
Esther Selma Nolting
*20.3.1924 in Kall; ✡28.7.2018 in Helsingborg
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Karl Robert Nolting *24.8.1882 in Dortmund; evangelisch; ✡?
Mutter Hedwig Nathan *11.3.1892 in Kall, Schleiden; ✡ 1942 Majdanek
Geschwister
Else Ella Nolting *3.11.1916 in Kall; ✡3.5.1945 Theresienstadt
Norbert Nolting *16.7.1918 in Kall; ✡März 1942 im Ghetto Riga
Hildegard Nolting *13.2.1920 in Kall; ✡9.1.2013 in Florida; oo Charles Schmertz
Ruth Nolting *20.3.1922 in Mechernich
Beruf Fotolaborantin
Adressen Kall, Aachenerstraße 26; Köln Hansemannstraße 44; Helsingborg, Schweden;
Heirat 1946 Erich Künstlicher *12.9.1920 in Frankfurt; ✡14.3.2002 in Helsingborg
Kinder zwei
Rolf Gideon Nolting *25.4.1945 in Helsingborg
Weiterer Lebensweg
1925 Trennung der Eltern
Ostern 1930 Einschulung in die ev. Volksschule in Kall
Ostern 1938 Schulabschluss
Lehrlingsheim Köln Agrippastraße
April 1938 Esther Nolting gegen den Willen der Mutter zur Ausbildung in das jüdische Lehrlingsheim in Köln, vermutlich in die Agrippastraße
Esther schließt sich in Köln einer zionistischen Jugendgruppe an
15.3.1939 Umzug der Mutter von Kall nach Köln, Hansemannstraße 44
26.8.1939 Scheidung der Eltern
Dänemark
Oktober 1939 Emigration von 500 garantierten Jugendlichen nach Dänemark zur Hachschara auf einzelnen Bauernhöfen
Einzelhachschara auf einem Bauernhof in Jütland
9.4.1940 Einmarsch der Deutschen in Dänemark; Dänemark bleibt in Teilen autonom bis zum Oktober 1943
Ausnahmezustand in Dänemark 1943
29.8.1943 Die deutschen Besatzer verkünden den „Ausnahmezustand“ wegen zunehmender Widerstandaktionen
17.9.1943 Adolf Hitler befiehlt die Endlösung für die Juden in Dänemark
September 1943 Anordnung von Werner Best, SS-Obergruppenführer und Generalbevollmächtigter für Dänemark
„Die Festnahme der zu evakuierenden Juden erfolgt in der Nacht vom 1. zum 2.10.43. Der Abtransport wird von Seeland zu Schiff (ab Kopenhagen), von Fünen und Jütland mit der Bahn Sonderzug durchgeführt“.
28.9.1943 der deutsche Diplomat Georg Ferdinand Duckwitz verrät die geplante Deportation bei einem Treffen mit dänischen Sozialdemokraten.
Oktober 1943 7700 Juden können sich mit Hilfe der dänischen Bevölkerung in einer Massenflucht über den Øresund (Ostsee) nach Schweden retten.

