Löbenstein Horst

Horst Löbenstein

*18.5.1924 in Mühlhausen; ✡10.1.1940 Berlin

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Leopold Löbenstein *12.7.1884 in Wanfried; ✡1942 in Izbica

Mutter Frieda Hirsch *28.5.1886 in Bischofsheim; ✡ 1942 in Majdanek

Großvater Levi Jehuda Löbenstein *21.3.1845 in Wanfried; oo Glückel Goldmann

Geschwister

Irmgard Löbenstein *6.9.1916 in Wanfried; ✡ Dezember 1939 auf der SS HILDA

Lieselotte Löbenstein *7.9.1917 in Wanfried; oo Fritz Kaspari

Arno Löbenstein *26.9.1919 in Wanfried; Überlebender, Israel

Elfriede Löbenstein *28.4.1921 in Wanfried; ✡ 1942 in Majdanek

Horst Löbenstein *18.5.1924 in Mühlhausen; ✡10.1.1940 Berlin

Beruf Praktikant

Adressen Wanfried; Mühlhausen, Horst-Wesselstraße 13; Ahlem; Ellguth

Heirat ledig

Kinder

Weiterer Lebensweg

1925 Umzug der Familie Löbenstein von Wanfried, Eschwege, Hessen-Nassau nach Mühlhausen

Elfriede Löbenstein zur Hachschara ins Landwerk Ahrensdorf, Pfadfinderbund Makkabi HaZair

17.5.1939 Elfriede Löbenstein in Ahrensdorf bei Minderheiten-Volkszählung

1939 Bruder Arno gelingt die Flucht über Jugoslawien nach Palästina

6.9.1939 Ankunft von Arno Löbenstein auf der SS Jerusalem in Haifa

Die israelitische Gartenbauschule Ahlem

19.6.1939 Horst Löbenstein in das Volksschulinternat der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem

Jessen Mühle

Das Hachschara-Lehrgut Jessen Mühle bei Sorau in der Niederlausitz bestand in der Zeit von 1932 – 1943; Träger war die Jüdische Jugendhilfe. Hier wurden für jeweils etwa 30 Chawerim, jugendliche Pioniere des Hechaluz über einige Monate in verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten, in Hauswirtschaft und in Landwirtschaft zur Vorbereitung auf die Alija ausgebildet (Erstausbildung und Mittlere Hachschara für 14-18 -Jährige)

Hachschara-Lager Jessen Mühle: „Einer der wenigen, die im Untergrund bis zur Befreiung überlebten, war der spätere TV-Moderator Hans Rosenthal, zuvor ‚auf Hachschara‘ in Jessen in der Niederlausitz.“

6.11.1939 Verlegung von 22 über 14 Jahre alten Schülern aus dem Internat der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem unter der Leitung von Musiklehrer Klaus Glücksmann und Madricha Gertrud Weil zur Hachschara nach Jessen-Mühle.

1939 -1941 Hans Wolfgang Cohn als Nachfolger von Wolfgang Berger Leiter des Hachscharazentrums Jessen-Mühle bei Sommerfeld in der Niederlausitz zusammen mit Gertrud Weil als Madrichim die Leiter von Jessen

Januar 1940 Löbenstein muss wegen einer schweren Erkrankung in das Jüdische Krankenhaus in Berlin, Iranische Straße verlegt werden

10.1.1940 Tod von Horst Löbenstein im Jüdischen Krankenhaus in Berlin

(nach Angaben der Angehörigen soll er 1937 (?) von SA-Männern angegriffen und ermordet worden sein)

Ellguth bei Steinau

Die Schwestern Lieselotte und Irmgard Löbenstein in das Hachschara-Lager Ellguth bei Steinau, Schlesien auch als Klein-Schnellendorf bei Falkenberg bezeichnet (bis 1938 in Trägerschaft des Hechaluz, Erstausbildung und mittlere Hachschara, dann des BACHAD)

Januar 1939 Wiedereröffnung des Lagers Ellguth durch den BACHAD mit 40 Chaluzim

Leiter ist Armin Duschinski aus Wien (*26.5.1880)

