
Siegbert Bauer
*25.7.1881 in Eisgrub; ✡ 19.1.1941 in Bergen Belsen
Staatsangehörigkeit CSR; Österreich
Religion jüdisch
Vater Adolf Bauer* ; ✡?
Mutter Regine Aschkenes; ✡?
Geschwister ?
Beruf Bauer; zuvor Hofbesitzer; Ausbilder in der Landwirtschaft in der Joodsche Centrale voor Beroepsopleiding JCB
Adressen Eisgrub; Siebenhirten; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,
Heirat 19.5.1908 in Eisgrub Josefine Grünbaum *17.2.1886 in Eisgrub
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Ausbildung zum Diplom-Landwirt an der Landwirtsch. Akademie in Brünn
Übernahme eines Bauernhofes in Siebenhirten bei Wien
„Anschluss“ Österreichs 1938
Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Wehrmacht erfolgte am 13. März 1938 der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich
Januar 1939 Flucht in die Niederlande; Anstellung als Kontrolleur und Ausbilder bei der „Stichting Joodse Arbeid“, dem Träger des Werkdorp

Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Januar 1939 Anstellung als Kontrolleur und Ausbilder bei der „Stichting Joodse Arbeid“, dem Träger des Werkdorp
6.1.1941 in seiner Funktion als Ausbilder für den JR ist er gesperrt
Auflösung des Werkdorp
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;

7.4.1941 Siegbert Bauer meldet auf der Polizeiwache den Verlust vm Butterzuteilungskarten
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
Volkstuinen
Nach der Räumung des Werkdorps arbeitet Siegbert Bauer für den JCB als Betriebsleiter der „Volkstuinen“ am Zeeburgerdijk in Amsterdam
Mai 1941 Julius Reutlinger als Gärtner stellvertretender Leiter der „Volkstuinen“;
Leiter ab 1942 war Manfred Laupheimer (*30.5.1910 in Stuttgart; ✡ 31.7.1944 in Auschwitz)
12.8.1941 Laupheimer als Blumengärtner auf einer Blumenfarm in Aalsmeer
3.10.1942 Laupheimer nach Amsterdam, Badlaan 15; er wird Leiter im „Joodse Volkstuinen“, Kleingartensiedlung des Judenrats am Zeeburgerdijk
5.11.1942 Laupheimer erstattet Anzeige wegen Einbruch in einen Schuppen und Diebstahls von Kartoffeln und Gemüse im „Joodse Volkstuin“; gestohlen wurden Kartoffeln (200 kg), Rüben (50 kg), Weißkohl (25 kg), Karotten, Lauch und Knollensellerie.
Zweite Razzia in der Franschelaan
26.5.1943 die Bewohner des Jeugdhuis Franschelaan werden bei einer Razzia verhaftet und nach Westerbork deportiert; Berta Aptowitzer eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager zusammen mit Martha Eibschütz, Kurt Elias, Ruth Karlsberg, Eva Laufer mit Sohn Martin Laufer, Ernst Rosenbaum, Grete Schramm, Norbert Schweitzer, Herta Tombowsky und Herbert Tombowsky, Martin Uffenheimer, alle Baracke 60
Kamp Westerbork
26.5.1943 Einweisung von Siegbert und Josefine Bauer in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

Ab dem 14.9.1943 bis 19.5.1944 kamen etwa 3572 Häftlinge aus Westerbork in sieben Transporten direkt nach Bergen-Belsen, unter anderem Juden mit doppelten Staatsbürgerschaften, Diamantschleifer mit ihren Familien und diejenigen, die auf einer Einreiseliste für Palästina standen.
Die „Austauschjuden“ kommen in das Sternlager Bergen-Belsen, einem vom eigentlichen Konzentrationslager abgetrennten Bereich; sie dürfen weiterhin ihre Zivilkleidung mit dem „Stern“ tragen.
1.2.1944 Siegbert und Josephine Bauer auf dem 3.Transport aus Westerbork nach Bergen Belsen
19.1.1945 Tod von Siegbert Bauer in Bergen-Belsen
Freiheitstransporte von Bergen-Belsen nach St. Gallen und Biberach
Am bekanntesten ist in St. Gallen heute der Transport mit 1.200 Häftlingen aus Theresienstadt, die im Februar 1945 nach St. Gallen kamen. Nur wenig bekannt sind die beiden Transporte aus dem KZ Bergen-Belsen im Dezember 1944 und im Januar 1945.
Deutsch-amerikanischer Zivilinternierten-Austausch vom Januar 1945, bei dem 300 Austauschhäftlinge von Bergen über Kreuzlingen, St.Gallen und Bühler nach Genf gebracht wurden.
In das Kriegsgefangenenlager Lindele bei Biberach kamen im November 1944 149 nordafrikanische Juden aus dem KZ Bergen-Belsen.
Im Januar 1945 folgten 133 deutsch-österreichische Juden aus Holland, die an einem deutsch-amerikanischen Austausch nicht mehr teilnehmen durften.
21.1.1945 Transport von Bergen Belsen nach Biberach, Lager Lindele

Für Josefine Bauer ist die Fahrt in Biberach beendet, sie muss aussteigen, um amerikanischen Kriegsgefangenen Platz zu machen
23.4.1945 wurde das Lager Lindele von französischen Truppen befreit
23.4.1945 Josefine Bauer in Biberach Lager Lindele befreit
Gedenken
Stolperstein in Wien Liesing für Siegbert Bauer
Quellen
http://www.werkdorpwieringermeer.nl/en/siegbert-bauer-2/
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Bauer%20Siegbert%22%7D
Henny E. Dominicus, Mauthausen, een gedenkboek, Amsterdam 1999
https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:3788160f-e50b-425a-b9a8-a092142001f1
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer