Decker Helga

Helga Angelika Decker

*4.1.1921 in Breslau; ✡ 15.4.1989 in Rotterdam

Staatsangehörigkeit deutsch

Vater Maximilian Decker *22.6.1889 in Lippstadt; ✡ 6.3.1950 in Bautzen

Mutter Charlotte Lea Bucka *24.12.1891 in Strehlen; ✡ 2.4.1943 in Auschwitz

Großeltern Philipp Decker und Franziska Mues

Großeltern Moses und Thekla Bucka

Geschwister

Anneliese Decker *16.3.1916 in Breslau; ✡ 2.4.1943 in Auschwitz; Otto Czwiklitzer (1908-1942)

Ulrich Bernhard Decker *19.5.1919 in Breslau; oo Irma Zuber

Beruf Praktikant

Adressen Breslau; Hamburg Blankenese, Steubenweg 36; Amsterdam; Werkdorp Barsingerhorn, Wieringermeer

Heirat 15.3.1940 Jan Smit *25.7.1917 in Rotterdam; 12.2.2001 in Amersfort

Kinder drei

Helga Smit

Guido Smit

Weiterer Lebensweg

1934 Scheidung der Eltern; die Mutter war Jüdin, der Vater nicht; Max Decker war NSDAP Mitglied

Novemberpogrom

10.11.1938 Schwager Otto Czwiklitzer in Breslau verhaftet

11.11.1938 Einweisung in das KL Buchenwald

30.11.1938 Entlassung von Otto Czwiklitzer aus dem KL Buchenwald

Minderheitenzählung

17.5.1939 Helga Decker in Hamburg Blankenese, Steubenweg 36 zum Hachschara-Seminar

17.5.1939 Charlotte Lea Decker-Bucka in Breslau

17.5.1939 Ulrich Decker in Breslau Neudorfstraße 60

17.5.1939 Erich Decker in Breslau Schweidnitzer Straße 37

17.5.1939 Schwester Anneliese Czwicklitzer in Breslau Römer Straße 17

Helga Decker auf der Liste der „Deventer Vereniging tot Vakopleiding“

2.6.1939 Helga Decker zur Deventer Vereniging tot Vakopleidung

Der Aufbau des Werkdorp Nieuwe Sluis

Träger des „Jüdisches Werkdorf Nieuwe Sluis“ ist die „Stichting Joodse Arbeid“ (Stiftung Jüdische Arbeit); hier werden jüdische Jugendliche zu Landarbeitern umgeschult (Hachschara) als Vorbereitung auf die Ansiedlung in Palästina (Alija). Die Ausrichtung war neutral, nur etwa ein Drittel der Chawerim waren auch zionistische Chaluzim (zionistische Pioniere)

Im März 1934 kommt eine kleine Gruppe von Volontären als Aufbaugruppe in die verlassenen Baracken auf der Farm. Dreieinhalb Jahre lang dienten diese als Unterkunft für die Gruppe der Bauarbeiter. Ende 1934 stehen vier Baracken und eine Kantine dicht beieinander rund um das Haukes-Haus.

Oktober 1934 Aufnahme des regulären Ausbildungsbetriebs

Im Zentrum des Werkdorfs wird ein Gemeinschaftshaus errichtet, die Baracken werden in einem Halbkreis herumgebaut.

14.7.1939 Helga Decker zur Hachschara in das Werkdorp

Auflösung des Werkdorp

20.3.1941Auflösung des Werkdorp durch den SD der SS; 210 der 290 Lehrlinge werden zunächst in der Diamantfabriek von Asscher in der Tolstraat untergebracht; Gerd Vollmann berichtet darüber:

„Am 20. März kamen morgens blaue Busse von der Amsterdamer Gemeindebahn am Rande des Polders. … Die ca. 300 Werkdörfler wurden inspiziert durch Lages in Uniform und Barbie in Zivil.

Willy Lages, SS-Sturmbannführer, Leiter des Sicherheitsdienstes in Amsterdam; Klaus Barbie, SS-Obersturmführer, Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam

Unser Betriebsleiter Kemmerlin sorgte dafür, dass ca. 60 Jungen und Mädels bleiben durften, um das Vieh usw. zu versorgen. Die anderen kriegten 10 Minuten die Gelegenheit, um etwas zu packen und dann wurden wir mit Bussen nach Amsterdam gebracht…“

Unterbringung der 210 Werkdorper zunächst in Asschers Diamantschleiferei im Amsterdamer „Pijp“

27.3.1941 Unterbringung der Werkdorper in Gastfamilien oder bei Verwandten

11.6.1941 Offizielle Abmeldung der 210 Werkdorper aus der Gemeinde Wieringermeer

1.8.1941 endgültige Schließung des Werkdorpes

Zweite große Razzia in Amsterdam

14.5.1941 Bombenexplosion im Marine-Offiziersclub Amsterdam auf der Bernard-Zweerskade ist Anlass für Verhaftungswelle

Juni 1941 Zweite große Razzia in Amsterdam; der SD geht bei dieser Razzia anders vor als bei der ersten Razzia im Februar 1941, bei der  Juden wahllos auf der Straße aufgegriffen und festgenommen wurden; bei der zweiten Razzia nutzen die Deutschen Adresslisten und gehen gezielt zu den Häusern von dem sie wissen, dass dort Juden leben.

