Cohen Viktor

Viktor Cohen/ Hvigdor ben shetiel Hacohen

*6.12.1920 in Essen; ✡ 18.12.2005 in Baltimore

Staatsangehörigkeit deutsch; USA

Religion jüdisch

Vater Wilhelm Friedrich Cohen *8.1.1888 in Wittmund; ✡ 3.10.1963 in Baltimore

Mutter Therese Fröhlich *27.1.1899; ✡ 28.6.1927 im Marienhospital Gelsenkirchen

Stiefmutter Ida Grünebaum *14.6.1896 in Wesel; Witten; 15.1.1969 in Baltimore

Großvater Viktor Isaak Cohen (1842-1910): oo Auguste Hess

Geschwister

Heinz Cohen *19.6.1922 in Essen; ✡ 30.6.2002 in Baltimore

Rudolf Cohen *5.10.1924 in Gelsenkirchen; ✡17.1.2017 in Baltimore

Halbbruder

Klaus Walter Cohen *18.3.1930 in Gelsenkirchen Horst; ✡25.9.2007 in Ticonderoga

Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant

Adressen Gelsenkirchen, Schwindstraße 4; Groß Breesen; Panama; Baltimore

Heirat Ruth Prager *17.9.1924 Frankfurt; ✡ 28.8.2010 Baltimore; (Vater Natahan Präger aus Laasphe)

Kinder zwei Söhne

Irvin und Austin Cohen

Weiterer Lebensweg

1919 Vater Wilhelm Friedrich Cohen von Wittmund nach Gelsenkirchen

Ostern 1927 Einschulung jüdische Volksschule

Ostern 1931 Wechsel auf das Realgymnasium

1935 alle jüdischen Schüler der Schule verwiesen

Lehre in einem Textilgeschäft

2 1/2 Jahre Lehre in einem jüdischen Geschäft in Dortmund Hombruch

Gruppenauswanderer Lehrgut Groß Breesen

Groß Breesen wurde vor 1933 vom Hechaluz genutzt, erst ab 1936 wurde die Ausbildungs-Stätte von nicht-zionistischen Organisationen für landwirtschaftlichen Umschichtungen reaktiviert.

Mai 1936 Eröffnung des nichtzionistischen Übersee-Gruppenwanderer Lehrgutes Groß Breesen; im Gegensatz zu anderen Lagern ist Groß Breesen nicht an jüdische Organisationen gebunden, war jedoch stark geprägt vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V., assimiliert, liberal, national)

1936-1939 Curt „Bo“ Bondy Lagerleiter und pädagogischer Leiter, auf Bitten von Leo Baeck; von vielen ‚Groß-Breesenern‘ wurde er als charismatische Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben, verehrt. Unterstützt wurde er von Ernst Cramer, einem älteren Praktikanten.

Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildung war der Landwirtschaftliche Inspektor Erwin Scheier, dessen Frau Ruth oblag die Hauswirtschaft, Tischlermeister Max Kiwi die Schreinerei. Ilse Rohr war als Erzieherin angestellt: Sie gehörte vermutlich zur Gutsbesitzerfamilie Rohr.

1938 Viktor und Heinz Cohen zur Hachschara ins Überseeauswanderer Lager Groß Breesen

Novemberpogrom

10.11.1938 Überfall der SA auf den Hof in Groß Breesen, alle über 18-Jährigen Männer werden mit einem Bus abgeführt und ins KL Buchenwald gebracht, auch Curt Bondy, der als Homosexueller besonders gefährdet war; die Frauen und Jungen bleiben auf dem Hof zurück.

Viktor Cohen berichtet:

