Hermann Wilp
*7.5.1925 Immendorf; ✡ 16.3.2002 in Kaiserslautern
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Adolf Wilp *17.6.1901 in Emsdetten, Steinfurt; ✡ 1971 Bad Homburg
Mutter Frieda Wilp geb. Meyer *8.1.1905 in Neuwied; ✡31.3.1943 in Auschwitz
Onkel Felix Wilp *20.8.1902 in Emsdetten
Geschwister
Herbert Wilp *12.6.1928 in Immendorf Koblenz; ✡ März 1943 in Auschwitz
Beruf Landwirtschaftlicher Volontär
Adressen Neuwied; Werkdorp Wieringen Nieuwesluizerweg 42, Slootdorp (Wieringen); Amsterdam,

Heirat 2.12.1950 in Neuwied Margarete Schüller *29.5.1920 in Koblenz (Auschwitz-Überlebende)
Kinder keine
Weiterer Lebensweg
Adolf und Frieda Wilp in Koblenz Breslau, Dortmund
21.12.1938 Flucht von Hermann und Herbert Wilp nach Amsterdam zu Onkel Julius Meyer und Frau Helene
1.9.1939 Flucht der Mutter Frieda Wilp in die Niederlande
21.12.1938 Quarantine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321
10.1.1939 Noorderhuis, Toldijk D 155, Ruinen (Hoogeveen)
1.4.1939 Burgerweeshuis Gouda, Spieringstraat 1, Gouda
17.5.1939 Onkel Felix Wilp in Frankfurt, Kölner Straße 62 bei der Minderheitenzählung
13.12.1939 trennen sich die Wege der Brüder
Bruder Herbert bis zur Rückkehr nach Deutschland 1942 bei verschiedenen Familien untergebracht
Bruder Herbert lebt ab 1940 in Haarlemmer Akerdijk 145, wo später das Foto mit seinem Bruder und Anne Frank aufgenommen wird
Werkdorp Nieuwe Sluis
22.2.1940 Hermann angemeldet zum Aufbau/ zur Hachschara im Joodsche Werkdorp Nieuwe Sluis
Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)
Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.
Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs
Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.
Im Werkdorp macht er eine Tischlerlehre
Auflösung des Werkdorp
20.
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:
„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.
Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam
Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“
Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“
27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten;
11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer
1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes
20.3./26.7.1941 abgemeldet nach Amsterdam
20.3.1941 Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden nach Amsterdam verbracht und in Familien untergebracht;
Das Foto der Anne Frank

Es wird vermutet, dass Hermann Wilp zunächst bei der Familie Frank am Merwedeplein Aufnahme findet. Anne Frank bezeichnet ihn als Pflegesohn. Nach umfangreichen Recherchen von Wim Wegmann soll das Foto im Frühjahr 1941 bei einem Besuch von Hermann und Anne Frank bei Bruder Herbert in Badhoevedorp am Akerdijk entstanden sein.

Mai 1941 -Juni 1942 bei Pflegefamilien in Amsterdam, u.a. Familie von Anne Frank
Der Vater sowie die Söhne galten bei der Gestapo als „Mischlinge“, Adolf und Hermann Wilp arbeiteten sogar kurzzeitig für die Wehrmacht.
Juni 1942 -August 1942 Hermann bei der Wehrmacht in Paderborn
August 1942-Februar 1943 Neuwied, wo der Vater seit 1940 wieder wohnt
Fabrikaktion
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert
Auch die Familie Wilp wird auf die Transportliste gesetzt, da an ihrer „arischen“ Abstammung Zweifel aufkamen. Vater Adolf hatte lediglich ein nichtjüdisches Großelternteil.
27.2.1943 Verhaftung von der Familie Wilp in Neuwied
Heinz (Gustav) Kahn berichtete, dass er wie die übrigen jüdischen Rüstungsarbeiter aus Trier und Umgebung am 27.2. in das Gefängnis Windstraße in Trier gebracht und von dort am nächsten Tag in das Sammellager Bischof-Korum-Haus, wohin auch die Angehörigen verbracht wurden.
1.3.1943 Abtransport aus Trier zur Viehhalle des Schlachthofs nach Dortmund
1.3.1943 Familie Wilp auf dem Transport Stuttgart – Trier – Düsseldorf – Dortmund nach Auschwitz
2.3.1943 Sammeltransport ab Dortmund in Güterwagen über Berlin
3.3.1943 gegen 21 Uhr Ankunft in Auschwitz

3.3.1943 bei der Ankunft an der Rampe werden Hermann und Vater Adolf zur Zwangsarbeit selektiert; Hermann bekommt die Häftlingsnummer 105061 in den linken Unterarm tätowiert, der Vater die Nr. 105460
11.3.1943 Auszug aus einem Protokoll der Gestapo:
„Wilp wurde mit seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen am 2.3.1943 evakuiert. Vermögen wurde aufgrund des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens eingezogen.“
Das Ende von Auschwitz
18.1.1945 „Evakuierung“ aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge auf dem Todesmarsch über 80 km von Auschwitz nach Gleiwitz;
Isidor Philipp berichtet:
„Wer sich hinlegte, wurde von den SS-Männern, die auf Motorrädern fuhren, erschossen.“
„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“
Außenlager des KZ Buchenwald KL Mittelbau Dora bei Nordhausen, V2-Produktion
März 1945 Todesmarsch nach Bergen-Belsen
12.3.1945 Ankunft im KL Bergen-Belsen
Befreiung
Vater Adolf wird im Flossenbürg Außenlager Leitmeritz befreit
15.4.1945 Befreiung von Hermann Wilp in Bergen Belsen
27.4.1945 in Emsdetten
28.5.1945 nach Neuwied
2.12.1950 Heirat in Neuwied mit Margarete Schüller
4.7.1949 Hermann und Frau Margarete sowie Vater Adolf stellen einen Antrag auf Unterstützung zur Emigration

Gedenken
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Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1668201
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1645948
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130832177
https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Wilp%201925%22%7D
www.dokin.nl/surviving_children/hermann-wilp-born-7-may-1925/
www.dokin.nl/deceased_children/herbert-wilp-born-12-jun-1928/
Haarlems Dagblad – Anne Frank & the Wilp Brothers (Eng.) • Dokin
Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938
https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316