
Therese Charlotte Ettlinger/Tirza Amir
*18.8.1911 in Karlsruhe; ✡17.12.2006
Staatsangehörigkeit deutsch
Religion jüdisch
Vater Max Ettlinger *12.5.1880 in Karlsruhe; ✡18.8.1927 in Karlsruhe
Heirat der Eltern 28.12.1909 in Frankfurt
*11.2.1892 Karlsruhe; ✡ 18.8.1927 in Karlsruhe
Mutter Emmi Falck *15.1.1882 in Lübeck; ✡ 30.3.1960 Beit Hashita
Großeltern Leopold Ettlinger (1844-1912) und Therese Stirn (1846-1915)
Großvater Abraham Falck
Großmutter Margarethe Falck geb Marcus *17.11.1855 in Anklam; ✡17.10.1942 Theresienstadt
Geschwister
Leopold Ettlinger *3.10.1914 in Karlsruhe; ✡23.8.2008 in Zürich; oo Elisabeth Lachmann
Hanni Ettlinger/Chana David*23.4.1920 in Karlsruhe; ✡ 15.10.2013 Beit Hashita
Schwager
Herbert/Menachem David *13.7.1912 in Norden; ✡ 19.1.1981 in Beit Hashita
Beruf Landarbeiterin
Adressen Karlsruhe Kronenstraße 24; Haydnplatz 6; Gut Winkel, Spreenhagen;

Heirat 2.6.1936 in KarlsruheLudwig Hemmerdinger/Jehuda Amir *14.7.1911 Freiburg; Lehrer; ✡18.7.1979 in Petach Tikvah
Kinder drei
Uriel Max Hemmerdinger *12.11.1937 in Karlsruhe; Potsdam; Vittel
Tochter Amir; oo Elrom
Tochter Amir; oo Badash
Erster Weltkrieg
1917 Vater als Vizewachtmeister der Leichten Munitionskolonne, Feldart-Regiments 14 schwer verwundet; Kopfverletzung; Meldung in den Deutschen Verlustlisten
Weiterer Lebensweg
1936 Zuzug von Ludwig Hemmerdinger nach Karlsruhe
Gut Skaby
Theresia Ettlinger zur Hachschara in das Gut Skaby, Friedersdorf
Gut Winkel
1.10.1937 Hanni Ettlinger zusammen mit ihrer Freundin Gabriele Heinsheimer aus Karlsruhe zur Hachschara als Mitglied der Habonim ins Gut Winkel, Spreenhagen
30.6.1938 Hanni Ettlinger auf der Belegschaftsliste des Gut Winkel;
Novemberpogrom
10.11.1938 Ludwig Hemmerdinger verhaftet in Karlsruhe
11. 11.1938 Ludwig Hemmerdinger eingewiesen in das KL Dachau; Häftlingsnummer 21050
16.12.1938 Entlassung von Ludwig Hemmerdinger aus dem KL Dachau,
Chana David berichtet von Gut Winkel
„Anders als in den anderen Hachschara-Zentren, wo vieles zerstört wurde und auch zahlreiche Menschen in die Konzentrationslager verschleppt wurden, wurde Winkel von keinem Schlägertrupp berührt. Als uns die ersten Nachrichten über die Zerstörungen erreichten, wurde ich von Martin Gerson beauftragt, mit dem Zug nach Berlin zu fahren, um zu erkunden, was dort geschehen war. Insbesondere sollte ich nachsehen, ob auch das Büro des »Hechaluz« von den Verwüstungen betroffen war. Er hatte mich für diesen Auftrag ausgesucht, weil er meinte, dass ich mit meinen langen blonden Zöpfen bei niemandem in Verdacht geraten könne, Jüdin zu sein und deshalb vor Übergriffen geschützt sei. Als ich aber in die Meinekestraße kam und sah, wie Leute dort abgeholt wurden, traute ich mich nicht näher an das Palästina-Amt heran, sondern kehrte sofort nach Winkel zurück.“
Verhaftung in Karlsruhe
9.1.1939 Verhaftung von Therese Hemmerdinger mit der Mutter Emmy auf dem Bahnhof Karlsruhe zusammen mit dem aus Berlin eintreffenden Ehepaar Hopf; Vorwurf der Gestapo: Beteiligung bei dem Versuch ein Brilliantencollier in die Schweiz zu schmuggeln.