17.5.1939 Lieselotte und Irmgard Löbenstein sowie Fritz Kaspari bei Minderheiten-Volkszählung mit 84 Juden in Falkenberg, Klein Schnellendorf, Landwerk des BACHAD

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 2

13.10.1939 Sammeln der Ma’apilim aus Ellguth, Schniebinchen u.a. Lehrgütern im Gemeindezentrum in Breslau

14.10.1939 1 Uhr nachts Bahnfahrt von Breslau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam wie auch sowie Fritz Kaspari von Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft der Schwestern Lieselotte und Irmgard Löbenstein in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

25.11.1939 noch in Sulina; Rudi Stern schreibt:

„Am 25. wurden wir um 3 Uhr morgens geweckt, um uns für die Umschiffung bereit zu halten. Etwa zur gleichen Zeit starb eine Bachurah (junge Frau), die schon lange Tage gegen eine Sepsis angekämpft hatte und wohl deshalb wurde das Umsteigen auf den nächsten Tag verschoben.“

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

Feuer auf der SS HILDA – Tod von Schwester Irmgard

29.12.1939 Rudi Stern schreibt:

„Am 29. brach in unserem, hinter Teil des Schiffes ein Feuer aus. Der Chawer, der mit der Betreuung der primitiven Petroleum-Stalllaternen beauftragt war, hatte seine Nachfüllkanne aus Versehen anstatt mit Neft mit Benzin gefüllt bekommen. Als er nun eine Laterne nachfüllen wollte, stand diese sofort in Flammen. Als er sie voll Schrecken von sich warf, landete sie in einem Haufen zur Seite geräumter Matratzen, die sofort hochflammten. In der entstandenen Panik (ein jeder wollte so schnell wie möglich aus der Nähe des Brandes über die schmale, geländerlose Treppe nach oben an Deck) wurde eine Chawerah in die Flammen gestoßen und erlitt schwere Brandwunden. Das Feuer war sehr schnell gelöscht, aber die Chawerah musste per Bahre in ein Krankenhaus an Land gebracht werden und war nicht mehr zu retten. Ihren Tod erfuhren wir erst (sie hatte noch eine Schwester unter uns) sehr viel später, als wir schon vor Haifa lagen.“

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluß von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Atlith verbracht

14.2.1940 Registrierung in Atlith; sie gibt Armin Duschinszki, Betriebsleiter in Ellguth, als Referenz an, als Gemeindeältesten Rabbi Max Roschow (Dokument D/669/40/CHU);

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

29.7.1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlith

Deportationen
10. 5.1942 Deportation von Elfriede mit der Mutter ab Weimar/Leipzig ins Ghetto Belzyce

Vater Leopold in der Landesheilanstalt Mühlhausen-Pfafferode und in Bendorf-Sayn (Heil- und Pflegeanstalt)

22.3.1942 Deportation des Vaters aus Bendorf ab Koblenz nach Izbica

Beide Eltern und drei der sechs Geschwister in der Shoa umgekommen

Gedenken

11.7.2013 Stolpersteine für Frieda, Leopold und Elfriede Löbenstein in Mühlhausen, Herrenstraße 5

23.3.2015 Stolpersteine für Horst, Irmgard und Lieselotte Löbenstein in Mühlhausen, Herrenstraße 5

Quellen

Friedel Homeyer; Hrsg. Landkreis Hannover, Gartenbauschule Ahlem 1893-1979; 1980

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

https://www.werra-rundschau.de/lokales/wanfried/israelische-familie…

Staatsarchiv Israel, Einwanderungslisten

Rudolf Stern, Meine Aliyah – 13. Oktober 1939 – 29. Januar 1940; unveröffentliches Manuskript, 1987

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de917513

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de917540

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de917507

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11214021

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420510-Weimar38.jpg

https://www.alemannia-judaica.de/muehlhausen_synagoge.htm

https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/israelische-familie-spurensuche-wanfried-muehlhausen-4844171.html

Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Anneliese Ora Borinski, Erinnerungen

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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