Cohn Leo

Leopold Leo Cohn

*14.11.1920 in Duisburg; ✡ 1942 in Riga Salaspils

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Jakob Cohn *27.9.1884 in Lübeck; ✡ April 1942 in Riga Salaspils

Mutter Frieda Elfriede Nathan *14.7.1884 in Elten; ✡ 5.9.1937 Duisburg

Tante Emma Cohn *19.1.1880 in Lübeck; ✡ in Riga; oo Max Katzenfus

Tante Caroline Cohn *5.8.1887 in Lübeck; ✡ Riga Jungfernhof; oo Bruno Katz

Geschwister

Siegfried Cohn *31.5.1913 in Duisburg; ✡3.6.1913 in Duisburg

Heinz Hermann Cohn *27.9.1914 in Duisburg; ✡ April 1942 in Riga Salaspils

Siegfried Cohn *24.4.1919 in Duisburg; ✡vor 1945 in Polen

Cousin/e

Josef Katz*1.4.1918 in Lübeck; ✡14.8.1990 in Los Angeles

Berthold Aron Katzenfuss später Katz *11.12.1915 in Lübeck; ✡19.7.2000 in Lübeck

Rosa Katzenfuss *14.7.1922 in Lübeck; ✡15.7.1943 At Tall Al Kabir, Ismailia

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Duisburg, Heerstraße 2, Alte Rheinstraße 35, Universitätsstraße 22; Eberswalde; Baden-Baden

Heirat ledig

Kinder –

Weiterer Lebensweg

5.9.1937 Tod der Mutter Frieda in Duisburg; Beisetzung Waldfriedhof

17.5.1939 Leopold in Polenzwerder/Eberswalde (Hachschara) bei Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Heinz Cohn in Neuendorf (Hachschara) bei Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Cousins Josef und Berthold Katz in Ellguth (Hachschara) bei Minderheiten-Volkszählung

Das Landwirtschaftliche Gut der Kupfer- und Messingwerke Hirsch bei Eberswalde

bot eine frühe Hachscharaausbildung als Vorbereitung zur Alija nach Palästina; 1917 – 1924/25 organisierte der junge Siegmund Hirsch, unter der Leitung von S. Dyck und S. Weinberg ein Zentrum für Hachschara. Die jungen Chaluzim (Pioniere) wurden als Landwirte und Gärtner ausgebildet. Es waren überwiegend Ostjuden, aber auch Jugendliche aus dem jüdischen Wanderbund Blau – Weiß

Landwerk Neuendorf

1932 Gründung als Hachschara-Lehrgut auf dem Gut Neuendorf in Brandenburg; Besitzer Hermann Müller, US-Citizen; Trägerverein war die Jüdische Arbeitshilfe e. V. (Landwerk Neuendorf) in Berlin, Ungefähr 1200 Chawerim wurden zwischen 1932 und 1938 ausgebildet. Leiter des Landwerks von Beginn 1932 bis zum Novemberpogrom 1938 war Alexander Moch (1893–1977).

Im Novemberpogrom wurden 28 männliche Angestellte und Chaluzim im KL Sachsenhausen interniert: Moch besorgte in England 150 Ausreisevisa, mit denen er die Gefangenen aus der Haft auslösen konnte.

1939 Heinz Cohn zur Hachschara ins Landwerk Neuendorf im Sande

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Um­be­nen­nung der noch bestehenden in „Jü­di­sches Ar­beits­ein­satz­lager“

Mai bis September 1941 Auflösung der Hachscharalager Ahrensdorf, Jessen, Havelberg; Verlegung der Chaluzim in das Lehrgut Neuendorf im Sande; nur ein kleiner Teil darf noch im Landwerk selbst arbeiten, die meisten werden zur Zwangsarbeit bei Unternehmen in Fürstenwalde verpflichtet.

Ghetto Riga – Salaspils

November 1941 Deportationsbefehl der Gestapo

Sammellager Viehhallen Schlachthof Düsseldorf

11.12.1941 Leo Cohn deportiert mit Vater Jakob und Bruder Heinz mit 1007 Juden aus Düsseldorf, Duisburg, Krefeld, Mönch.-Gladbach nach Riga

13.12.1941 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga;

18.12.1941 Cousin Josef Katz mit 500 jungen Männern aus dem Lager Jungfernhof zum Aufbau des Lagers Salaspils; Cousin Josef war am 9.12. mit 964 Juden auf dem Hamburger Transport in das Außenlager Jungfernhof gekommen.

22.12.1941 500 junge Männer aus den ersten Transporten Köln, Kassel, Düsseldorf, Bielefeld, Hannover vom Ghetto zum Aufbau nach Salaspils

2.4.1942 500 Männer aus dem Ghetto Riga nach Salaspils, dazu gehören Jakob, Heinz und Leo Cohn; Cousin Josef Katz berichtet:

„In einem neuen Transport aus dem Ghetto ist mein Onkel mit meinen zwei Cousins angekommen. Schon nach kurzer Zeit wird mein Onkel krank – Herzschwäche. Eines Abends kommt Leo, mein Cousin, zu mir, um mich um einige Kartoffeln für seinen hungrigen Vater zu bitten. Ich gebe ihm meine letzten sechs Kartoffeln, die ich am Nachmittag für eine Schere eingetauscht habe. Etwas anderes hatte der Lette nicht mehr. Später gehe ich in die Nebenbaracke, um den kranken Onkel zu besuch. Leo sitzt mit herunterhängenden Beinen auf der Koje und ißt die Kartoffeln mit Schale. Der Vater sei schon bewusstlos, entschuldigt er sich bei mir, der kann sie doch nicht mehr essen.

Am nächsten Morgen tragen wir den Onkel hinaus, Leo und ich vorne, und zwei vom Beerdigungskommando hinten. … “

Tod von Jakob, Heinz und Leo Cohn in Salaspils; da Heinz Cohn an der Beerdigung des Vaters nicht beteiligt ist, muss angenommen werden, dass er bereits früher verstorben ist.

Gedenken

Quellen

Josef Katz, Erinnerungen eines Überlebenden, Neuer Malik Verlag, 1988

https://www.stolpersteine-luebeck.de/main/adressen/braunstrasse-6.html

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de903096

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de894827

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411027-Essen3.jpg

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT411211-7.jpg

BILDER & DOKUMENTE – הכשרות החלוץ בגרמניה – דור המשך (hachshara-dor-hemshech.com)

https://yvng.yadvashem.org/ad

Harald Lordick, Das Landwerk Neuendorf: Berufsumschichtung – Hachschara – Zwangsarbeit; in Pilarczyk, Ulrike (Hrsg) Hachschara und Jugendalija, Schulmuseum Steinhorst, 2019

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Harald Lordick, Landwerk Neuendorf in Brandenburg, in: Kalonymos, 2017, Heft 2

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212883

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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