Reich Irma

Irma Reich

*26.4.1916 in Zempelburg; ✡1943 in Auschwitz

Staatsangehörigkeit deutsch

Religion jüdisch

Vater Markus Reich *9.9.1881in Krojanke; ✡ 1942 Sobibor

Heirat der Eltern 1911 in Polzin

Mutter Ida Orbach *20.1.1878 in Bramstädt; ✡ 1942 Sobibor

Geschwister

Lothar Reich *19.11.1912 in Zempelburg; ✡18.9.1941 in Mauthausen

Frieda Reich *14.1.1914; 1.1977 in Brooklyn; oo 1958 Heinz Benningsohn (1907-1974)

Erika Reich *24.7.1919 in Zempelburg; ✡ 1942 Sobibor/Majdanek

Beruf Landarbeiterin

Adressen Zempelburg; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat Hugo de Vries *16.12.1915 in Leer; ✡ 1943 in Auschwitz

Kinder keine

Weiterer Lebensweg

Novemberpogrom

10.11.1938 Vater Markus verhaftet, Inhaftierung im KL Sachsenhausen

10.11.1938 die Haustüre der Familie de Vries wird eingeschlagen, die Männer verhaftet und zum Viehhof getrieben, wo sie eingesperrt werden

11.11.1938 Inhaftierung von Hugo de Vries im KL (Sachsenburg(?); bestand nur bis 1937)

11.11.1938 Inhaftierung von Schwager Ludwig de Vries im KL Sachsenhausen

17.12.1938 Entlassung des Vaters Markus Reich aus dem KL Sachsenhausen

Minderheiten-Volkszählung

17.5.1939 Irma Reich mit Eltern und Schwester Erika in Berlin Mitte, Grenadierstraße 4 a

17.5.1939 Schwester Frieda Reich in Schmargendorf, Altersheim der jüdischen Gemeinde

17.5.1939 Bruder Lothar Reich in Gollnow, Pommernweg 10, Zuchthaus; Bruder Lothar Reich nach Absitzen seiner Zuchthaustrafe vermutlich als SV in das KL Mauthausen zu Sonderbehandlung, wo er am 18.9.1941 ermordet wurde

17.5.1939 Hugo mit den Eltern und Bruder Ludwig de Vries sowie Schwester Marianne, Schwager Wilhelm Hermann in Leer, Adolf-Hitler-Straße 75

September 1939 Irma Reich noch nicht auf den Namenlisten verschiedener Gemeinden im Landkreis Beeskow-Storkow

Gut Winkel

Irma Reich und Hugo de Vries zur Hachschara in Gut Winkel, Spreenhagen

Gut Winkel bestand als Lehrgut Schocken ab 1933 in Trägerschaft der zionistischen Jugendbünde; Lagerleiter war Martin Gerson vom Januar 1933 bis zwangsweisen Aufgabe von Gut Winkel am 19. Juni 1941; Hauswirtschaftsleiterin war seine Frau Bertel.

1938 wird die Zahl der Belegplätze mit 120 angegeben.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Gut Winkel nicht überfallen.

19. Juni 1941 Auflösung Gut Winkel wird vom Hachschara- zum Arbeitseinsatzlager

5.7.1941 behördliche Anordnung zur Auflösung der Hachschara-Lager; Umbenennung der noch bestehenden in „Jüdisches Arbeitseinsatzlager“

Mauthausen

Bruder Lothar Reich nach Absitzen seiner Zuchthaustrafe in Gollnow vermutlich als „SV“ (Sicherungsverwahrung) in das KL Mauthausen zu „Sonderbehandlung“, wo er am 18.9.1941 ermordet wurde

Ab Juli 1941 war Dr. med. Aribert Heim – von den Häftlingen „Dr. Tod“ genannt – Lagerarzt im KL Mauthausen; zuvor Lagerarzt im KZ Sachsenhausen und im Juni 1941 im KL Buchenwald. Der „Schlächter von Mauthausen“ nahm schwache und kranke Häftlinge und entfernte ihnen ohne Betäubung lebenswichtige Organe, um zu erfassen, wie lange diese ohne die Organe überleben. Infolge dieser Eingriffe starben von Oktober bis November 1941 mindestens 243 Menschen.

Bei anderen Kranken ermittelte er nach Giftinjektionen mit Phenol ins Herz mit einer Stoppuhr die Dauer bis zum Eintreten des Todes.

Fabrikaktion – 31. Osttransport nach Auschwitz

1943 noch etwa 20 Chawerim im Arbeitseinsatzlager Gut Winkel, Spreenhagen

20.2.1943 neue Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes für die „technische Durchführung der Evakuierung“

27.2.1943 Räumung des Arbeitseinsatzlagers Gut Winkel; Verbringung der Inhaftierten ins Sammellager nach Berlin, Große Hamburger Straße

März 1943 Reichsweite „Fabrikaktion“, alle noch in Arbeitslagern und kriegswichtigen Betrieben beschäftigten „Volljuden“ werden verhaftet und in Konzentrationslager nach Auschwitz und ins „Generalgouvernement“ deportiert.

2.3.43 Fernschreiben des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts (SS-WVHA) an den Lagerkommandanten von Auschwitz:

„Wie dort bekannt, beginnen am 1.3.43 die Judentransporte aus Berlin. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß sich bei diesen Transporten etwa 15000 vollkommen arbeitsfähige, gesunde Juden befinden, die bisher in der Berliner Rüstungsindustrie gearbeitet haben. Auf ihre weitere Arbeitsverwendungsfähigkeit ist mit allen Mitteln Wert zu legen.“

1.3.1931 Hugo und Irma de Vries aus Gut Winkel auf dem 31. Osttransport mit 3222 Juden von Berlin nach Auschwitz; unter den 19 Chawerim sind 8 Ehepaare

Bei der Ankunft an der Rampe von Auschwitz werden 677 Frauen und Männer zur Zwangsarbeit ins Lager selektiert; vergeben werden die Häftlingsnummern: 36546 – 36930 (385 Frauen) und 104598 – 104889 (292 Männer). Von den 19 Chawerim erhalten nur 4 eine Häftlingsnummer:

Heinz Kosiner 104787, Max Lindenstraus, Arno Michlowitz 104837, Rudi Moses 104831

Neuendorf Kersdorf

17.4.1943 Schwester Frieda aus dem Forsteinsatzlager Kersdorf ins KL Auschwitz; sie überlebt Auschwitz und die Todesmärsche

Nachkriegszeit

Schwester Frieda nach ihrer Befreiung in div. DP-Camps

6.9.1946 Schwester Frieda auf dem US-Marinetransporter SS MARLIN nach New York

Gedenken

3.6.2025 Stolpersteine für Jonas, Helene, Ludwig und Hugo de Vries sowie Schwester Marianne Hermann in Leer

Quellen

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1174567

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1174493

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de996160

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/11261539

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212452

https://collections.arolsen-archives.org/de/document/127212890

https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1138429

https://victims.auschwitz.org/victims

Danuta Czech, Auschwitz Chronicle 1949-1945, Henry Holt and Company, Inc., New York 1990

Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

https://www.mappingthelives.org

Genealogie Webseite My Heritage

https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863

https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de

Peter W. Lande,  Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History

https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316

Veröffentlicht von Franz-Josef Wittstamm

Geboren 31. Mai 1951 in Recklinghausen Gymnasium Petrinum 1961 bis Abitur1970 Studium der Humanmedizin in Bochum Approbation 1981 Promotion1982 Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin Im Ruhestand seit 2016

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