König Adam

Adam Addi Abraham König

*29.11.1922 in Frankfurt; ✡ 29.9.2012

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Nissen Nathan König *27.7.1884 in Wielkie Oczy; ✡ 20.7.1942 in Auschwitz

Heirat der Eltern 1906

Mutter Breindel Berta Laub geb. König *20.9.1887 in Krakowiec, Jaworow; ✡ 25.8.1942 Maly Trostinec

Geschwister

Fanny König *8.1.1910 in Frankfurt; unbekannter Deportationsort

Pepi König *17.2.1911 in Frankfurt; ✡25.1.1943 in Auschwitz

Lazar König *11.12.1924 in Frankfurt; ✡ 30.9.1942 in Auschwitz

Nachman König/Norman King *1912 in Frankfurt; ✡17.6.1985 in Johannesburg

Gittel Jetti König; oo Jack Armband

Sabina König *16.8.1916 in Frankfurt; oo Sweidan

Dorle König *1920 in Frankfurt; oo Arie Aroch

Beruf Klempner; Lehrer, Dr. phil.

Adressen Frankfurt, Sandweg 46

Heirat  Maryscha König; Überlebende

Kinder

Weiterer Lebensweg

1935 Vater Nathan König im Jüdischen Adressbuch von Frankfurt

Emigration des Vaters in die Niederlande

1936 Aufnahme eine Klempnerlehre

Erste Polenaktion

28.10.1939 Abschiebung 15000 jüdischer Männer mit polnischem Pass nach Zbaszyn

17.5.1939 Adam König mit der Mutter und den Geschwistern Sabina und Lazar in Frankfurt, Sandweg 46 bei der Minderheitenzählung

1939 Emigration von Bruder Lazar zum Vater nach Hilversum in die Niederlande

Zweite Polenaktion

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

7.9.1939 Befehl des Chefs des SD Reinhard Heydrich mittels Funkspruch an alle Polizeidienststellen zur reichsweiten Verhaftung und Internierung aller jüdischen Männer polnischer Staatsangehörigkeit als „feindliche Ausländer“. Die Verhaftungen erfolgten zumeist zwischen dem 8. und 15. September 1939 in die örtlichen Gefängnisse, Adam König wird in Frankfurt-Preungesheim eingesperrt.

18.11.1939 Einweisung von Adam König als polnischer Jude in das KL Sachsenhausen

1940 Adam König bei der Errichtung des Klinkerwerkes an der nahegelegenen Lehnitzschleuse am Oder-Havel-Kanal. dort war er für die Instandhaltung der Diesellok zuständig; dann Zwangsarbeit in der Tongrube im nahegelegenen Zehlendorf

1941 Einsatz im “Speer-Kommando”.

Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe junger Juden

Adam König wird Augenzeuge der Massenerschießungen im Mai 1942:

„Nach dem Brandanschlag der Widerstandsgruppe um Herbert Baum im Mai 1942 auf die antikommunistische Hetzausstellung »Das Sowjetparadies« gab es eine »Vergeltungsaktion« der Nationalsozialisten. Danach wurden 500 Juden aus Berlin umgebracht, davon 250 in Sachsenhausen. Unter ihnen waren 96 jüdische Häftlinge, willkürlich aus den drei Baracken des Kleinen Lagers genommen. Wir wussten, dass sie im Erschießungsgraben des Industriehofs umgebracht wurden. Danach haben wir beschlossen, uns nicht widerstandslos erschießen zu lassen, wenn es dazu kommen sollte.“

Der Aufstand im KL Sachsenhausen»Schießt doch, ihr Hunde!«

Zitiert aus dem Buch „Selbstbehauptung und Widerstand“

Am 22. Oktober 1942 ordnete die Lagerleitung in Durchführung eines Himmlerbefehls an, die jüdischen Häftlinge zum »Arbeitseinsatz« abzutransportieren. 459 Juden erschienen zum Appell. Anschließend wurden sie in die Desinfektionsbaracke kommandiert, wo sie sich völlig entkleiden und ihre gesamte Habe einschließlich des Waschzeugs abliefern mußten.Sie erhielten neue Kleidung und wurden angewiesen, sich wieder zum Appellplatz zu begeben. 18 Häftlinge widersetzten sich und blieben in der Baracke. Sie nahmen an, daß die Transportvorbereitungen nur als Tarnungfür ihre unmittelbar bevorstehende Liquidierung im Lager arrangiert worden wären. Als sich die anderen jüdischen Häftlinge auf dem Appellplatz eingefunden und sich zugleich auch die übrigen rund 12000 Gefangenendes Lagers in Reih und Glied aufgestellt hatten, brachen sie aus der Baracke aus, überwältigten SS-Männer und stürmten durch die Lagerstraße. Man hörte Rufe: »Wir lassen uns nicht abschlachten!«, »Wir wollen im Kampfsterben!« oder »Schießt uns doch nieder!« Die Flüchtenden wurden rasch eingefangen, niedergeworfen und so lange festgehalten, bis der Schutzhaftlagerführer erschien. Statt die Aufständischen auf der Stelle zu bestrafen, forderte er sie auf, sich zu erheben. Nathan Hirschtritt, der später den Namen Johann Hüttner annahm, stand als erster auf und gab das Kommando: »Aufstehen! Antreten!« Die Lagerdisziplin kehrte zurück. Man nahm in soldatischer Ordnung Haltung an. Der Lagerführer stellte sie zur Rede. Als er erfuhr, daß sie den Transportbefehl als Signal für ihre sofortige Erschießung verstanden hätten, klärte er das »Mißverständnis« auf. Er versicherte ihnen: »Ich gebe Euch mein Ehrenwort, ihr werdet nicht erschossen. Ihr geht in ein Arbeitslager im Osten. Erschwert uns nicht die Arbeit.«

