Ettlinger Hannah

Hanni Ettlinger/Chana David

*23.4.1920 in Karlsruhe; ✡ 15.10.2013 Beit Hashita

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Max Ettlinger *12.5.1880 in Karlsruhe; ✡18.8.1927 in Karlsruhe

Heirat der Eltern 28.12.1909 in Frankfurt

Mutter Emmi Falck *15.1.1882 in Lübeck; ✡ 30.3.1960 Beit Hashita

Großeltern Leopold Ettlinger (1844-1912)und Therese Stirn (1846-1915)

Großmutter Margarethe Falck geb Marcus *17.11.1855 in Anklam; ✡17.10.1942 Theresienstadt

Großvater Abraham Falck

Geschwister

Therese Tirza Ettlinger *18.8.1911 in Karlsruhe; ✡17.12.2006 oo Ludwig Hemmerdinger

Leopold Ettlinger *3.10.1914 in Karlsruhe; ✡23.8.2008 in Zürich; oo Elisabeth Lachmann

Beruf Landarbeiter

Adressen Karlsruhe, Schlieffenstraße 12; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat Herbert/Menachem David *13.7.1912 in Norden; ✡ 19.1.1981 in Beit Hashita

Kinder drei

Gershon David *3.8.1949; ✡16.10.1973 im Jom Kippur-Krieg

Isaak David

Erster Weltkrieg

1917 Vater als Vizewachtmeister der Leichten Munitionskolonne, Feldart-Regiments 14 schwer verwundet; Kopfverletzung; Meldung in den Deutschen Verlustlisten

Weiterer Lebensweg

4 Jahre Volksschule

3 Jahre Mittelschule bis 1934

1928 Eintritt in die Gruppe KADIMA

Gut Winkel

1.10.1937 Hanni Ettlinger zusammen mit ihrer Freundin Gabriele Heinsheimer aus Karlsruhe zur Hachschara als Mitglied der Habonim ins Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel. 1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben

31.3.1937  auf der Liste der neu ins Gut Winkel aufgenommenen Chaluzim

10.11.1938 keine Verhaftungen im Novemberpogrom auf Gut Winkel

30.6.1938 Hanni Ettlinger auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel;

Novemberpogrom

Chana David berichtet

„Anders als in den anderen Hachschara-Zentren, wo vieles zerstört wurde und auch zahlreiche Menschen in die Konzentrationslager verschleppt wurden, wurde Winkel von keinem Schlägertrupp berührt. Als uns die ersten Nachrichten über die Zerstörungen erreichten, wurde ich von Martin Gerson beauftragt, mit dem Zug nach Berlin zu fahren, um zu erkunden, was dort geschehen war. Insbesondere sollte ich nachsehen, ob auch das Büro des »Hechaluz« von den Verwüstungen betroffen war. Er hatte mich für diesen Auftrag ausgesucht, weil er meinte, dass ich mit meinen langen blonden Zöpfen bei niemandem in Verdacht geraten könne, Jüdin zu sein und deshalb vorÜbergriffen geschützt sei. Als ich aber in die Meinekestraße kam und sah, wie Leute dort abgeholt wurden, traute ich mich nicht näher an das Palästina-Amt heran, sondern kehrte sofort nach Winkel zurück.“

Hanna Ettlinger leitet als Madricha eine Mädchengruppe des Habonim in Gut Winkel

Verhaftung in Karlsruhe

9.1.1939 Verhaftung der Mutter Emmy und Schwester Therese Hemmerdinger auf dem Bahnhof Karlsruhe zusammen mit dem aus Berlin eintreffenden Ehepaar Hopf; Vorwurf der Gestapo: Beteiligung bei dem Versuch ein Brilliantencollier in die Schweiz zu schmuggeln.

