Jonas Horst

Horst Hans Jonas

*24.6.1914 in Bremerhaven; ✡22.6.1967 in Berlin

Staatsangehörigkeit  staatenlos

Religion jüdisch

Vater Salomon Jonas *25.2.1880 in Osnabrück; ✡ ?

Mutter Helene Ritzewoller *13.4.1887 in Borna; ✡?

Geschwister

Walter Jonas *26.12.1914 in Leipzig

Abraham Alfred Jonas *26.3.1916 in Leipzig; ✡ 2008 Manchester; oo Helene Ritzewoller

Werner Jonas *5.7.1917 in Leipzig; oo Lisbeth Brodsky; ✡beide 1942 in Auschwitz;

Beruf Maschinenstricker; Elelektriker; Journalist

Adressen Bremerhaven; Zwickau, Schillerstraße 2; Leipzig, Thomasiusstraße 28; Erfurt; Berlin

Heirat Katja Rosenfeld *1916; ✡2005

Kinder

Weiterer Lebensweg

Volksschule und Realgymnasium in Leipzig

1929 Eintritt in SAJ und SPD

1932 Übertritt zum KJVD und KPD

15.5.1933 Bruder Walter nach England

1935 Verhaftung als illegaler Org-Leiter des KJVD Leipzig

1935 aus der Wehrpflicht entbunden

1936 vom Oberlandesgericht verurteilt wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 4 Jahren und 3 Monaten Zuchthaus

1936 Zuchthaus Zwickau, Schillerstraße 2

1936 Bruder Abraham Alfred emigriert nach Südafrika

1938 Emigration der Eltern nach Brasilien; schließlich zu Sohn Alfred in Südafrika

17.5.1939 Horst Jonas im Zuchthaus Zwickau, Schillerstraße 2 bei der Minderheitenzählung

Zwangsarbeit im Elbregulierungslager Dessau/Rosslau

9.11.1939 Internierung im KL Sachsenhausen

Der Aufstand im KL Sachsenhausen»Schießt doch, ihr Hunde!«

Zitiert aus dem Buch „Selbstbehauptung und Widerstand“

Am 22. Oktober 1942 ordnete die Lagerleitung in Durchführung eines Himmlerbefehls an, die jüdischen Häftlinge zum »Arbeitseinsatz« abzutransportieren. 459 Juden erschienen zum Appell. Anschließend wurden sie in die Desinfektionsbaracke kommandiert, wo sie sich völlig entkleiden und ihre gesamte Habe einschließlich des Waschzeugs abliefern mußten.Sie erhielten neue Kleidung und wurden angewiesen, sich wieder zum Appellplatz zu begeben. 18 Häftlinge widersetzten sich und blieben in der Baracke. Sie nahmen an, daß die Transportvorbereitungen nur als Tarnung für ihre unmittelbar bevorstehende Liquidierung im Lager arrangiert worden wären. Als sich die anderen jüdischen Häftlinge auf dem Appellplatz eingefunden und sich zugleich auch die übrigen rund 12000 Gefangenendes Lagers in Reih und Glied aufgestellt hatten, brachen sie aus der Baracke aus, überwältigten SS-Männer und stürmten durch die Lagerstraße. Man hörte Rufe: »Wir lassen uns nicht abschlachten!«, »Wir wollen im Kampfsterben!« oder »Schießt uns doch nieder!« Die Flüchtenden wurden rasch eingefangen, niedergeworfen und so lange festgehalten, bis der Schutzhaftlagerführer erschien. Statt die Aufständischen auf der Stelle zu bestrafen, forderte er sie auf, sich zu erheben. Nathan Hirschtritt, der später den Namen Johann Hüttner annahm, stand als erster auf und gab das Kommando: »Aufstehen! Antreten!« Die Lagerdisziplin kehrte zurück. Man nahm in soldatischer Ordnung Haltung an. Der Lagerführer stellte sie zur Rede. Als er erfuhr, daß sie den Transportbefehl als Signal für ihre sofortige Erschießung verstanden hätten, klärte er das »Mißverständnis« auf. Er versicherte ihnen: »Ich gebe Euch mein Ehrenwort, ihr werdet nicht erschossen. Ihr geht in ein Arbeitslager im Osten. Erschwert uns nicht die Arbeit.«

Adam König berichtet im Jahre 2004 selbst:

„Am Tag zuvor wurde bekannt gegeben, dass wir am nächsten Tag nicht arbeiten müssten. Ich lag zu der Zeit mit Ruhr im Krankenbau. Die Genossen legten mir sogar nahe, im Lager zu bleiben. Das habe ich aber abgelehnt, ich wollte mit den anderen gehen. Abends war ich wieder in der Baracke. Am 22. Oktober wurden wir durch die Blockführer auf den Appellplatz getrieben und in einer Isolierbaracke umgekleidet. Uns wurde dort alles abgenommen, persönliche Kleidungsstücke, die Häftlingskleidung, auch die Schuhe, man gab uns Holzpantinen, Drillichzeug. Das ganze sah nicht nach Transport aus, sondern eher nach einer Vorbereitung auf die Erschießung. Es gab zynische Bemerkungen der Blockführer, dass wir »durch den Schornstein« gehen würden. In dieser Situation kam es zu Gesprächen unter politischen und jungen jüdischen Häftlingen. Dabei wurde der Beschluss gefasst, beim Abendappell, wenn das ganze Lager angetreten war, aus dieser Isolierbaracke – die war von einer Postenkette umstellt – auszubrechen und zum Appellplatz zu rennen. Unsere Losung lautete: »Schießt doch, ihr Hunde!«

