Rajzenstadt Hirsch

Hirsch Heinrich Schia Rajzenstadt /Reisenstadt/Rajzensztadt

*28.7.1922 in Essen; Überlebender; ✡ ?.

Staatsangehörigkeit (polnisch), staatenlos

Religion jüdisch

Vater Godel Gustav Rajzenstadt *15.3.1888 in Warschau; ✡ 23.7.1943 in Sobibor

Heirat der Eltern 19.9.1919 in Radomsko

Mutter Brucha Finkelstein *20.4.1897 in Radom; ✡18.10.1938 in Essen

Großeltern Abraham Jizchak Rajzenstadt und Rachel Lea Ocken

Stiefmutter Regina Erna Kahn *12.1.1911in Mainz; ✡ 23.7.1943 in Sobibor

Tante Sara Friedmann geb Rajzenstadt *1.2.1902 in Warschau; ✡10.11.1941 Düsseldorf-Minsk

Geschwister

Maria Mirjam Rajzenstadt *15.9.1920 in Essen; ✡1.2.1987; oo 1943 Karl Ruben Altberger (18.11.1919 Köln)

Abraham Jozef Rajzenstadt *9.3.1927 in Essen; ✡25.6.1974 in ASD; oo 1962 Helen Reteig (*1.3.1933 Surinam)

Beruf  

Adressen Essen; Urfeld; Amsterdam; Bussum

Heirat Gesina Clara Looije *26.12.1916 in Amsterdam

Kinder

Weiterer Lebensweg

Hachschara in Urfeld

11.5.1937 Hirsch Schija Rajzenstadt von Essen zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling; Besitzer war der mit Arthur Stern befreundete nichtjüdische Architekt Albrecht Doering aus Urfeld.

Von März 1934 bis April 1940 war der Dietkirchener Hof als Kibbuz/Beth Chaluz ein Zentrum der Vorbereitung auf die Alija nach Palästina für mehr als 180 meist junge Juden. Das Zentrum des Hechaluz hieß auch Kibbuz Bamaaleh („Bamaaleh“=im Aufstieg); es wurde finanziert vom jüdischen Textilfabrikanten und Architekten Arthur Stern – zu Beginn noch gemeinsam mit der Reichsregierung! Die landwirtschaftliche Ausbildung erfolgte auf Urfelder Bauernhöfen.

Ab 1937 konnten die Chaluzim auch eine Lehre absolvieren in der Großgärtnerei Giesen, dem Obstbau- und Gärtnereibetrieb „Marienhof“ des ehemaligen Kölner Gartenbaudirektors Josef Giesen (1887-1962)

29.7.1937 Hirsch Schija Rajzenstadt abgemeldet aus Urfeld nach Essen

Novemberpogrom

10.11.1938 Hirsch Rajzenburg in Essen verhaftet

17.11.1938 eingewiesen in das KL Dachau, Häftlingsnummer 29638

7.12.1938 Entlassung aus dem KL Dachau

11.12.1938 legale Einreise nach Vaals in die Niederlande,

14.12.1938 in Quarantäne in Rotterdam

Deventer Vereniging

4.1.1939 Jeugdherberg De kleine Haar

1939 Hirsch Rajzenstadt schließt sich der Deventer Vereniguing tot Vakopleiding zur Einzelhachshara an; diverse Stationen

Juni 1939 Gouda

Febr. 1940 drei Wochen in Quarantäne Amsterdam, Zeeburgerdijk

1940 Rheden Revierensteeg

5.5.1941 in Hasselo Nr 46, Weerselo beim Bauern Jan Willem Huiske, dort war er nach Herbert Rothmann und Simon Rath der dritte Chaluz.

8.1.1942 zum Vater nach Amsterdam, Muiderstraat 25

Amsterdam

17.10.1937 Vater Godel nach Amsterdam

25.8.1938 Vater Godel emigriert nach Amsterdam, van Woustraat 108

18.11.1938 Schwester Mirjam flüchtet von Aachen mit Bruder Abraham nach Amsterdam

9.2.1939 Schwester Mirjam von Amsterdam nach Steenderen

2.6.1939 Erna Kahn emigriert nach Amsterdam

1942 Heirat von Godel Rajzenstadt mit Erna Kahn in Amsterdam

Westerbork Sobibor

24.5.1943 Hirsch und sein Bruder Abraham mit Vater Godel und seiner Frau Regina eingewiesen in das polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork

Alle vier haben eine „Albersheimverklaring“, da die Schwester Mirjam Altberger bereits seit längerem in Palästina lebt

20.7.1943 Vater Godel und seine Frau Regina auf dem Transport von Westerbork nach Sobibor

Nachkriegszeit

12.4.1945 Hirsch und Abraham Rajzenstadt erleben die Befreiung von Westerbork durch kanadische Truppen; warum sie im Gegensatz zum Vater nicht deportiert wurden bleibt ungewiss.

23.4.1945 erste Gruppen von Mitgliedern der Waffen-SS, des NSB und andere Kollaborateure werden in Westerbork in den ehemaligen Strafbaracken 65, 66 und 67 interniert.

9.5.1945 Überlebende 883 Juden werden in drei Gruppen aufgeteilt, nach ihrem Eintreffen im Lager

  1. Nach dem 4.9.1944
  2. 10.5.1940 – 4.9.1944
  3. Vor dem 10.5.1940, dem Einmarsch der Deutschen

Hirsch und Abraham Rajzenstadt gehören somit zur zweiten Gruppe und werden erst im Juli 1945 entlassen.

Hirsch Rajzenstadt geht nach Bussum, Abraham nach Amsterdam

Gedenken

Quellen

https://www.heemkundeweerselo.nl/wp-content/uploads/PALESTINA-PIONIERS-in-de-gemeente-Weerselo-2.pdf

StA Bornheim, Sammlung Zerlett; Liste der Bewohner im „Lager Urfeld“

Archiv des Rhein-Sieg-Kreises, Landkreis Bonn (ARSK-LKB)

https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/josef-wimar-giesen-versteckte-juedische-jugendliche-in-der-pogromnacht/DE-2086/lido/dc00018960

Pracht-Jörns, Elfi (Bearb.), Jüdische Lebenswelten im Rheinland. Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Köln Weimar Wien 2011, S. 272.

https://www1.wdr.de/urfeld100.html

http://www.joodsmonument.nl/en/page/430917/hirsch-rajzenstadt-persoonskaart

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Rajzenstadt%22%7D

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Reisenstadt%22%7D

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de51788

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de892000

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de870954

https://dokin.nl/surviving-children/Heinrich-Hirsch-Rajzenstadt-born-28-Jul-1922

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://collections.arolsen-archives.org/de

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10733136

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130360597

Genealogie Website My heritage, diverse Familienstammbäume

Hubert Schneider (Hrsg.) Das Tagebuch der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, LIT-Verlag, 2018

https://www.kortumgesellschaft.de/tl_files/kortumgesellschaft/content/download-ocr/erinnernzukunft/Mitteilungsblatt-EfdZ-2011-Nr-15.pdf

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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