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Hanna Ettlinger und Herbert David in Gut Winkel, Spreenhagen

September 1939 Hanni Ettlinger und Herbert David auf der Liste des Landrates für Gut Winkel

Alija beth auf der SS HILDA – Sonderhachschara 4

1.10.1939 Herbert David abgemeldet aus Spreenhagen nach Berlin

„12. Oktober liefen wir in kleinen Gruppen zum Bahnhof, um keinerlei Aufsehen zu erregen.“

20.10.1939 abgemeldet aus Spreenhagen

12.10.1939 Bahnfahrt von Hanna Ettlinger und Herbert David als Transportleiter Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien

14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest

6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen

26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDA

15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert

22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa

24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung

29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluss von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung

29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht

13.2.1940 Registrierung von Hanna Ettlinger in Athlit; sie gibt Martin Gerson und Heimann als Referenz an , als Gemeindeältesten (Dokument D/633/40/CHU)

18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager

Juli 1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit

Sie gibt Miriam Freudenberger und Dr. Homberg Kontaktadressen an

Die Bürckel-Wagner-Aktion in Baden

22.10.1940 Mutter Emmy Ettlinger mit 16 Juden aus dem Judenhaus am Haydnplatz 6 auf einem der sieben Transporten von 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden, davon allein aus Karlsruhe über 900 und 1972 aus Mannheim in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich transportiert in der „Bürckel-Wagner-Aktion“.

November 1941 Mutter Fanny kann mit fast 60 älteren Personen das Lager Gurs verlassen. Sie finden Aufnahme in einem Heim in Chansaye nördlich von Lyon, eingerichtet von Alexandre Glasberg, einem katholischer Geistlicher jüdischer Herkunft aus der Ukraine. Bemühungen der Bruders Leopold, die Mutter in die Schweiz zu holen, scheitern zwar, sie überlebt aber in Chansaye.

Transport 222

Umzäuntes Hotel in Vittel

Schwester Therese als Austauschjüdin vermutlich mit australischen Papieren im Internierungslager Vittel, in einem Hotelkomplex im Kurort Vittel in ein Internierungslager ursprünglich für britische und kanadische Frauen, Kinder und ältere Männer; 1944 überwog aber der Anteil deutscher Häftlinge.

26.4.1944 von den etwa 1.300 Austauschjuden in Bergen-Belsen mit Palästina-Zertifikat werden 272 ausgewählt, vor allem Mitarbeiter des Joodse Raad Amsterdam und deren Familienangehörigen. Sie sollen ausgetauscht werden gegen „Deutsche Templer“, eine Sekte in Jerusalem.

29.6. 1944 222 Austauschjuden aus Bergen-Belsen mit dem Zug über Nürnberg nach Wien; hier kommen 62 Juden aus den Internierungslagern Vittel und Laufen (Salzach) hinzu.

Die Fahrt geht über Budapest, Sofia nach Istanbul. In Wien, Istanbul und Aleppo wurden jeweils die Züge gewechselt; den Bosporus überquerte ein Ausflugsdampfer, der die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges auf der asiatischen Seite von Istanbul mit einer mehrstündigen Rundfahrt überbrückte. Ab Aleppo über Beirut erreichte der Transport schließlich Haifa in Palästina.

10.7.1944 Ankunft von Therese mit Sohn Uriel Hemmerdinger mit dem Transports in Haifa

Nachkriegszeit

Mutter Emmy aus Frankreich zum Sohn Leopold in die Schweiz

1948 Mutter Emmy nach Palästina, zunächst zu Tochter Therese, dann nach Beit Hashita zu Hanna David

35 Jahre in der Konservenfabrik für Oliven im Kibbuz Beit Hashita

Gedenken –

Quellen

Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007

Preußische Verlustlisten vom 19.Januar 1919

https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/stadtarchiv/blick-in-die-geschichte/ausgaben/blick-108/emmy-ettlinger

Urs Stammbach, Ein Zwischenfall, dem Heinz Hopf 1939 in Karlsruhe ausgesetzt war, 2009 Springer Verlag

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de863751

https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Ettlinger_(Mikrobiologe)

https://victims.auschwitz.org/victims

Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

http://luckauer-juden.de/hachschara.html

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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