Lange de Salomon

Salomon Sally de Lange

*7.11.1902 in Borne, Overijssel; ✡ 8.10.1941 in Mauthausen

Staatsangehörigkeit Niederlande

Religion jüdisch

Vater Isaak de Lange *26.8.1871 in Raalte Overijssel; ✡ 4.3.1945 Enschede

Mutter Hulda Mildenberg *3.5.1865 in Steinfurt; ✡ 28.11.1914 Osnabrück

Geschwister

Bertha de Lange (1899-1899)

Grete de Lange *4.2.1906 in Oldendorf; ✡19.10.1942 in Auschwitz

Halbbruder aus zweiter Ehe des Vaters mit Johanna Vogel

Wilhelm de Lange *23.11.1918 in Osnabrück; ✡ 29.10.1941 in Mauthausen

Beruf Viehhändler

Adressen Osnabrück, Wüstenstraße; Hengelo; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Enschede, Leemkuilstraat 68

Heirat „Mischehe“ mit der ev. Christin Hermine Erna Nagel

Kinder

Sonja de Lange *1928 in Osnabrück

Gerd de Lange *1929 in Osnabrück

Weiterer Lebensweg

Aufenthaltsermittlung durch die Gestapo

Januar 1935 Sally de Lange bekommt Hinweise, dass er kurz vor der Verhaftung in Osnabrück stand. Er flüchtet mit seinem Auto nach Münster und teilt seiner Frau Erna per Telefon mit, dass er in die Niederlande flüchte; sein Auto lässt er in Münster stehen

April 1935 folgt seine Frau Erna mit den beiden Kindern nach Hengelo.

6.6.1935 Salomon und Wilhelm der Lange zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

8. 7.1937 Wilhelm de Lange aus Barsingerhoorn abgemeldet nach Enschede

Auch Salomon geht zurück Enschede, Leemkuilstraat 68

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

Die drei Mauthausen Razzien 1941 in den Niederlanden

Alle bei den drei Razzien als „Vergeltungsaktion“ verhafteten Juden wurden zur „Sonderbehandlung“ Mauthausen deportiert. Die Einweisung in das als Stufe III kategorisierte Lager Mauthausen bedeutete dabei faktisch eine Verurteilung zur „Vernichtung durch Arbeit“ im dortigen Steinbruch.

In Mauthausen werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch, oftmals tödliche medizinische Experimente und Giftinjektionen ermordet.

Die erste große Razzia in Amsterdam – Februari Groep

28.2.1941 387 Männer von Alkmaar zur „Sonderbehandlung“ in das KL Buchenwald transportiert

22.5.1941 die 341 Juden „Februari Groep“ werden zur „Sonderbehandlung“ in das als Stufe III kategorisierte KL Mauthausen verlegt mit dem Ziel der Vernichtung der Häftlinge durch Arbeit.

(Stufe III: Für schwer belastete, insbesondere auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, d. h. kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge, das Lager: Mauthausen).

In Folge der Razzien und der raschen Ermordung der Verschleppten in Mauthausen, hieß das KL in den Niederlanden zu Recht „Mordhausen“.

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam;

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; keiner überlebt das Jahr 1941

September Razzia in Twente

Im Sommer 1941 und am 12.9.1941, dem Vortag der Razzia in Twente verübte der örtliche Widerstand Sabotageakte, Telefonkabel der Wehrmacht wurden durchtrennt. Die Besatzer reagierten zunächst mit der Androhung von Repressalien, sollten sich die Täter nicht melden.

13./14. September 1941 die Brüder Salomon und Wilhelm de Lange werden bei der Razzia in Enschede festgenommen und im Lyceum von Enschede eingesperrt (auf einer Nachkriegsliste werden 105 Männer genannt, das Netzwerk „Oorlogsbronnen“ listet 107 auf).

Die Festnahmen erfolgten in: Enschede (66), Hengelo (10), Almelo (10), Oldenzaal (8), Denekamp (3), Goor (3), Delden (2), Haaksbergen (2), Borne (1).

16.9.1941 Deportation mit dem Zug ab Bahnhof Enschede in das KL Mauthausen

Eugen Kogon berichte unter Berufung auf die Mauthausen-Häftlinge Adam Kuczynski und Ludwig Neumaier:

„Am zweiten Tag nach Ihrer Ankunft wurden die Juden in den Steinbruch gejagt. Sie durften die 148 Stufen, die in die Tiefe führten, nicht hinuntergehen, sondern mussten im seitlichen Steingeröll hinunterrutschen, was vielen bereits den Tod oder zumindest schwere Verletzungen eintrug. Man legte Ihnen dann die zum Steintragen bestimmten Bretter über die Schultern, und zwei Häftlinge wurden gezwungen, jedem Juden einen überschweren Stein auf das Brett zu heben. Dann ging es im Laufschritt die 148 Stufen aufwärts! Zum Teil fielen die Steine gleich nach hinten, so dass manchem Nachfolgenden die Füße abgeschlagen wurden. Jeder Jude, dem der Stein herunterfiel, wurde entsetzlich geschlagen, der Stein von neuem aufgeladen. Vielen verübten aus Verzweiflung gleich am ersten Tage Selbstmord, indem Sie sich von oben in die Tiefe stürzten. Am dritten Tag öffnete die SS ‘das Todestor’: man trieb die Juden unter furchtbaren Prügeln über die Postenkette, wo sie von den Turmposten mit den Maschinengewehren haufenweise niedergeschossen werden. Tags darauf sprang jeweils nicht mehr bloß einer der Juden in die Tiefe, sondern sie gaben einander die Hand, und der erste zog neun bis zwölf Kameraden hinter sich her in den schrecklichen Tod. Es dauerte nicht sechs, sondern knapp drei Wochen und der Block war judenleer.“

Keiner der insgesamt 744 Juden aus den drei Straftransporten hat die mörderischen Bedingungen im Steinbruch und ärztliche Experimente in Mauthausen länger als 10 Monate überlebt, der letzte – David Zilverberg aus der „Februari Groep“ – starb am 5.2.1942.

8.10.1941 Tod von Salomon de Lange in Mauthausen

29.10.1941 Tod von Wilhelm de Lange in Mauthausen

7.11.1941 Tod von Bernard Weyl in Mauthausen, offiziell „Akute Herzschwäche“;

Todesdatum, Todesort und Ursache der beiden Brüder sind aber keineswegs gesichert, da nachweislich bei über 3794 Mauthausen Häftlingen gefälschte Sterbeurkunden ausgestellt wurden, um die Angehörigen darüber hinwegzutäuschen, dass diese der Häftlingseuthanasie in Schloss Hartheim zum Opfer gefallen waren.

1941 Suizid des Vaters Isaak; sein Tod wird den Behörden verschwiegen, die Leiche von Freunden im Twente Kanal versenkt.

Gedenken

2010 Stolperstein für Salomon de Lange in Osnabrück, Wüstenstraße

Quellen

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/1579151

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/12066046

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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