„Wir waren am 9. November 1938 während der „Kristallnacht“ in Groß-Breesen. Die Nazis kamen und nahmen alle Männer über 18 Jahre mit in ein Konzentrationslager. Mein 18. Geburtstag war einen Monat später, im Dezember, so dass ich als ältester Mann auf dem Bauernhof zurückgelassen wurde, während alle älteren Kameraden mitgenommen wurden. In dieser Nacht wurden die männlichen Bewohner des Bauernhofes in den Kuhstall eingesperrt, die weiblichen in den Pferdestall. In der extrem kalten Nacht mussten wir uns an den Tieren wärmen. Am nächsten Tag ließ man uns wieder frei, und die Nazis verließen den Bauernhof. Die „Kristallnacht“ fand überall in Deutschland statt. Alle Synagogen wurden niedergebrannt. Die auf dem Bauernhof Zurückgelassenen machten weiter ihre Arbeit. Wir mussten um 3.00 Uhr in der Nacht aufstehen, um die Kühe zu melken. Danach hatten wir die Ställe zu reinigen, was eine sehr dreckige Arbeit war. Danach konnten wir duschen und mussten dann über den Hof in ein anderes Gebäude zum Frühstück gehen. Es war nur zwei Minuten Fußweg. Von einem Gebäude zum anderen froren unsere nassen Haare – so kalt war es. Nachdem wir sechs Monate in Groß-Bresen gewesen waren, war unser Landwirtschaftskurs beendet, und wir erhielten ein Zeugnis, das uns nun als Landwirte legitimierte. Euer Großvater nahm die beiden Zeugnisse, ging zur Botschaft Panamas, und dort wurden ihm Visa gegeben, so dass wir nach Panama einreisen durften.“

17.5.1939 Vater Wilhelm, Stiefmutter Ida und die vier Brüder in Gelsenkirchen, Schwindstraße 4 registriert bei der Deutschen Minderheitenzählung

13.7.1939 Emigration der gesamten Familie nach Panama; Andreas Jordan schreibt:

„Am 13. Juli 1939 verließ die Familie Cohen Gelsenkirchen und das nationalsozialistische Deutschland und über Amsterdam auch Europa. In Panama musste die Familie zunächst unter schwierigsten Bedingungen auf einer Farm leben, untergebracht in einer kleinen Holzhütte und kaum mit Lebensmitteln versorgt. Während der älteste Sohn zunächst eine schlecht bezahlte Arbeit in einer Werkstatt bekam, arbeitete Heinz, nun „Henry“ auf einer Kaffeeplantage, bis dann der Vater und seine beiden Söhne eine schwere Arbeit beim Bau eines amerikanischen Flughafens bekamen, die allerdings auch besser bezahlt war. Schließlich kamen die Visa für die Familie, für die ein Onkel in Baltimore gebürgt hatte. Am 1. Juli 1940 erreichte die Familie Cohen New York. Die Familie zog nach Baltimore, und die erwachsenen Mitglieder der Familie fanden dort rasch Arbeit.“

6.12.1941 Überfall der Japaner auf Pearl Harbour

8.12.1941 Viktor Cohen trägt sich als Freiwilliger in die Armeerekrutierungslisten ein.

Sommer 1944 alle drei Brüder zur Grundausbildung im Camp in Blanding

Andreas Jordan weiter:

 „Victor, Henry und Rudolf wurden Soldaten der US-Armee und kehrten als Befreier nach Europa zurück. Rudolf Cohen gehörte zu den amerikanischen Truppenteilen, die das KZ Dachau befreiten. Victor Cohen nahm u. a. an den schweren Kämpfen in der Eifel in der Endphase des Weltkrieges teil. Wegen ihrer Deutschkenntnisse wurden die drei Mitglieder der Cohen-Familie als Dolmetscher von der amerikanischen Armee eingesetzt und an den Verhören deutscher Gefangener beteiligt. Henry Cohen war zeitweise amerikanischer Staatsangestellter in Nürnberg, um dort bei den Kriegsverbrecherprozessen Verhöre durchzuführen. Er war nach Europa zurückgekehrt, weil er hier seine spätere Frau, die auch als Dolmetscherin arbeitete, kennengelernt hatte. Später wechselte er vom Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg zum Military Intelligence Service nach Osterreich, wo er heiratete und noch fünf Jahre arbeitete. In den USA machten die vier Söhne in der Wirtschaft Karriere.“

30.6.1984 „Get together“ der Groß-Breesener in Utica, NY, USA

22. -26.5.1986 Treffen der überlebenden Groß-Breesener in Shavey Zion, Israel

Gedenken

Quellen

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org/?language=de

http://www.gelsenzentrum.de/rudy_cohen_ueberlebender.htm

Werner Angress, Generation zwischen Furcht und Hoffnung, 1985

https://archive.org/details/jdischesausb001f022/page/n2/mode/1up?view=theater

https://zeitgeschichte-hamburg.de/files/public/FZH/Publikationen_digital/Werner%20T%20Angress%20Generation%20zwischen%20Furcht%20und%20Hoffnung.pdf

https://www.yumpu.com/de/document/read/3840614/21-brief-19-p745-54-gross-breesen-silesia

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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