
Willi Gerler
*22.12.1924 in Berlin; ✡ ?
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos
Religion jüdisch
Vater (fraglich) Wilhelm Gerler *13.10.1887 in Polzin; ✡ 15.8.1940 Dachau
Mutter Rosa Wassermann *8.12.1894 in Nadworna; ✡ 1943 in Auschwitz
Die Eltern waren geschieden
Geschwister –
Beruf Landwirtschaftlicher Praktikant
Adressen Berlin, Kleine Alexanderstraße 27 a
Heirat –
Kinder –
Weiterer Lebensweg
Ostern 1931 Einschulung Volksschule in Berlin

4.9.1933 Schulwechsel nach Umzug
17.5.1939 Mutter Rosa in Berlin, Kleine Alexanderstraße 27 a bei der Minderheitenzählung
ASR-Aktion
Vater Wilhelm in der ASR-Aktion verhaftet und in Buchenwald interniert
Kindertransport
12.2.1939 Nijmegen, Oranjesingel 49, fam. Drielsma
14.2.1939 Quarantine Beneden Heijplaat, Quarantainestraat 1, Rotterdam
29.4.1939 Burgerweeshuis Gouda, Spieringstraat 1, Gouda
1.12.1939 Quarantine Amsterdam, Zeeburgerdijk 321, Amsterdam
Jeugdalijah
Im Jahre 1939 eröffnete die Jeugdalijah in Amsterdam die Hachschara Zentren in Mijnsheerenland und „Het Paviljoen Loosdrechtse Rade“, nachdem das Waisenhaus Vondelhof in Amsterdam diese Funktion verloren hatte. Ab 1939 bestand parallel der Jugendalija Hof van Moerkerken in Mijnsheerenland für unter 15-Jährige.
Wegen des Räumungsbefehls für alle Juden in den Küstenregionen musste Mijnsheerenland am 16.10.1940 geschlossen und 25 Chaluzim in Loosdrecht untergebracht werden
Het Paviljoen Loosdrechtse Rade
Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 10. Mai 1940 wurde die Bewohner kurzfristig nach Alkmaar evakuiert. 99 Bewohner fanden hier Zuflucht.
17.1.1940 Willi Gerler in das Heim der Jugendalijah in Loosdrecht, „het Paviljoen“

Willi Gerler arbeitete bei einem Bauern in Loosdrecht Oud-Loosdrechtsedijk, vermutlich Nr. 48 bei J. van Zitveld

Onderduiker
7.7.1942 Aufforderung an die Amsterdamer Juden, sich freiwillig zum „Arbeitseinsatz“ zu melden.
14./15.7.1942 Razzia in Amsterdam; Registrierung in Westerbork und Deportation nach Auschwitz
15.7.-15.8.1942 von den Madrichim Schuschu Simon und Menachem Pinkhof werden Verstecke für alle Jugendlichen gesucht.
12.8.1942 Erica Blüth erfährt beim Joodse Raad und übermittelt mit Codewort per Telefon, dass auch die Chaluzim aus Loosdrecht ins Kamp Westerbork gebracht werden sollen. Die Madrichim Menachem Pinkhof und Schuschu Simon sowie Miriam Waterman beschließen, die 30 Jugendlichen mit Hilfe des Netzwerks von Joop Westerweel in Verstecken untertauchen zu lassen.
13.8.1942 Ankündigung von Pinkhof und Simon, dass alle Chaluzim im Verstecke gebracht werden. Die ersten werden noch am selben Abend weggebracht.

Karteikarte des JR, Loosdrecht
Versteckplätze in Rotterdam, Amsterdam, Utrecht, Loosdrecht & Scheveningen
Von den 49 „onderduiker“ aus Loosdrecht (Chawe/rim/roth und Madrichim) konnten 34 gerettet werden!
Die erste Schleuseraktion der Westerweel-Gruppe
Jan 1943 von Rotterdam nach Antwerpen mit seinem Freund Heinz Sechestower.
Geführt von Rik, einem belgischen Bergführer, machen sich die vier Chawerim Willi Gerler, Heinz Sechestower, Mosche Osterer und Fritz Bachrach auf den Weg über Paris, Bordeaux, Bayonne nach „Lille Ste Egue“ (St. Jean de Luz?). Sie reisen mit Hilfe des Westerweel-Netzwerks mit gefälschten Papieren – Willi Gerler als Jan Jansen, Heinz Sechestower als Peter Storm und Moshe Osterer als Hendrik van Putten
Zu viert – Willi Gerler, Heinz Sechestower, Moshe Osterer und Fritz Bachrach – kommen sie auf dem Weg nach San Sebastian nach drei Stunden Marsch in ein kleines spanisches Cafe, wo sie verhaftet werden und nach Irun ins Gefängnis gebracht werden. Auf Intervention des Britischen Konsuls kommen sie in Hausarrest und danach 3 Monate nach Deba.
Moshe Osterer kann am 29.1.1944 nach Palästina reisen.
Mai 1943 Ankunft in Madrid
31.8.1943 von Vigo nach Kingston Jamaica; Gibraltar II -Camp
Zwei Jahre in Surinam
19.1.1945 (Poststempel) auf einem Brief an Adina Simon von Willi Gerler aus Recife Brasilien
Fabrikaktion
20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“
März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.

6.3.1943 Mutter Rosa auf dem 35. Osttransport von Berlin nach Auschwitz
„Transport aus Berlin, Eingang 7.3.43, Gesamtstärke 690 einschliesslich 25 Schutzhäftlingen. Zum Arbeitseinsatz gelangten 153 Männer u. 25 Schutzhäftlinge (Buna) und 65 Frauen. Sonderbehandelt wurden 30 Männer u. 417 Frauen u. Kinder.“
Gedenken
–
Quellen
https://www.gfh.org.il/eng/Archive
Willi Gerler (born 2 December 1924)
Mirjam Pinkhof, De Jeugdalijah van het Paviljoen Loosdrechtsche Rade, 1998
Frans van der Straaten, Om nooit te vergeten. Herinneringen en belevenissen aan/van Palestina-Pioniers in Nederland gedurende de oorlogsjaren 1939-1945
https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot35.html
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/130292537
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/12654795
https://collections.arolsen-archives.org/en/document/127212795
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655767
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316