Heftmann Max

Max Heftmann

*14.2.1913 in Turka, Stryi; ✡18.10.1941

Staatsangehörigkeit staatenlos

Religion jüdisch

Vater Salomon Heftmann *13.7.1885 in Rachin; ✡?

Mutter Rosa Seifert * 28.12.1891 in Turka; ✡?

Geschwister

Erich Heftmann *9.3.1918 in Wien; ✡2014; oo 1942 in New York Lilly Rubin

Siegfried Heftmann * ?; ✡ 1937 in der österreichischen Armee

Beruf Elektroingenieur

Adressen Turka; Wien, II. Pillersdorfgasse 6; Amsterdam; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam

Heirat

Raymonde und Max im Werkdorp 1940

Verlobung mit Raymonde Rachel Soesman * 3.4.1918 in Heerlen; oo Jacob

Kinder

Weiterer Lebensweg

1929 Umzug der Familie nach Wien

Max Heftman im Jugendbund „Blau Weiß“, aktiver Sportler, Wassersport; Skifahren

Abschluss des Gymnasiums mit Abitur

Studium der Elektrotechnik an der Uni Wien

Angestellt bei der „Allgemeinen Glühlampenfabrik AG in Wien

1937 Bruder Siegfried stirbt im Dienst in der österreichischen Armee

1937 Umzug nach Amsterdam, Holbeinstraat 22

1937 Raymonde Soesman zur Hachschara im Landwerk Ahrensdorf

11.5.1938 Vater Salomon stellt einen Antrag auf Unterstützung zur Emigration bei der IKG Wien nur für sich, die Ehefrau Rosa und Sohn Erich, Medizistudent

22.6.1938 Max Heftmann ins Werkdorp Wieringen

11.-17.2.1939 Bruder Erich auf der SS AQUITANIA von Cherbourg nach New York; Ziel Onkel Benjamin Heftmann;

die Eltern sind zu dieser Teit noch in Wien, II. Pillersdorfgasse 6

17.12.-30.12.1939 beide Eltern auf der SSVOLENDAM von Rotterdam nach New York

19.4.1940 beide Eltern und Bruder Erich registriert in Bronx, New York bei US Census

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.

Fotos Erika Heftmann

22.6.1938 Max Heftmann als Elektriker ins Werkdorp Wieringen; er entwickelt und realisiert die Telefonanlage im Werkdorp

Verlobung mit Raymonde Soesman/Rachel Jacob

1940 wollen Max und Ray heiraten, doch die Hochzeit kann nicht stattfinden, da die in Wien angeforderten, erforderlichen Dokumente für Max nicht eintreffen

Auflösung des Werkdorp

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten; Max Heftmann zur Pflegefamilie Manfeld in der De Lairessestraat in Amsterdam

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Werkdorperin Flora de Vries wird Augenzeuge seiner Verhaftung:

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Raymonde erhält noch drei Briefe von Max aus Mauthausen

8.10.1941 Operationsbuch des KL Mauthausen

Art der Operation u. Narkose: „Entfernung nekrotischer Hautpartien am rechten Fuß“ (?)

18.10.1941 Tod von Max Heftmann durch „Allgemeine Sepsis“

Freiheitstransport Theresienstadt – St. Gallen

5. 2.1945 Raymonde Soesman mit dem einzigen Freiheitstransport aus dem Ghetto Theresienstadt (Zugnummer EW 182 T) über Konstanz nach Kreuzlingen in die Schweiz

1945 Heirat mit Meir Jacob, Emissär aus Palästina in der Schweiz während des Krieges

2.9.1945 Alija von Rachel und Meir Jakob nach Haifa

Gedenken

Quellen

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.joodsmonument.nl/en/page/226488/max-heftman

https://yvng.yadvashem.org/ad

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6285); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 6430); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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