Adam König berichtet im Jahre 2004 selbst:

„Am Tag zuvor wurde bekannt gegeben, dass wir am nächsten Tag nicht arbeiten müssten. Ich lag zu der Zeit mit Ruhr im Krankenbau. Die Genossen legten mir sogar nahe, im Lager zu bleiben. Das habe ich aber abgelehnt, ich wollte mit den anderen gehen. Abends war ich wieder in der Baracke. Am 22. Oktober wurden wir durch die Blockführer auf den Appellplatz getrieben und in einer Isolierbaracke umgekleidet. Uns wurde dort alles abgenommen, persönliche Kleidungsstücke, die Häftlingskleidung, auch die Schuhe, man gab uns Holzpantinen, Drillichzeug. Das ganze sah nicht nach Transport aus, sondern eher nach einer Vorbereitung auf die Erschießung. Es gab zynische Bemerkungen der Blockführer, dass wir »durch den Schornstein« gehen würden. In dieser Situation kam es zu Gesprächen unter politischen und jungen jüdischen Häftlingen. Dabei wurde der Beschluss gefasst, beim Abendappell, wenn das ganze Lager angetreten war, aus dieser Isolierbaracke – die war von einer Postenkette umstellt – auszubrechen und zum Appellplatz zu rennen. Unsere Losung lautete: »Schießt doch, ihr Hunde!«

Wir haben also das Fenster der Baracke aufgestoßen. Die Posten draußen waren ganz verdutzt. Da wir in Richtung Appellplatz liefen, haben sie aber nicht geschossen. Wir sind also auf den Appellplatz gerannt, haben die Losung gerufen und sind auf die SS los. Die waren natürlich stärker und haben uns zusammengeschlagen, direkt am Lagertor, am Turm A. Es gab ziemlichen Aufruhr. Der Lagerführer fragte nach unserem Anführer. Horst Jonas meldete sich und antwortete, dass wir überzeugt seien, wir würden nicht auf Transport, sondern in den Erschießungsgraben gehen. Der Lagerführer ordnete an, uns die Kleidung zurückzugeben und uns noch am selben Abend nach Auschwitz deportieren zu lassen. Das ist dann auch passiert.“

Auschwitz

17.10.1942 Überstellung von 405 polnischen Häftlingen aus Buchenwald in das KL Ausschwitz zum Ausbau des BUNA-Werks in Auschwitz Monowitz; auf diesem Transport befinden sich auch Adi Lindenbaum, Jakob Zylbersztajn und Heinrich Tydor

25.10.1942 Deportation von 454 jüdischen Häftlingen von Sachsenhausen nach Auschwitz zum Ausbau des BUNA-Werkes in Monowitz; auf diesem Transport befanden sich auch Abraham Matuszak, Nathan Hirschtritt, Horst Jonas, Adam König

Ankunft und Selektion in Auschwitz; Adam König wird eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Auschwitz-Häftlingsnummer ?

25.000 von insgesamt 35.000 BUNA-Zwangsarbeitern überlebten nicht.

18.1.1945 „Evakuierung“ aller drei Auschwitz-Lager; ca 60 000 Häftlinge auf dem Todesmarsch über 80 km von Auschwitz nach Gleiwitz; Isidor Philipp berichtet:

„Von dort begann dann – in offenen Kohlewaggons und bei 15 Grad unter Null – die Fahrt durch Polen, Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland.“

Außenlager des KZ Buchenwald KL Mittelbau Dora bei Nordhausen, V2-Produktion

KL Nordhausen

Karteikarte von Dora-Mittelbau, Boelcke-Kaserne

28.1.1945 -2.2.1945 Transport mit vielen anderen Paderborner Chaluzim in das KL Mittelbau Dora bei Nordhausen, V2-Produktion, von dort direkt ins KL-Außenlager von Mittelbau Dora, in die Boelcke-Kaserne in Nordhausen; Dora-Mittelbau war Außenlager des KZ Buchenwald Sommer 1943-Oktober 1944, dann eigenständiges Konzentrationslager

März 1945 Einstellung der Raketen-Produktion in Dora Mittelbau

3.4.1945 fataler Luftangriff der Allierten auf die Boelcke-Kaserne mit 1000 Toten und 2000 weiteren in den nächsten Wochen. Das entstehende Inferno nutzen viele im HKB eingesetzte Häftlinge zur Flucht, so auch Nathan Hirschtritt.

