Weinreb Edith

Edith Weinreb

*22.10.1917 in Höchst; ✡Feb. 2004 in Leeds;

Staatsangehörigkeit polnisch, staatenlos

Religion jüdisch

Vater Moritz Weinreb *6.7.1887 in Olchowka

Mutter Clara Polack *1888; ✡ 1921 in Höchst

Geschwister

Artur Weinreb *23.1.1915 in Höchst; ✡Okt 1988; oo Chana Miretzky

Irene Weinreb *Dez. 1915 in Höchst; oo Henry Reiss; oo Schmalbach

Alice Weinreb *3.2.1919 in Frankfurt; ? ✡Jan 2017 in Vancouver; oo Kalman Lindenberg

Beruf Praktikantin

Adressen Frankfurt, Bahnstraße 1/Bolongarostraße 147; Regensburg;

Heirat Nov. 1942 in Berkhamsted mit Emil Ludwig Culmann *3.5.1919 in Kattowitz; 11/1998 in Leeds

Kinder

Weiterer Lebensweg

Jüdisches Adressbuch Frankfurt 1935

1.5.1935 Artur Weinreb zur Hachschara ins Umschulungslager Urfeld auf dem Dietkirchener Hof zwischen Bonn und Köln-Wesseling;

23.12.1935 Ankunft von Artur Weinreb auf der SS GALILEA in Haifa mit Werner Strupp und Bertel Emanuel, alle drei aus Urfeld

28.9.1936 Einreise von Schwester Irene in Haifa auf der SS GALILEA

Hachschara Lehrgut Schniebinchen

Schwester Alice zur Hachschara in das Lehrgut Schniebinchen des Jüdischen Jugendbund Habonim Noar Chaluzi (Bauleute).

10.11.1938 in der Pogromnacht wird das Lager für einige Tage von örtlicher SA besetzt, die aber keine Misshandlungen an den Bewohner begeht.

Ab April 1939 war Jenny Rosenbaum später Aloni Jugendleiterin, bevor auch sie im November nach Palästina auswanderte. Sie berichtet von ihrer Ankunft:

„Auf dem Zaun ein Papagei. Ein lebendiger Papagei. Er heißt Laura. … Papagei Laura rief im Vorübergehen jedem zu: „Heil Hitler Schalom“.

März 1939 eine erste Alija beth Gruppe von einer Gruppe Chawerim aus Schniebinchen in Wien einem Sammeltransport angeschlossen, die ab Spalato, Jugoslawien auf einem kleinen Seeschiff „Dora“ nach etwa 10-tägiger Fahrt unbehindert in Palästina landete; sogenannte erste illegale Sonderhachschara SH1

Beth Chaluz Regensburg

Ca 1938 Edith Weinreb ins Beth Chaluz Regensburg zur Hachschara

Angesichts der zunehmenden Bedrängnis und fehlender Ausbildungsmöglichekeiten für die jüdische Jugend, wurde in Regensburg wie in vielen weiteren Großstädten ein Beth Chaluz in einem Wohnhaus in der Weißenburgstraße 31 eingerichtet. Hier wurde durch die „Hachschara“ (Umschulung) eine Berufsqualifikation erworben, die mittels Zertifikaten der zionistischen Dachorganisation „Hechaluz“ ein Visum der britischen Protektoratsbehörden für Palästina ermöglichte.

Das Beth Chaluz in Regensburg, war ein Hachschara-Wohnheim des Hechaluz, auch „Praktikantenheim“ genannt. Es bestand zumindest seit 1936. Die Jungen/Männer wurden in örtlichen Werkstätten und Betrieben, Gärtnereien und Bauernhöfen, die Mädchen/Frauen meist in Küchen ausgebildet.

Polenaktion

Am 28. Oktober 1938 um 7:30 Uhr werden neun Juden mit polnischen Pässen verhaftet, aus dem Beth Chaluz traf dies sieben polnische Chaluzim, die im ersten Massentransport des NS-Zeit (15000) abends um 20:10 Uhr über die polnische Grenze nach Zbaszyn getrieben werden. Susi Schmerler aus dem Hachscharalager Urfeld notierte in ihrem Tagebuch über die in Zbaszyn gestrandeten Chaluzim:

„Es sind ungefähr 25 Chaluzim, die alle schon in Deutschland auf Hachschara waren und jetzt zur Auslands-Hachschara oder Alija gehen sollten.“

Siegfried Wittmer, Geschichte der Regensburger Juden von 1936 bis 1938

28.10.1938 Ausweisung des Vaters aus Frankfurt nach Zbaszyn

Im März 1939 wird den in Zbaszyn festsitzenden Chaluzim genehmigt, nach Berlin in die Zentrale des Hechaluz und der Jugendalija in der Meineckestraße 10 zu reisen, um ihre Emigration vorzubereiten.

England

1939 Emigration von Edith und Alice Weinreb nach England; Alice geht auf die Hachschara Farm Manor Farm, Tingrith, Ampthill, Bedfordshire; dort lernt sie den Chaluz Kalman Lindenberger kennen; Emil Culmann war auch dort zur Hachschara, vermutlich auch Edith aber bei dem Census wurde sie nicht regsitriert

Kriegseintritt Großbritannien

1.9.1939 Überfall der Wehrmacht auf Polen

3.9.1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg

Winston Churchill: „Collar the lot“

10.5.1940 Winston Churchill Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain; Anordnung Churchills, zur Internierung und Verschiffung außer Landes der etwa 70000 Deutschen und Österreicher in Großbritannien; 60000 von ihnen waren Flüchtlinge.

11.6. -1.8.1940 10000 Männer und 4000 Frauen als „enemy aliens“ interniert in neun Camps auf der Isle of Man

Juli 1940 Innerhalb von 16 Tagen wurden über 10000 Internierte auf fünf Schiffen illegal nach Übersee deportiert; Edith Weinreb und Emil Cullmann auf der LIBERTY nach Australien

28.2.1941 Rückkehr aus Sydney nach Liverpool auf der SS STIRLING CASTLE

November 1942 Heirat mit Emil Ludwig Culmann in Berkhamsted

Gedenken

Quellen

https://www.mappingthelives.org

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

Staatsarchiv Israel, Mandat zur Einbürgerung in Palästina, 1937-1947

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Genealogie Website My Heritage

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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