Wir haben also das Fenster der Baracke aufgestoßen. Die Posten draußen waren ganz verdutzt. Da wir in Richtung Appellplatz liefen, haben sie aber nicht geschossen. Wir sind also auf den Appellplatz gerannt, haben die Losung gerufen und sind auf die SS los. Die waren natürlich stärker und haben uns zusammengeschlagen, direkt am Lagertor, am Turm A. Es gab ziemlichen Aufruhr. Der Lagerführer fragte nach unserem Anführer. Horst Jonas meldete sich und antwortete, dass wir überzeugt seien, wir würden nicht auf Transport, sondern in den Erschießungsgraben gehen. Der Lagerführer ordnete an, uns die Kleidung zurückzugeben und uns noch am selben Abend nach Auschwitz deportieren zu lassen. Das ist dann auch passiert.“

Auschwitz

17.10.1942 Überstellung von 405 polnischen Häftlingen aus Buchenwald in das KL Ausschwitz zum Ausbau des BUNA-Werks in Auschwitz Monowitz; auf diesem Transport befinden sich auch Adi Lindenbaum, Jakob Zylbersztajn und Heinrich Tydor

25.10.1942 Deportation von 454 jüdischen Häftlingen von Sachsenhausen nach Auschwitz zum Ausbau des BUNA-Werkes in Monowitz; auf diesem Transport befanden sich auch Abraham Matuszak, Nathan Hirschtritt, Horst Jonas, Adam König

Ankunft und Selektion in Auschwitz; Horst Jonas wird eingewiesen in Auschwitz III zum Aufbau des IG-Farben Werkes Buna Monowitz, Auschwitz-Häftlingsnummer ?

25.000 von insgesamt 35.000 BUNA-Zwangsarbeitern überlebten nicht.

Buchenwald

November 1944 von Auschwitz verlegt nach Buchenwald; dort Mitglied der kommunistischen Widerstandsorganisation

Zwangsarbeit im Außenlager Ohrdruf SIII; S III war der Deckname für das Bauvorhaben im Jonastal sowie für alle Lager in Ohrdruf, Crawinkel und Espenfeld.

15.1.1945 zurück aus Ohrdruf ins Stammlager KL Buchenwald

Das Ende des KL Buchenwald

5.4.1945 Himmlers Befehl zur Evakuierung von Buchenwald (47500 Häftlinge);

6.-10.4.1945 Die SS beginnt mit der Evakuierung des Konzentrationslagers; etwa 28.000 Häftlinge des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager werden auf insgesamt 60 Marschrouten – meist zu Fuß – auf die Todesmärsche getrieben, 12000 (Schätzung) kommen auf diesen Märschen um.

6.4. 1945 von den ca. 6000 Juden im Lager, können etwa 3000 versteckt werden; 3105 Juden werden im Lager zusammengetrieben, in den Werkshallen der DAW (Deutsche Ausrüstungswerke) eingesperrt und Richtung Flossenburg in Marsch gesetzt

7.4.1945 Todeszug nach Dachau verlässt Weimar mit ca. 7000 Häftlingen

10.4.1945 9.280 Insassen haben an diesem Tag Buchenwald in zwei Kolonnen verlassen. Die SS kündigt für den folgenden Tag die vollständige Räumung des Lagers an.

Evakuierung des KL Buchenwald in Güterwaggons nach Theresienstadt, Flossenbürg und Dachau

11.4.1945 Befreiung von Buchenwald durch das 37. Panzerbataillon der 4. US-Panzerdivision

12.5.1945 Entlassung aus dem Lager Buchenwald gemäß Entscheidung einer alliierten Kommission

1945 Organisationssekretär der KPD-Kreisleitung Erfurt

1946 Übergang zur SED

Arbeiteraufstand 17. Juni 1953

1953 Horst Jonas wird eine Parteistrafe (Rüge) auferlegt wegen „Kapitulantentums“. Jonas wurde zur „Bewährung“ in die Produktion geschickt; er arbeitete als Redakteur in der Lokalredaktion Quedlinburg der SED-Zeitung Freiheit

Fernstudium als Journalist

27.9.1955 in Leipzig Thomasiusstraße 28

1956 -1961 Chefredakteur der „Freie Erde“

1960 in Mecklenburg

1963-1967 Bürgermeister von Neubrandenburg

22.6.1967 Horst Jonas erliegt einer Krebskrankheit in Berlin

Gedenken

28.8.1911 Gedenkblatt für Bruder Werner Jonas von Nichte Hede Cohen

Grabstein für Horst und Katja Jonas in der Gräberanlage „Pergolenweg“ des Berliner Zentralfriedhofs Friedrichsfelde

Quellen

Thomas Friedländer, Bonzos Auge; Edition Schwarzdruck, 2023

Konrad Kwiet, Helmut Eschwege; Selbstbehauptung und Widerstand, 1984

Interview mit Adam König von Anna Dost und Nele (Cornelia) Geißler, 2004 in Jungle World; Link:

https://jungle.world/artikel/2004/16/wir-riefen-schiesst-doch-ihr-hunde

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6197880

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129824620 https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Jonas

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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