Todesmärsche der gehfähigen Häftlinge zu den KL Bergen-Belsen, Sachsenhausen und Ravensbrück

15.4.1945 Adam König befreit in Bergen Belsen

Kamp Westerbork

Vor Mai 1940 Vater Nissen mit Bruder Lazar in das von der niederländischen Regierung errichtete Vluchtelingen Kamp Westerbork; sie gehörten somit zu den Oude Kampbewoners (vor dem Überfall der Wehrmacht am 10.5.1940 auf die Niederlande)

1.7.1942 Übernahme des Vluchtelingen Kamp Westerbork durch die SS; danach geführt als Polizeiliches Judendurchgangslager Westerbork

15.7.1942 Vater Nathan und Bruder Lazar zu der Gruppe der mit dem ersten Transport deportierten „100 Alte Lagerbewohner“; Fußmarsch zur Station Hooghalen. Die Bahntrasse Hooghalen-Westerbork wurde erst im November 1942 fertiggestellt.

15.7.1942 Erster Massentransport aus den Niederlanden in das KL Auschwitz

20.7.1942 Tod des Vaters Nissen in Auschwitz

30.9.1942 Tod des Bruders Lazar in Auschwitz  

Theresienstadt

27.-28.7.1942 Deportation der Mutter aus der Neuropsychiatrischen Klinik in Bendorf- Sayn mit 11 weiteren Patienten auf dem Transport III/2 ab Trier – Köln – Theresienstadt

25.8.1942 Transport B c Nr. 995 von Theresienstadt nach Maly Trostinec; der gesamte Transport wurde bei Ankunft durch Massenerschießungen ermordet.

Klinik „Het Apeldoornsche Bosch“

Pepi König eingewiesen in die Psychiatrie Centraal Israëlitisch Krankzinnigengesticht „Het Apeldoornsche Bosch“

20.1.1943 Ankunft des Jüdischen Ordredienst aus Kamp Westerbork in Apeldoorn; Bereitstellung von 40 Güterwaggons am Bahnhof Apeldoorn; die Hälfte des Personals flüchtet

21./22.1.1943 in der Nacht Zwangsevakuierung der gesamten Klinik, „Verladung“ in Güterwaggons 1181 Patienten und 51 jüdischen Krankenschwestern von Apeldoorn nach Auschwitz.

Das in Apeldoorn verbliebene Personal wurde zusammen mit den letzten rund hundert jüdischen Einwohnern Apeldoorns mit einem Linienzug ins Lager Westerbork gebracht und von dort deportiert.

24.1.1943 Ankunft von Pepi König auf dem „Krankensondertransport“ im KL Auschwitz. Bei der Selektion werden 16 Männer und 36 Frauen im Lager aufgenommen, die übrigen 1 004 Menschen werden in die Gaskammern geführt.

Nachkriegszeit

26.12.1946 Adam König im DP Camp Zeilsheim „Kibbuz“; hier wurden die Überlebenden gesammelt, die nach Palästina in einen Kibbuz wollten

26.8.1945 auch im DP Camp Nr. 590 =Tübingen (?) registriert

11.3.1946 im DP Camp Frankfurt Im Heimgarten 20

13.11.1946 mit seiner Frau Maria nach New York

7.2.1949 auf der SS ERNIE PYLE

1950 aus den USA mit der Ehefrau in die DDR

Lehramtsstudium an der Studium an der Arbeiter- und Bauernfakultät für Pädagogik und Geschichte und Promotion an der Universität Leipzig

1987 Pensionierung als Lehrer und Dozent

1992 Adam König  Vertreter des deutschen Sachsenhausen-Komitees im internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte

Vertreter des Internationalen Auschwitz-Komitees unterstützte er aktiv die Aufbauphase der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. 29.9.2012 Tod von Adam König nach langer und schwerer Krankheit (Magenkrebs)

Gedenken

4.10.2012 Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in seinem Nachruf: „Für sein langjähriges verdienstvolles Engagement im Beirat der Stiftung danken wir ihm und wollen uns seiner stets erinnern. Er war eine wichtige Stimme der Überlebenden und eine beeindruckende Persönlichkeit.“

Quellen

Thomas Friedländer, Bonzos Auge; Edition Schwarzdruck, 2023

Konrad Kwiet, Helmut Eschwege; Selbstbehauptung und Widerstand, 1984

Interview mit Adam König von Anna Dost und Nele (Cornelia) Geißler, 2004 in Jungle World; Link:

https://jungle.world/artikel/2004/16/wir-riefen-schiesst-doch-ihr-hunde

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de901910

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de901935

https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de901949

https://www.joodsmonument.nl/en/page/563035/lazar-konig

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/67754832

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130322107

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4999646

https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/19237-breindl-k-nig

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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