Minderheiten-Volkszählung
17.5.1939 Therese, Uriel und Ludwig Hemmerdinger in Karlsruhe, Haydnplatz 6
17.5.1939 Hanna Ettlinger und Herbert David in Gut Winkel, Spreenhagen
England
5.6.1939 Ehemann Ludwig nach England
Britischer Census
29.9.1939 im Kitchener Flüchtlingscamp
Winston Churchill: „Collar the lot“
10.5.1940 Winston Churchill Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain; Anordnung Churchills, zur Internierung und Verschiffung außer Landes der etwa 70000 Deutschen und Österreicher in Großbritannien; 60000 von ihnen waren Flüchtlinge.
11.6. -1.8.1940 10000 Männer und 4000 Frauen als „enemy aliens“ interniert in neun Camps auf der Isle of Man
Juli 1940 Innerhalb von 16 Tagen wurden über 10000 Internierte auf fünf Schiffen illegal nach Übersee deportiert
SS DUNERA – 57 Tage auf See
10.7.-6.9.1940 Ludwig Hemmerdinger auf der SS DUNERA von Liverpool nach Sydney
Die 2500 Deportierten waren zuvor in den Lagern mit falschen Versprechungen zu einer „freiwilligen Meldung“ gedrängt worden. So wurden die auf der Isle of Man im Camp Ramsey Internierten aus dem Kitchener Camp getäuscht, dass sie wohl nach Kanada kämen und dort völlige Bewegungsfreiheit hätten.
Die SS DUNERA war ein zum Militärtransporter umgebautes früheres Kreuzfahrtschiff und für nur 1157 Soldaten zugelassen.
An Bord befanden sich auch die 451 Schiffbrüchigen des durch einen Torpedo des U-47 versenkten Internierten Schiff ARANDORA STAR (überwiegend kriegsgefangene Marine-Soldaten)
12.7.1940 Die SS DUNERA übersteht zwei Treffer durch aber nicht explodierende Torpedos der U-56.
24.7.1940 Hafen von Free Town in Sierra Leone
Die 450 Schiffbrüchigen der ARANDORA STAR werden in Melbourne ausgeschifft und kommen in das Lager Tatura.
6.9.1940 Ankunft der SS DUNERA in Sydney; Internierung der 2000 Juden und Nazi-Gegner in zwei Lagern bei Hay in New South Wales
Möglichkeit des Erwerbs der australischen Staatsbürgerschaft durch Eintritt in eine Arbeitseinheit der Australian Army


4.2.1942 Einreise von Ludwig Hemmerdinger über Bombay nach Palästina
22.6.1942 Offizielles Ende der Internierung; Freilassung zur Rückkehr in ein Land ihrer Wahl
Alija beth auf der SS HILDE – Sonderhachschara 4
1.10.1939 Herbert David abgemeldet aus Spreenhagen nach Berlin
„12. Oktober liefen wir in kleinen Gruppen zum Bahnhof, um keinerlei Aufsehen zu erregen.“
20.10.1939 abgemeldet aus Spreenhagen
12.10.1939 Bahnfahrt von Hanna Ettlinger und Herbert David als Transportleiter Berlin über Frankfurt und Passau nach Wien; die zweite Hälfte des Transportes kam von Breslau nach Wien
14.10. 1939 Ankunft in Wien, über die Schwarzmeerroute Bratislava, Budapest, Belgrad, Bukarest
6.11.1939 Ankunft in Sulina, Schwarzmeer-Hafen
26.11.1939 Abfahrt mit 729 Passagieren auf der SS HILDE
15.1.1940 hinter den Dardanellen von britischer Marine gestoppt und geentert
22.1.1940 Ankunft vor der Dreimeilen-Zone vor Haifa
24.1.1940 Britische Mandatsbehörden verweigern die Landung
29.1.1940 Ankunft Haifa nach Abschluss von Verhandlungen zwischen Sochnut (Jewish Agency) und britischer Mandatsregierung
29.1.1940 mit Bussen in das Internierungslager nach Athlit verbracht
13.2.1940 Registrierung von Hanna Ettlinger in Athlit; sie gibt Martin Gerson und Heimann als Referenz an, als Gemeindeältesten (Dokument D/633/40/CHU)
18.2.1940 Entlassung der Frauen aus dem Lager
Juli 1940 Entlassung der Männer aus dem Lager Athlit
Die Bürckel-Wagner-Aktion in Baden
22.10.1940 Mutter Emmy Ettlinger mit 16 Juden aus dem Judenhaus am Haydnplatz 6 auf einem der sieben Transporten von 6500 Juden des Saarlandes, der Pfalz und Baden, davon allein aus Karlsruhe über 900 und 1972 aus Mannheim in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich transportiert in der „Bürckel-Wagner-Aktion“.
