Mehrgut Kurt

Kurt Georg Mehrgut

*31.1.1914; ✡10.9.1941 in Mauthausen

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Wolf Willy Mehrgut *3.9.1883 in Hamburg; ✡ 25.2.1945 in Bergen Belsen

Heirat der Eltern 24.7.1907 in Berlin

Mutter Gertrud Badt *22.3.1885 in Breslau ; ✡ Sept 1977 New York

Geschwister

Elise Felicitas Mehrgut *18.10.1908 in Vilkaviskis, Litauen; ✡ ?; oo 1944 in NY mit Martin Kleinmann (*9.4.1914 Duisburg)

Lola Mehrgut *12.1.1918 in Hamburg; ✡2001 in Oslo; oo Ernst Schwitters (*16.11.1918 Hannover)

Ernst Schwitters war der Sohn des berühmten Dadaisten Kurt Schwitters (1887-1948)

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Hamburg, Woldsenweg 8 ; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

1934-36 im Gefängnis wegen einer Haftstrafe

1936 Flucht nach Prag

1.8.1937 Emigration des Vaters nach Amsterdam

16.11.1937 Kurt Mehrgut von Prag nach Amsterdam, Diezestraat 40 bei Gobas

28.4.1938 Kurt Mehrgut von Amsterdam zur Hachschara ins Werkdorp

28.5.1938 Kurt Mehrgut angemeldet in Wieringermeer

13.2.1939 Lola Mehrgut ins Werkdorp

1939 Mutter Gertrud mit den Schwestern Lola und Felicitas nach England

5.4.-19.4.1940 Schwester Elise auf der SS NOVA SCOTIA von Liverpool nach Boston

Kontaktadresse Schwester Lola in London

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.

28.5.1938 Kurt Mehrgut zur Hachschara ins Werkdorp Wieringen

Kurt Mehrgut spielte gerne Geige im Werkdorp mit einem weiteren Chawer

13.2.1939-16.8.1939 Schwester Lola im Werkdorp

Auflösung des Werkdorp

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten, Kurt zur Fam. Gompers, ASD Corellistraat 5 II

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Kamp Westerbork – KL Bergen Belsen

1942 Vater angestellt in der Registratur des Joodse Raad in Amsterdam

20.7.1943 Einweisung des Vaters in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

Austauschtransporte von Westerbork nach Bergen Belsen

Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.

1.2.1944 Vater Wolf auf dem zweiten Transport von 1037 „Austauschjuden“ nach Bergen Belsen

Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.

25.2.1945 Tod des Vaters in Bergen Belsen

1946 Suchanzeige des JDC für den Vater von Schwester Elisa Fay Kleinmann

26.3.1957 Lola Schwitters mit norwegischem Pass auf der SS STAVANGERFJORD von Oslo über Halifax nach New York

Gedenken

1983 Page of Testimony  für Kurt Mehrgut von Helmut Zeev Cohn

Grabstein für

Quellen

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Mehrgut%22%7D&page=8

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de930060

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130339313

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/131775414

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

„Passenger Lists of Vessels Arriving at Boston, Massachusetts, 1891-1943“ (National Archives Microfilm Publication T843, roll 449, line number 1, record id 005104611_00258_0); Digital Folder Number 005104611, Image Number 00258-s

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert