Rosenberg Walter

Walter Rosenberg

*11.10.1921 in Dortmund; ✡ 30.1.2007 in Bronx, New York

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Julius Rosenberg *27.5.1890 in Hersfeld; ✡ nach 1941 in Riga

Heirat der Eltern 3.12.1920 in Ottrau

Mutter Ida Levi *29.2.1896 in Ottrau; ✡ nach 1941 in Riga

Geschwister

Lore Rosenberg *27.1.1923 in Dortmund; ✡ 1944 in Stutthof; oo Gottensträter

Beruf Landwirtschaftlicher Volontär

Adressen Dortmund, Moltkestraße17; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat Hedwig Plotschacher *1.2.1922; ✡22.4.1985 in Bronx, NY

Kinder

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom

10.11.1938 Vater Julius Rosenbergverhaftet in Krefeld (?); Adresse DO, Straße der SA 61

17.11.1938 Vater eingewiesen in das KL Dachau, Häftlingsnummer 29934

10.12.1938 Vater entlassen aus dem KL Dachau

17.5.1939 beide Eltern und Schwester Lore in Dortmund, Moltkestraße17 bei der Minderheitenzählung

Werkdorp Nieuwe Sluis

27.12.1938 Walter Rosenberg zur Hachschara ins Werkdorp zur Hachschara ins Joodse Werkdorp Wieringermeer

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

Anfang 1937 Offizielle Eröffnung der nun fertiggestellten Anlage

2.1.1938 formal bedingte Ummeldung aller Bewohner von der Gemeinde Barsingerhorn nach Wieringermeer

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

2.8.1941 abgemeldet nach Amsterdam Maesstraat 79

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt,, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Onderduiker in Amsterdam und Frankreich

Anfang 1943 mit gefälschten Papieren als Onderduiker in Amsterdam

Von der Widerstandsgruppe um Nanno Kurt Reilinger auf der von Heinz Frankl ermittelten Route über Maastricht, Brüssel. Lille, Accun bei Calais nach Frankreich geschleust; als holländische Fremdarbeiter beim Bau von Festungsanlagen für die Bauorganisation Todt (OT).

1944 in verschiedenen Stellungen in Paris und Umgebung wegen seines sehr guten holländischen Ausweises unbehelligt bis zur Befreiung von Paris

Nach Frankreich, Adresse unbekannt

Bericht von 1956

Dortmund Riga

1941 Beide Eltern zwangseingewiesen in das Judenhaus Bornstraße 113

2.10.1941 Schwester Lore als Lehrschwester ins Jüdische Krankenhaus Frankfurt, Röderbergweg

28.10.1941 abgemeldet aus Frankfurt nach Dortmund, vermutlich nach der ersten Ankündigung der Deportation der Eltern zur „Umsiedlung nach dem Osten“

19.11.1941 Beide Eltern und Schwester Lore bereits auf der für den Dezember vorgesehenen Transportliste der Gestapo von Dortmund nach Riga; der Transport wurde verschoben auf den 27.1.1942, da wegen der Weihnachtsurlauber der Wehrmacht nicht genügend Lokomotiven/Personenwaggons verfügbar waren.

Dezember 1941 zweite Ankündigung der „Umsiedlung in den Osten“

24.-27.1.1942 Sammellager Saal der Gaststätte „Zur Börse“ in der Steinstraße (beim Viehmarkt)

27.1.1942 Transport der Eltern Dortmund nach Skirotawa; Riga, Ghetto

1.2.1942 Ankunft Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto

15.3.1942 2. Dünamünde-Aktion im Ghetto Riga;

Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung

2.11.1943 Große Selektion bei Auflösung des Ghetto

Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga und seiner Außenlager

Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof

6.8.-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Libau nach Danzig

28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig; auf Kohleschiffen weiter nach Stutthof

10.8.1944 Ankunft von Schwester Lore in Stutthof

Tod von Schwester Lore in Stutthof; Todesdatum muss nach dem 10.8.1944 liegen

Nachkriegszeit

1.-10.3.1947 Walter Rosenberg auf der SS GRIPSHOLM von Göteborg nach New York

Kontaktadresse Tante Lydia Rosenberg in Amsterdam

1956 Schriftlicher Bericht über seine Zeit als illegaler Onderduiker

Gedenken

Quellen

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de952062

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de952004

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420127-Dortmund21.jpg

https://infocenters.co.il/gfh

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130365429

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rosenberg%20Walter%22%7D

Passenger and Crew Lists of Vessels Arriving at New York, New York, 1897-1957 (National Archives Microfilm Publication T715, roll 7298); Records of the Immigration and Naturalization Service, Record Group 85

Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999

https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://yvng.yadvashem.org/ad

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

www.werkdorpwieringermeer.nl/

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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