11.6.1941 SS-Obersturmführer Klaus Barbie von der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam“ erschleicht sich durch Täuschung die Adresslisten der „Werkdorper“

11.6.1941 „Vergeltungsmaßnahme“ 300 vorwiegend Jugendliche, davon 61 „Werkdorper“ im Durchgangslager Schoorl inhaftiert; von ihnen werden vier, die keine vier jüdischen Großeltern haben, freigelassen.

Von Dezember 1940 bis August 1941 war SS-Untersturmführer Hans Stöver Kommandant des Camp Schoorl

Der Werkdorper Bernard Natt, ein Cousin von Lotte Brück, beschreibt die Razzia des 11. Juni 1941:

„Am Mittwochabend, dem 11. Juni 1941, besuchte ich mit Lotti in der Stadsschouwburg eine Aufführung von Griegs Oper „Per Gynt“. Es war eine schöne, angenehme Aufführung. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit Lotti ausgegangen bin. Auf dem Heimweg trafen wir einige Freunde vom Werkdorp. Sie waren sehr aufgebracht und teilten uns mit, dass unsere Mitbewohner des Werkdorps noch am selben Abend von der Gestapo festgenommen worden seien.

22.6.1941 Deportation der 296 in Schoorl Inhaftierten in das KL Mauthausen; dort werden sie durch extrem harte Arbeit im Steinbruch und oftmals tödliche medizinische Experimente ermordet; keiner überlebt das Jahr 1941

Mai 1942 Verpflichtung den „Judenstern“ zu tragen

Juni 1942 Aufrufe zur Meldung zum „Arbeitseinsatz im Osten“

Onderduiker

Helga geht in ein Versteck und kann so bis zum Kriegsende überleben.

Konzentrationslager Neusustrum

1.9.1933 wurde das KL Neusustrum als drittes Lager im Emsland fertiggestellt. Das Lager V Neusustrum gehörte neben den Lagern Börgermoor und Esterwegen zu den frühen Konzentrationslagern im Emsland

19.1.1942 Einweisung des Schwagers Otto Czwiklitzer in das KL Neusustrum; zuvor im Gefängnis Münster; verurteilt zu 3 Jahren Zuchthaus wegen „Rassenschande“

Im März 1941 saßen 1651 polnische Gefangene und 60 Juden im Lager ein. 10% der Gefangenen waren homosexuell.

1942 werden die ersten Gefangenen in andere Lager überwiesen.

3.10.1942 Tod des Schwagers Otto Czwiklitzer im KL Neusustrum

„Aktion VIII“ Breslau Auschwitz

31.3.1943 und 1.4. gab es im Rahmen der „Aktion VIII“ zwei weitere Deportationen Breslauer Juden nach Auschwitz und am 16.6. als Teil der „Aktion IX“ noch einen Transport, ebenfalls nach Auschwitz. In beiden letzteren Transportzügen befanden sich auffallend viele junge Familien mit neugeborenen Kindern. Die Namenslisten der Deportierten stammen aus den Akten des Finanzamts Breslau-Süd und wurden publiziert

31.3.1943 Mutter und Schwester Anneliese mit ihrer Tochter Tana Czwicklitzer von Breslau nach Auschwitz

Nachkriegszeit

Überlebt im Versteck

Palästina

Rückkehr nach Rotterdam

Gedenken

21.9.1978 Pages of Testimony von Helga Decker für Schwester Anneliese, Nichte Tana, den Schwager Otto Czwiklitzer, die Tante Else Bucka (1898)

Grabstein für Helga Decker auf dem Liberaal Joodse Begraafplaats Gan Hasjalom, Hoofddrop

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de31550

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1708361

https://www.statistik-des-holocaust.de/OT430331_1.jpg

https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Decker%20Helga%22%7D

www.werkdorpwieringermeer.nl/

Niederlande, Bevölkerungsregister, 1810-1936; Bron: boek, Deel: 146, Periode: 1912-1938

https://www.oorlogsbronnen.nl/mensen?personterm=Ontruiming%20Joods%20Werkdorp%20Wieringermeer

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/129587189

https://collections.arolsen-archives.org/en/document/5715468

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

https://yvng.yadvashem.org/ad

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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