November 1941 Mutter Fanny kann mit fast 60 älteren Personen das Lager Gurs verlassen. Sie finden Aufnahme in einem Heim in Chansaye nördlich von Lyon, eingerichtet von Alexandre Glasberg, einem katholischer Geistlicher jüdischer Herkunft aus der Ukraine. Bemühungen der Bruders Leopold, die Mutter in die Schweiz zu holen, scheitern zwar, sie überlebt aber in Chansaye.
Alija
28.7.1942 Einreise von Ludwig Hemmerdinger mit einem Arbeiterzertifikat des Hechaluz Kategorie C/LS
Transport 222

Therese Hemmerdinger als Austauschjüdin vermutlich mit australischen Papieren im Internierungslager Vittel, in einem Hotelkomplex im Kurort Vittel in ein Internierungslager ursprünglich für britische und kanadische Frauen, Kinder und ältere Männer; 1944 überwog aber der Anteil deutscher Häftlinge.
26.4.1944 von den etwa 1.300 Austauschjuden in Bergen-Belsen mit Palästina-Zertifikat werden 272 ausgewählt, vor allem Mitarbeiter des Joodse Raad Amsterdam und deren Familienangehörigen. Sie sollen ausgetauscht werden gegen „Deutsche Templer“, eine Sekte in Jerusalem.
29.6. 1944 222 Austauschjuden aus Bergen-Belsen mit dem Zug über Nürnberg nach Wien; hier kommen 62 Juden aus den Internierungslagern Vittel und Laufen (Salzach) hinzu. Die Fahrt geht über Budapest, Sofia nach Istanbul. In Wien, Istanbul und Aleppo wurden jeweils die Züge gewechselt; den Bosporus überquerte ein Ausflugsdampfer, der die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges auf der asiatischen Seite von Istanbul mit einer mehrstündigen Rundfahrt überbrückte. Ab Aleppo über Beirut erreichte der Transport schließlich Haifa in Palästina.
10.7.1944 Ankunft von Therese mit Sohn Uriel Hemmerdinger mit dem Transports in Haifa
31.8.1944 Einbürgerung von Ludwig und Theresa in Palästina
Nachkriegszeit
Mutter Emmy aus Frankreich zum Sohn Leopold in die Schweiz
1948 Mutter Emmy nach Palästina, zunächst zu Tochter Therese bei Tel Aviv, dann nach Beit Hashita zu Hanna David
Gedenken
Quellen
Ilana Michaeli und Irmgard Klönne (Hrsg.) Gut Winkel, die schützende Insel: Hachschara 1933-1941 Mitarbeit von Ilka von Cossart, Katharina Hoba und Ulrike Pilarczyk; LIT Verlag; 2007
Urs Stammbach, Ein Zwischenfall, dem Heinz Hopf 1939 in Karlsruhe ausgesetzt war, 2009 Springer Verlag
Preußische Verlustlisten vom 19.Januar 1919
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/130429442
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/10660098
https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Ettlinger_(Mikrobiologe)
https://victims.auschwitz.org/victims
https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de863751
Staatsarchiv Israel, Israel, Einwanderungslisten
Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939
https://www.mappingthelives.org
Genealogie Webseite My Heritage
http://luckauer-juden.de/hachschara.html
https://collections.yadvashem.org/en/documents/3655863
https://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de
Peter W. Lande, Jewish „Training“ Centers in Germany, Manuskript von 1978 im Bestand des Centers for Jewish History
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4311316