder Ies mit 18 Jahren
Amsterdam

14.4.1930 im Jüdischen Waisenhaus Leiden, Roodenburgerstraat 1
24.10.1935 Ummeldung von Leiden nach Amsterdam, Sarphatistraat 101
Studium Latein und Griechisch; danach Rabbiner-Seminar
Kibbuz Dat veErez in Beverwijk
Der religiöse Kibbuz Dat veErez in Beverwijk bestand von 1937 bis Ende 1940 in Trägerschaft des Misrachi

11.10.1939 Lodewijk Cohen nach Beverwijk/Velsen
Jeugdalijah
Im September 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Von September 1939 bis August 1942 fanden hier 99 Bewohner Zuflucht.
1939 Lodi Cohen in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Er ist zunächst nur als Bürogehilfe von Leiter Saljach Jakob Zurawel in einem kleinen Büroraum tätig; wird aber nach der Flucht des Ehepaar Zurawel nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Mai 1940 mit der Leitung des Jeugd Alijah-Hauses als einziger Erwachsener betraut. Esra Jurovics wird ihm als Gehilfe zugeteilt. Zusammen mit dem Bauern Schenk legt er fest, wer zu welchem Bauern kommt

Überleben im Versteck als Onderduiker
7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.
14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz
15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht. Lodi Cohen stand diesem Vorgehen wohl eher neutral gegenüber.
12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.
13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte mit dem für die onderduiker aus Loosdrecht typischen Datumsstempel „13 AUG 1942“
Für ein Jahr im Versteck in Apeldoorn bei Familie Oksner
Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!
Pyrenäen Passage im Juli 1944
Lodi Cohen und Lilo Spiegel werden vom Westerweel-Netzwerk durch Belgien und Frankreich bis nach Toulouse geschleust.
Der Übergang über die Pyrenäen gelingt erst im vierten Anlauf im Juli 1944, zur Gruppe gehören neben 25 Franzosen zwölf Chawerim aus den Niederlanden: Betty Britz, Lodi Cohen und Lilo Spiegel, Heinz und Ruth Durlacher, Ludi Goldwein, Rivka Roos, Lore Süsskind und Martha de Vries.
Lodi Cohen schrieb im September 1945:
„Wir – Lilo und ich – haben dreimal versucht, über die Grenze nach Spanien zu kommen und das vierte Mal ist es uns dann geglückt.“
Oktober 1944 die Palästina-Pioniere in Spanien erhalten über den Hechaluz von der britischen Mandatsregierung erteilte Einwanderungszertifikate für Palästina.
„Aus den Niederlanden waren es dann insgesamt 58 Menschen, davon elf „Loosdrechtenaren“
27.10.1944 430 Passagiere davon 58 Hechaluz-Mitglieder gehen in Cadiz an Bord der SS GUINEE
4.11.1944 Ankunft in Haifa
14.11.1944 Entlassung aus dem britischen Internierungscamp Athlit
Seit Mai 1943 soll insgesamt 150 Palästina-Pionieren die Flucht aus den Niederlanden über Belgien bis Frankreich geglückt sein. Etwa 80 von ihnen überquerten in von der Toulouser Sektion der AJ organisierten Gruppen seit Februar 1944 die Pyrenäen und gelangten von Spanien aus in das unter britischem Mandat stehende Palästina.
Kamp Westerbork- KL Sobibor
Letzte offizielle Adresse von Bruder Izak: Rudelsheimstichting in Hillegom
Bruder Izak wird als Onderduiker verhaftet und als Strafgefangener in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork gebracht; er muss in der gesondert bewachten Strafbaracke 65 einsitzen
12.4.1943 Heirat im Kamp Westerbork mit Heintje Zilverberg
18.5.1943 Deportation von Izak und Heintje Cohen von Westerbork nach Sobibor
21.5.1943 Tod des Bruder und Frau Heintje in Sobibor
Gedenken
Grabstein für Lodi Cohen auf dem Friedhof von Sd. Nehemia
Quellen
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130273090
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130272562
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Cohen%201917%22%7D
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316