Prager Ernst

Ernst Josef Prager

*13.4.1917 in Tichau; ✡17.9.1941 Mauthausen

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Artur Prager *17.9.1885 in Lanowitz; ✡ 18.6.1941 Berlin

Mutter Luise Jaschkowitz *8.8.1892 in Kempen, Posen; ✡29.10.1942 Riga

Geschwister

Günther Prager *5.5.1921 in Berlin; ✡ 3.4.1994 in London

Inge Prager *29.1.1926 in Berlin; ✡29.10.1942 Riga

Beruf landwirtschaftlicher Praktikant; Tischler

Adressen Berlin, Angermünder Straße 21; Steckelsdorf bei Rathenow im Landkreis Jerichow;

Heirat

1.Ehe Judith Popper

2.Ehe Irmgard

Kinder

Weiterer Lebensweg

1936 Ernst Prager und sein jüngerer Bruder Günter werden zum Verhör bei der Gestapo Berlin vorgeladen; Ernst Prager hatte für die Herbert-Baum-Gruppe (jüdisch, kommunistisch orientiert) Flugblätter verteilt und war verraten worden. Ernst Prager wird verhaftet und zu 18 Monaten Einzelhaft verurteilt.

Günter Prager arbeitet bis zu seiner Emigration ebenfalls für die Widerstandsgruppe Baum

November 1938 Nach seiner Haftentlassung flieht Ernst Prager in die Niederlande

27.12.1938 Anmeldung im Werkdorp Wieringermeer zur Hachschara

17.5.1939 Günther Prager mit beiden Eltern und Schwester Inge in Berlin, Prenzlauer Berg, Angermünder Straße 2 bei Minderheiten-Volkszählung

Günter Prager war in Berlin befreundet mit Gerhard Zadek und Paul Friedländer.

24.8.1939 Günter Prager mit Gerhard Zadek und Paul Friedländer auf dem letzten Kindertransport von Berlin über Bentheim, Hoek van Holland nach Harwich.

29.9.1939 Günther Prager (*8.11.1923 !) in The Laurels, Sefton, Deben R.D. mit weiteren Flüchtlingen bei britischem Census

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage.

Ernst Prager im Werkdorp

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

Ernst Prager kann bei Familie Nieuwkerk unterkommen, Olympiaplein in Amsterdam

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Seine Freundin Mirjam Ohringer berichtet im Jahre 2013:

„Am 11. Juni 1941 holte mich mein Freund Ernst Prager von der Schule ab. Er war aus Berlin geflohen und lebte bei einer netten Familie am Olympiaplein. Die Dame des Hauses hatte ihm ein „Rijksdaalder“ (zweiundeinhalb Gulden) gegeben. „Ich werde damit ein Geschenk für ihr Geburtstagskind kaufen!“, sagte er. Nachdem wir das Geschenk in einem Laden für Bürobedarf in der Kalverstraat gekauft hatten, erzählte Ernst, dass er einen Mathematikkurs machen wolle. „Kann ich mir dann deinen Zirkel ausleihen?“, fragte er. Wir verabschiedeten uns an der Straßenbahnhaltestelle. Ich radelte zurück zum Laden, um ihm einen Zirkel zu kaufen, denn an diesem Abend würde er mich um 10 Uhr abholen. Um acht Uhr kam ich zu einer Versammlung und hörte, dass jüdische Jungen von zu Hause abgeholt wurden. Ich radelte schnell zu Ernst, um ihn zu warnen. Die Dame des Hauses öffnete die Tür und sagte: „Ernst ist weg.“ Später stellte sich heraus, dass er in der Nähe erwischt wurde. Sobald ich wusste, dass er im Lager Schoorl inhaftiert war, schrieb ich an Ernst, dass ich hoffte, ihn bald wiederzusehen. Ich bin mir nicht sicher, ob er diesen Brief bekommen hat. An meinem ersten Schultag am Joodsc Lyceum, dem 15. Oktober 1941, war ich gerade zum Essen zu Hause, als es an der Haustür klingelte. Ein Freund erzählte, Ernst sei im Lager Mauthausen ermordet worden. Das war der größte Schock meines Lebens.“

22.6.1941 Deportation von Ernst Prager mit den 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

17.9.1941 Tod von Ernst Prager im KL Mauthausen „Auf der Flucht erschossen“

Massenerschießung in Riga

26.10.1942 Mutter Luise und Schwester Ingeborg mit 959 Juden aus Berlin auf dem Transport nach Riga

29.10.1942 Ankunft in Riga Skirotawa; 81 Männer wurden zur Zwangsarbeit ausgewählt und weggeführt; alle anderen werden bei der Massenerschießung im Hochwald von Bikernieki ermordet

Gedenken

7.2.1997 Page of Testimony für Ernst Prager von Günter Prager, Yad Vashem – Gedenkblätter Sammlung

Quellen

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

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Thomas Friedländer, Bonzos Auge; Edition Schwarzdruck, 2023

https://www.werkdorpwieringermeer.nl/de/ernst-prager-3

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Prager%20Ernst%22%7D

https://www.joodsmonument.nl/en/page/226345/ernst-josef-prager

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de30884

Rainer L. Hoffmann, Jüdische Widerstandsgruppen in Deutschland – Die Herbert Baum-Gruppe; in Jüdische Soldaten – Jüdischer Widerstand; Schöningh 2019; Seiten 241-258

https://doi.org/10.30965/9783657771776_021

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130358570

https://www.myheritage.de/research

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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