15.10.1943 Esther Nolting auf einem Motorboot mit 35 Flüchtlingen von Kopenhagen nach Ven, Schweden
Köln-Riga
6.12.1941 Schwester Hilde und Bruder Norbert Sammellager Messehallen Köln Deutz
7.12.1941 Transport Köln Deutz in 3. Klasse-Waggons der Reichsbahn nach Skirotawa, Riga
10.12.1941 Ankunft Rangierbahnhof Skirotawa, Fußmarsch ins Ghetto Riga
13.12.1941 18 km Fußmarsch von Norbert Nolting mit 500 jungen Männern aus dem Ghetto Riga zum Aufbau des Lagers Salaspils; Alex Salm zusammen mit vier Freunden aus dem Kölner Transport: Heinz Baermann, Rudi Billig, Artur Kann und Max Leib; alle fünf überlebten Riga
März 1942 Tod des Bruders Norbert im Lager Salaspils; er wurde im Ghetto Riga gehängt, da er von außerhalb Brot „organisiert“ hatte; Schwester Hilde musste der Hängung beiwohnen
Juli-2. November 1943 schrittweise Auflösung des Ghettos; Einrichtung des Konzentrationslagers Riga-Kaiserwald und verschiedener Betriebslager mit lokaler Kasernierung; Kommandant des KL Kaiserwald Sturmbannführer Albert Sauer
3. November 1943 Auflösung des Ghetto Riga
November 1943 im Armeebekleidungsamt ABA 701 in Mühlgraben, Kasernierung
Sommer 1944 Auflösung des KL Kaiserwald, Riga
Juli – September 1944 Transporte der Arbeitsfähigen aus Riga per Schiff nach Stutthof
6.8.-9.8.1944 1. Großer Transport mit der „Bremerhaven“ von Riga nach Danzig
28.9.-1.10.1944 3155 Häftlinge aus Riga Kaiserwald, 300 von der Lenta auf dem Frachtschiff „Kanonier“ von Riga->Danzig

1.10.1944 Ankunft von Hilde Nolting in Stutthof
Sie überlebt die Todesmärsche.
Landwerk Steckelsdorf – Berlin-Warschau
Schwester Ruth Nolting nach der Schulentlassung 1936 wohnhaft in Bonn, Düsseldorf, Köln und Rathenow; eventuell zuvor Hachschara in Urfeld; zuletzt im Landwerk Steckelsdorf zur Hachschara; das Landwerk Steckelsdorf bei Rathenow bestand von 1938 bis zur Schließung im Mai 1942; viele wurden zur Zwangsarbeit in der Optischen Fabrik von Hermann Röding eingesetzt; sie wohnten in Rathenow in der Große Hagenstraße 40 a, Besitzer war ebenfalls Röding.
Am 13.4. wurden die zur Deportation eingeteilten Menschen aus 60 Orten des Regierungsbezirks Potsdam über den Bahnhof Moabit in das Sammellager der Berliner Synagoge Levetzowstr. gebracht.

14.4.1942 Schwester Ruth mit 8 weiteren Bewohnern des Landwerks auf dem „Sondertransport“ Berlin in das Ghetto Warschau (irrtümlich nach Trawniki)
Köln – Lublin
15.7.1942 Mutter auf dem Transport Köln – Lublin – Majdanek
Bergen Belsen-Raguhn-Theresienstadt
1943 Schwester Ella aus dem Lager Müngersdorf in das KL Bergen Belsen

7.2.1945 Arbeitslager Raguhn, Junkers-Werke; Außenlager von Buchenwald
19.4.1945 Verlegung nach Theresienstadt
3.5.1945 Tod der Schwester Else in Theresienstadt
Nachkriegszeit



Oktober 1945 Esther Nolting auf der Mitgliederliste des Hechaluz Schweden, „Alte Chaluzim“
April 1948 – Herbst 1950 Zuzug der Schwester Hilde von Köln nach Helsingborg
Gedenken
10.10.1958 Page of Testimony für Hedwig und Norbert Nolting von Moses Fernbach; Moses Fernbach aus Recklinghausen war SG Vorsitzender für Kall und Schleiden
16.3.1998 Pages of Testimony für die Mutter und die 5 Geschwister von Alex Salm
31.8.2012 sechs Stolpersteine für die Mutter Hedwig und die 5 Geschwister
Quellen
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de998226
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de937349
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1006146
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/topic/3-1-1-3_1211000?s=1211000
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/78777793
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7669870
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4582747
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11250635
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Kall
https://www.statistik-des-holocaust.de/OT420414_Potsdam19.jpg
https://safe-haven.dk/fileadmin/user_upload/Uppgift_Nolting__Esther_Selma.pdf
Courage to Act: Rescue in Denmark
https://www.mappingthelives.org
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316